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TU Berlin

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Forschung

Doping, Gesundheit und Ethik

Ein Forschungsprojekt über Sportler, gedopte Mutanten und Helden der Körperlichkeit

Lupe

Neben dem sportlichen und emotionalen Großereignis, der Fußball-Europameisterschaft, steht ein weiteres Groß-Event auf der Sport-Agenda dieses Sommers: die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Und wie immer vor und während solcher internationalen Wettkämpfe wird ein Problem besonders thematisiert: Doping. Verschiedene pharmazeutische Stimulanzien, Narkotika und vor allem Anabolika werden missbraucht, sollen den Körper überlisten und zu Höchstleistungen bringen, auf dass er die nationale Ehre mehre. Tatsächlich schädigen sie oft den Sportlerkörper, führen zu Abhängigkeit und können auch dem Ruf schaden, wie die jüngsten Ereignisse rund um die Olympiateilnahme Russlands an den Winterspielen in Sotchi gezeigt haben. Neben der medizinischen Dimension ist dem Thema aber auch noch eine andere Kategorie eigen: die Ethik. Große internationale Aufmerksamkeit erregte das BMBF-Verbundprojekt „Translating Doping – Doping übersetzen“, an dem neben dem Institut für Sportwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin als zweiter Partner das Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin beteiligt war, unter der Leitung von Prof. Dr. Christoph Asmuth. Die vielschichtigen Beziehungen von Sport und Gesellschaft wurden hier durchleuchtet, Moral und Recht, Gerechtigkeit, Glaubwürdigkeit, Aspekte von Gesundheit und Natürlichkeit, von Verantwortung, von Regulierung und auch von Philosophie und Visionen. Vom Athleten zum Mutanten?, fragte Christoph Asmuth beispielsweise und zeigte die Horrorvision des Gen-Dopings auf, als Super-GAU der Sportwelt: Gentechnisch optimierte Athleten beherrschen die Arenen der Welt. Der perfekt an seine Sportart angepasste Mutant ist unbesiegbar, das bessere Labor entscheidet über den Wettkampf. Mit dem Nachdenken über Doping wurde natürlich auch die Frage gestellt: Wie weit gilt die allgemeine Formel: „Sport ist gesund“? Bei manchen Formen des Ausdauersports wendeten Ärzte in der Vergangenheit sogar die Kategorie der Sucht an. Denn der Sportler scheine von der Ausübung seines Sports körperlich und geistig abhängig zu sein mit allen Folgen, die eine Sucht für das soziale Leben und die Gesundheit eines Betroffenen haben kann, so Asmuth. Gleichzeitig sei die Gesundheit ein zentrales Motiv des Anti-Doping-Kampfes.

Immer wieder überschatteten tragische Ereignisse, bei denen Sportler durch die Einnahme von Medikamenten zu Tode kamen, das Bemühen, Regeln im Kampf gegen Doping zu finden: 1967 kollabierte der englische Radprofi Tom Simpson bei der Tour de France kurz vor dem Gipfel des Mont Ventoux und verstarb an der Rennstrecke. Eine Obduktion ergab, dass Simpson Amphetamine zu sich genommen und Alkohol getrunken hatte. Infolgedessen war er stark dehydriert, was als Konsequenz der außerordentlich hohen körperlichen Belastung den tödlichen Kollaps zur Folge hatte. Birgit Dressel, eine Siebenkampf-Leichtathletin, starb 1987 an einem Multiorganversagen infolge eines Kreislaufschocks. Sie hatte in den 16 Monaten vor ihrem Tod 400 Spritzen mit verschiedensten Medikamenten erhalten. Sie nahm wahrscheinlich täglich ein Anabolikum in sehr hohen Dosen ein und erhielt 20 verschiedene Medikamente von drei Ärzten. Eine weltweite Diskussion über Sport und Gesundheit schloss sich an sowie ein absolutes Dopingverbot durch die Sportverbände. Aus diesen Beispielen ergab sich einer der vielfältigen im Forschungsprojekt diskutierten Konflikte, nämlich der Konflikt zwischen der Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen und dem Wert der Gesundheit und seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Auf der Website des Projekts können Interessierte in einer Fülle von Materialien, Berichten und Dossiers zu diesem facettenreichen Thema fündig werden.   

www.translating-doping.de

Patricia Pätzold, "TU intern" 22. Juli 2016

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