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TU Berlin

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Forschung

Klingende Architekturmodelle

Freitag, 26. Juli 2013

Der Klang fristet in den Planungswissenschaften bisher ein Nischendasein – Urs Walter und Olaf Schäfer wollen das ändern

Wie klingt der Gebäude-Übergang von der Mathematik zur Elektrotechnik der TU Berlin? Der Architekt Urs Walter (r.) und der Ingenieur Olaf Schäfer wollen, dass Klänge als Konzeptionsebene bereits in der Planung von Gebäuden berücksichtigt werden
Lupe

„Die Diskussion um die Waldschlößchenbrücke inmitten des UNESCO-Welterbes Kulturlandschaft Dresdner Elbtal ist ein gutes Beispiel: In der Planung wird Raum ausschließlich visuell wahrgenommen“, sagt der Architekt Urs Walter. „Aber die barock anmutende Landschaft dort ist klanglich eine Landschaft des 20. Jahrhunderts, mit anliegender Autobahn, mit Straßenbahn und Baulärm genau an der Stelle, die für die Fotoaufnahmen über Tal und Fluss immer genutzt wird.“ Urs Walter vom Institut für Architektur ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Entwerfen und Konstruieren von Prof. Dr. Susanne Hofmann, das unter anderem Methoden der Nutzerpartizipation entwickelt. Er möchte neben der visuellen auch der bisher wenig erforschten akustischen Dimension der Welt zu mehr Aufmerksamkeit in der Architekturplanung verhelfen. Denn die Komplexität der Welt müsse sich auch in ihrer Abbildung niederschlagen. Hinsichtlich der Raumwahrnehmung ist es sinnvoll, die „stummen“ Werkzeuge der Architektur – Zeichnungen, Modelle und Collagen – mit auditiven Instrumenten zu ergänzen.

Zusammen mit Olaf Schäfer, Architekt, Klanganthropologe und Mitbegründer des Büros „studio urban resonance“ bringt er das Thema „Klingende Architektur“ auch in die Lehre ein. Der innovative Ansatz, die Klangebene in die Planung zu integrieren, erfordert ein neues Denken und damit transdisziplinäre Kooperationen. Dafür wird bereits eng mit dem Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin zusammengearbeitet (siehe auch Artikel oben auf dieser Seite). Dort können Urs Walter und Olaf Schäfer für ihre Studienprojekte zum Beispiel sensible Geräte ausleihen.

Als Erstes erstellen die Studierenden für eine Entwurfsplanung neben der Kartierung das „Sound-Porträt“ eines Ortes. Auch auf dem TU-Campus haben sie dazu viel Gelegenheit. Ein Hörmodell von Madine Delhommeau porträtiert den verglasten Übergang vom Mathe- zum Elektrotechnikgebäude, eine Architektur im Stand-by-Modus. Man hört zunächst nichts – dann hallende Schritte – metallisches Knarzen von Türen – Stimmen mit ganz spezifischem Nachhall – entfernte Stimmen von draußen – Windgeräusche, die entstehen, wenn der Luftzug durch den Weg zwischen den Gebäuden streicht und vom Übergang gebrochen wird – dann wieder minutenlang nichts … „Wir wollen Architektur vom Nutzer her denken. Beim Klang ist der Nutzer von Anfang an dabei“, sagt Olaf Schäfer. „Soundscapes als ,klingende Architekturmodelle‘ erzählen auf einer hörbaren Ebene davon, wie der geplante Raum empfunden werden könnte.“ Als Nächstes möchten sie ihren Lehransatz auch in einem vollständigen Entwurfsprojekt anwenden und planen eine engere Kooperation mit der Psychoakustik.

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2013

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