direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Forschung

Vorurteile fördern Gewalt

Freitag, 22. Februar 2013

Studie über Präventionspraxis in Berliner Quartieren aus dem Zentrum für Antisemitismusforschung

Um Gewalt an Schulen zu vermeiden, müssen soziale Kompetenzen zusätzlich gefördert werden
Lupe

Jugendgewalt erwächst stets aus einem ganzen Bündel von Ursachen. Das wissen diejenigen, die sich mit diesem Phänomen professionell beschäftigen, längst. Einer Ursache sollte jedoch künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, wie eine neue TU-Studie empfiehlt: Viele Kinder müssen in zwei Welten leben, deren Regeln, Normen und Werte sich unterscheiden. Das erklären Grundschullehrerinnen und -lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher aus den zwei Berliner Brennpunkt-Quartieren Moabit/Tiergarten und Falkenhagener Feld/Spandau. Sie wurden für die Studie zur Jugendgewalt von der „Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus“ des TU-Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) befragt.

„Die eine Welt besteht aus ihrem Elternhaus und der Herkunftsfamilie. Die andere ist die Welt der pädagogischen Einrichtungen und Angebote. In beiden gelten unterschiedliche Werte und Normen“, sagt Dr. Michael Kohlstruck. Seit 2002 leitet der Politologe und Antisemitismusforscher die „Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremismus“ am ZfA. Er ist für die Studie, die im Auftrag der „Landeskommission Berlin gegen Gewalt“ erstellt wurde, verantwortlich. „Für QM-Gebiete sind statusschwache und bildungsferne Milieus typisch. Viele Eltern verfügen hier oft nur über eine verminderte Erziehungskompetenz. Diese stehen den egalitären, partizipatorischen, gewaltfreien und verständigungsorientierten Verhaltensgrundsätzen in den Bildungseinrichtungen spannungsreich gegenüber.“ Als QM-Gebiete werden Stadtregionen bezeichnet, die das Bundesprogramm „Soziale Stadt“ durch ein Quartiersmanagement fördert. Die Forschenden fanden heraus, dass die Kinder und Jugendlichen sich selbst als Teil verschiedener ethnischer, kultureller oder national definierter Gemeinschaften wahrnehmen. Das sei eine der Ursachen, die zur Ausbildung von Vorurteilen und daraus entstehender Gewaltbereitschaft führten.

Die Untersuchung galt der Praxis von Gewalt- und Vorurteilsprävention. Sie basiert auf rund 50 Interviews mit Praktikern in Einrichtungen und Grundschulen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Bezirksämtern. Diese sollten sich zu Kindern und Jugendlichen bis zum Ende des Grundschulalters äußern. Daher bilde die Studie ausschließlich deren Wahrnehmung ab, so Kohlstruck. „Die Studie zeigt klar, dass im Bildungswesen ein starker Akzent auf die Förderung personaler und sozialer Kompetenzen gelegt werden muss, in Grundschulen zum Beispiel durch die Einrichtung zusätzlicher Stunden für soziales Lernen“, sagt der Vorurteilsforscher. Erfolge könnten hier aber nur erzielt werden, wenn auch das familiäre Umfeld der Kinder kontinuierlich mit einbezogen werde. Darüber hinaus, so die Empfehlung der Forscher, sollte das gemeinsame Quartier als Ressource genutzt werden, um eine lokale Identität zu etablieren. Eine Betonung des gemeinsamen Quartiers als aktueller Wohnheimat und als Aktivitätsraum der Kinder könne die Bedeutung der verschiedenen Herkunfts- und Statusgruppen abschwächen. „Die Konstruktion einer solchen neuen Identitätsschicht, die nicht von der Herkunft dominiert ist, kann sich an dem orientieren, was aktuell verbindet, also der Wohnheimat“, sagt Michael Kohlstruck. „Das eröffnet die Möglichkeit einer neuen Gemeinschaftlichkeit, in der zivildemokratische Verhaltensweisen eingeübt werden können, kontinuierlich angeleitet und begleitet von Schule und Jugendeinrichtungen.“

Die Arbeitsgruppe stellte die Studie Ende Januar zusammen mit der ZfA-Leiterin, Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum, und dem zuständigen Staatssekretär der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Andreas Statzkowski, der Öffentlichkeit vor. Sie ist im Internet downloadbar.      

www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/bfg/nummer47/berliner_forum_47o.pdf?start&ts=1357806210&file=berliner_forum_47o.pdf

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 2/2013

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.