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TU Berlin

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Forschung

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Dienstag, 18. Dezember 2012

Forscher haben untersucht, vor welchen Hürden die Energiewende steht. Die Liste ist lang

Das Netz hinkt dem Ausbau der erneuerbaren Energien hinterher
Lupe

Am Netzausbau wird sich entscheiden, ob die Energiewende gelingt“, sagt Dörte Ohlhorst, Politikwissenschaftlerin am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Forschungsprojekt „Restriktionen im Netzausbau“ (ReNet) analysierten, welche ökonomischen, technischen, rechtlich-politischen, planerischen und sozialen Restriktionen den Netzausbau behindern. „Ein planerisches Problem ist zum Beispiel, dass der Bau neuer Windkraftparks, Solarfelder und Biogasanlagen zu wenig mit dem Netzausbau koordiniert wird“, so Ohlhorst. Vielmehr stagniert der Trassenneubau, während der Bau neuer Windparks und Fotovoltaikanlagen weitergeht. Den Ausbau der erneuerbaren Energien deshalb zu drosseln und an den schleppenden Netzausbau anzupassen, wie von der deutschen Energieagentur vorgeschlagen, sieht Dörte Ohlhorst jedoch kritisch. „Damit würde der Druck auf die Netzbetreiber sinken und die Energiewende weiter ausgebremst“, warnt sie.

Unstrittig ist, dass die Energiewende für die Übertragungsnetzbetreiber viele ökonomische Unwägbarkeiten mit sich bringt. Diese argumentieren, dass die Investitionsbedingungen für den milliardenschweren Neu- und Ausbau sowie die Modernisierung der Leitungen nicht rentabel seien. Schon heute läge – laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft – die Netzrendite unter dem internationalen Durchschnitt. Die Bundesnetzagentur wiederum, die die Tarife für die Durchleitung von Strom und Gas genehmigt, argumentiert, die Rendite sei ausreichend.

Zu den ökonomischen Hemmnissen treten technische Hürden: Vorhandene Leitungen sind schneller umzurüsten und zu modernisieren, als Trassen neu zu bauen, „aber gemessen am Leistungszuwachs muss die Umrüstung nicht unbedingt kostengünstiger sein“, gibt Ohlhorst zu bedenken. Auf der politischen Ebene bremst der bundesdeutsche Föderalismus die Energiewende. Ohlhorst: „Die zersplitterten Zuständigkeiten und unterschiedlichen rechtlichen Vorgaben in jedem einzelnen Bundesland sind für ein überregionales Infrastrukturvorhaben wie den Netzausbau kontraproduktiv.“ Deshalb sieht sie eine zentrale Herausforderung der Energiewende darin, die vielen regionalen und kommunalen Vorhaben zu koordinieren und auf eine Optimierung des Gesamtsystems auszurichten.
Die Skepsis der Bevölkerung gegen den Netzausbau ist ein weiteres Problem. „Widerspruch erhebt sich vor allem dort, wo keine Erdverkabelung vorgesehen ist, die Hochspannungsleitungen nahe an Wohngebieten geplant sind – gefordert wird ein Mindestabstand von 200 bis 400 Metern –, und in Regionen, die bereits durch Infrastrukturprojekte wie Autobahnen oder ICE-Trassen belastet sind“, weiß Ohlhorst. Die Gründe für die fehlende Akzeptanz des Netzausbaus sind vielfältig: Die Menschen befürchten neben gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Elektro-Smog auch einen Wertverlust ihrer Immobilien. Und gegen die von der Bevölkerung favorisierten Erdkabel sprechen für Experten die im Vergleich höheren Kosten.

Das Buch „Netze als Rückgrat der Energiewende – Hemmnisse für die Integration erneuerbarer Energien in Strom-, Gas- und Wärmenetze“ ist im Universitätsverlag der TU Berlin erschienen. ISBN: 978-3-7983-2471-8
opus.kobv.de/tuberlin/volltexte/2012/3730

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2012

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