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TU Berlin

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Forschung

Wo Tote ruhen, da regt sich Leben

Montag, 19. November 2012

Pflanzen, Tiere und Denkmalschutz auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee

Die Natur bricht sich heute Bahn zwischen den Denkmälern des Todes
Lupe

Fledermäuse, Füchse und Laufkäfer, Flechten, Moose und viele andere Pflanzen sind hier zu Hause. Auf einem der größten jüdischen Friedhöfe Europas im Berliner Ortsteil Weißensee ist die Natur auf dem Vormarsch. In den rund 115 000 Grabstellen ruhen viele herausragende Persönlichkeiten, insbesondere aus dem Kaiserreich und der Weimarer Republik, wie der Publizist Theodor Wolff und der Verleger Samuel Fischer. Doch heute sprießen hier Farne und Efeu aus der Erde. Die Grabsteine sind von Flechten und Moosen überzogen, Vögel hinterlassen ihre Spuren. Für viele Naturliebhaber ist dies ein schützenswerter Lebensraum, andere sehen darin den Verfall eines national bedeutsamen Denkmals. Infolge des Holocaust können meist keine Nachfahren mehr die Pflege der Gräber veranlassen. Doch nach dem jüdischen Glauben bestehen die Grabstätten für die Ewigkeit und werden nicht neu belegt.

Das Landesdenkmalamt arbeitet derzeit an einem Antrag zur Aufnahme des Friedhofs in das UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Frage dabei ist: Wie mit der Natur auf dem Friedhof umgehen?

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Forscher der TU Berlin wollen nun Natur- und Denkmalschutz verknüpfen. In einem Modellprojekt sammeln sie Daten über die vorkommenden Pflanzen- und Tierarten sowie über den Zustand der Grabfelder. Ziel ist die Entwicklung eines Leitbildes zur Pflege des 42 Hektar großen Friedhofareals. „Wo Wurzeln sich ihren Weg bahnen, wo Tiere einen Lebensraum finden, die sonst im Stadtgebiet keine Chance mehr haben, werden Grabmäler unter Umständen beschädigt. Der geschichtsbedingte Verfall macht aus dem kulturhistorischen Denkmal aber auch einen wertvollen ökologischen Lebensraum“, sagt Ingo Kowarik. Der Professor für Ökosystemkunde und Pflanzenökologie leitet das Projekt, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt mit mehr als 300 000 Euro fördert. „Wir wollen nun in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, dem Centrum Judaicum und der Jüdischen Gemeinde Berlin einen Weg finden, Natur- und Denkmalschutz zu verbinden.“ Er kooperiert dabei auch mit seinem Kollegen Johannes Cramer vom TU-Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte, der in einem vorigen Projekt die baulichen Anlagen des Friedhofs systematisch erfasst und deren Substanz und Pflegezustand umfassend dokumentiert hatte. Professor Kowarik und die Wissenschaftler seines Teams katalogisieren nun Tier- und Pflanzenarten auf dem Friedhof und pflegen sie in ein geografisches Informationssystem (GIS) ein. „So wollen wir später in verschiedenen Pflege-Szenarien deutlich machen, wie auf dem Friedhof Natur- und Denkmalschutz verbunden werden können“, so Dr. Moritz von der Lippe, Ökologe und Wissenschaftler im Team. „Beispielsweise prüfen wir, wie der Gehölzaufwuchs die Grabstellen beeinflusst und mit welchen Maßnahmen wir Natur und Kultur gleichermaßen bewahren können.“ Das Projekt ist auf diese Weise ganz im Sinne der Welterbe-Konvention ausgerichtet. Auch die UNESCO will Umweltschutz und Denkmalpflege miteinander in Einklang bringen.
www.oekosys.tu-berlin.de

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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