direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Forschung

Viele Schätze sind noch ungehoben

Montag, 19. November 2012

Wie die Universität ihre Forscherinnen und Forscher besser fördern will

Der Maschinenbauingenieur Prof. Dr. Paul Uwe Thamsen ist 1. Vizepräsident der TU Berlin und zuständig für Forschung und Berufungen
Lupe

Herr Professor Thamsen, seit mehr als einem Jahr sind Sie 1. Vizepräsident der TU Berlin. Neben der Netzwerkbildung in Politik, Wirtschaft und bei internationalen Kooperationen, neben Berufungsverhandlungen, der Begleitung des Umzugs der Forschungsabteilung und vielen weiteren Themen haben Sie sich intensiv mit der Planung und Entwicklung einer neuen Strategie für die Forschungsförderung an unserer Universität befasst. In welche Richtung soll es gehen?

Wir haben unsere Forschungsförderung in den letzten Monaten sehr genau angesehen und festgestellt, dass wir damit etwas sehr Gutes in der Hand haben. Immerhin sind 159 Millionen Euro Drittmittel im Haus. Sie haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Aus diesem Grund sind viele Elemente der Forschungsförderung auch so gelassen worden, wie zum Beispiel die Anschubfinanzierung. Denn hier gilt: Das Bessere ist der Feind des Guten. Überprüft wurden unsere internen Förderlinien wie Anschubfinanzierung, Post-doc-Förderung, Verbundanschübe und Infrastrukturanschübe, Innovationszentren, Bonusprämierung sowie „ProTuTec“, die Förderung zur Verbesserung von Erfindungen im Hinblick auf eine höhere Marktreife. Damit wird zum Beispiel der Bau von Prototypen oder eines Demonstrators unterstützt. In allen konnten wir große Erfolge sehen. Dennoch gibt es natürlich immer Verbesserungspotenzial.


Welche Schwächen haben sich gezeigt?

Bei den Innovationszentren haben wir beispielsweise erkannt, dass sie ein wesentlicher Schritt zur Profilbildung unserer Universität waren. Aber wir haben zu stark in Strukturen investiert. So bleibt zu wenig Geld für das eigentliche Thema übrig. Konkret heißt das: Wir müssen die ideenreichen Menschen auf andere Weise zusammenbringen, zum Beispiel in Workshops, auf Kommunikationsplattformen, auf denen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an Themen im gleichen Bereich forschen, suchen und finden. Das Thema „Medizin“ zum Beispiel betrifft so gut wie alle Fakultäten. Da geht es um Ethik, um breit gefächerte Medizintechnik, um Human Resources. Wenn eine Gruppe also eine Idee hat, gleich aus welchem Bereich, wollen wir diese mit Mitteln begleiten, bis zum Drittmittelantrag.


Wie kann man die Leute tatsächlich zusammenführen? Die Interdisziplinarität ist ja auch eine Säule in den Innovationszentren gewesen.

Darüber diskutieren wir noch. Unser Ziel ist aber, noch bis Ende des Jahres im Akademischen Senat über die konkrete Zielrichtung zu entscheiden. Der größte Veränderungsfaktor, den wir sehen, ist die Tatsache, dass spontan gebildete Gruppen flexibler im Vergleich zu einer vorgegebenen Struktur sind. Fördert man sie entsprechend, würde das vorhandene Geld nicht so stark in koordinierendem Personal gebunden. Da sind natürlich Motivation und Initiative gefordert. Ein kleiner Personalstamm wird trotzdem immer nötig sein, zum Beispiel für die Moderation, Organisation und Durchführung von fakultäts- und themenübergreifenden Workshops. Die starke Themenorientiertheit der Innovationszentren ist nämlich ebenfalls einer ihrer Schwachpunkte. Sie hat zur Folge, dass andere Bereiche keinen Schritt weiterkommen, weil sie thematisch an keinem Innovationszentrum andocken können. Die „Windenergie“ ist ein solches Beispiel aus meinem eigenen Fachgebiet. Alles in allem suchen wir also eine zukunftsträchtige Plattform, um diese nicht gehobenen Schätze endlich ans Licht zu bringen.


Das führt uns zu den Drittmitteln. Am angesehensten sind die Mittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der DFG. Gibt es Verschiebungen in der Bewertung und Gewichtung von Drittmitteln?

Die „hohe Schule der Universitäten“ ist die Förderung durch die DFG. Dabei geht es um Grundlagenforschung, und das soll auch an der TU Berlin im Fokus bleiben. Nichtsdestotrotz werden auch andere Partner im Verbund stärker. Die EU rückt zum Beispiel mit ihren Forschungsrahmenprogrammen immer mehr in den Vordergrund. Diese wiederum sind fast alle innovationsnah, wie die EU-Aktivitäten zur Klimaforschung innerhalb der Knowledge Innovation Communities, der sogenannten KICs zeigen. Die TU Berlin ist an denen über das Climate-KIC und das ICT-Labs-KIC maßgeblich beteiligt. Das zeigt auch die neue Strategie „Horizon 2020“, die mit dem 2014 beginnenden 8. EU-Forschungsrahmenprogramm zum Tragen kommt. Aus meiner Sicht wird beides gebraucht: Forscher möchten anwendungsbezogene Ergebnisse haben, doch sie benötigen auch Grundlagenforschung. Für mich als Ingenieur und Wissenschaftler ist immer auch die Lösung eines Problems die Aufgabe, ja sogar Verpflichtung: Die Gesellschaft erwartet von uns eine Antwort auf die Mega-Herausforderungen der Zukunft: Energieforschung, Windforschung, Wasserforschung. Das kann die DFG aus ihrem Portfolio nicht als Grundlagenforschung fördern. In diese Lücke springen dann eben andere, wie die EU. So haben beide nebeneinander ihre Existenzberechtigung. „Ansehen“ und „Image“ sind dabei keine Begriffe, die weiterhelfen.


Wie sollte ein gesunder Drittmittel-Haushalt aussehen?

Wir müssen vor allem auf Qualität, nicht auf Quantität achten, um uns als technische Universität den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Deshalb setze ich in unserer Forschungsförderung auf einen gesunden Mix, denn auf vielen Säulen steht es sich gut: Mittel aus der DFG, vom Bund, vom Land, aus der EU, aus der Wirtschaft und aus weiteren Quellen, die immer wichtiger werden. Die Einstein Stiftung Berlin ist für Letztere ein Beispiel. Dort konnten wir auch schon sehr erfolgreich umfangreiche Mittel einwerben wie die Einstein-Professuren und die Einstein-Fellows.

Vielen Dank! Das Gespräch führte Patricia Pätzold

Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

Zusatzinformationen / Extras

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

Diese Seite verwendet Matomo für anonymisierte Webanalysen. Mehr Informationen und Opt-Out-Möglichkeiten unter Datenschutz.