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TU Berlin

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Forschung

Die Vermessung des Lichts

Montag, 19. November 2012

130 Jahre Lichttechnik an der TU Berlin

Lupe

Es werde Licht! Und es ward Licht, so erzählt die Bibel. Seit rund 125 Jahren haben Menschen die Wahl zwischen Gas- und Elektrolicht. Der weltweit erste Lehrstuhl für Lichttechnik entstand 1882 – also vor 130 Jahren – an der TH Berlin. Im Herbstsemester 1882/83 hielt Professor Heinrich Wilhelm Vogel die erste lichttechnische Vorlesung „Über elektrisches Licht und Beleuchtungswesen“.

Es ist kein Zufall, dass dieses Fachgebiet in Berlin entstand. Damals entwickelte sich die Stadt zum Zentrum der Elektroindustrie. Zur gleichen Zeit forderte Werner Siemens, die Jugend mehr mit der Elektrizitätslehre und ihrer technischen Anwendung vertraut zu machen, um ihr die Scheu vor praktischen Anwendungen zu nehmen. Mit Prof. Wilhelm Wedding begann im frühen 20. Jahrhundert die lichttechnische Forschungstradition. Mit der Zeit entwickelte sich die Berliner Lichttechnik zur „Perle der Elektrotechnik“. Das gelang, weil sie Grundlagenforschung mit produktions- und anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsaufgaben verband. In den 1920ern fand ein Innovationsschub in der Film-, Kino- und Lichttechnik statt. Die massenhafte Umstellung vom gefährlichen Gas- zum sauberen elektrischen Licht erweiterte auch die Möglichkeiten für das technische Licht. Elektrisches Licht machte gerichtete Strahlung möglich und damit vervielfältigten sich die ingenieurtechnischen Aufgaben in der Messung, Berechnung und Bewertung von Lichtquellen. Am Institut für Lichttechnik waren bedeutende Wissenschaftler – Marcello Stefano Pirani, Manfred Richter, Hans-Jürgen Helwig und Jürgen Krochmann – tätig. Pirani entwickelte ein Vakuum-Messgerät, das unter dem Namen „Pirani-Vakuummeter“ international bekannt ist. M. Richters „Einführung in die Farbenmetrik“ gilt heute als Standardwerk der Farbwissenschaft. Der H.-J.-Helwig-Preis wird für exquisite Leistungen an junge Lichttechniker vergeben. Prof. Krochmann gründete 1984 die Firma „PRC Krochmann“ für Licht- und Strahlungsmesstechnik. Auch im 21. Jahrhundert hat das Institut für Lichttechnik wichtige Aufgaben zu erfüllen. Die Lichtthematik verknüpft sich mehr und mehr mit Zukunftsthemen wie Energie, Umwelt und Gesundheit. Die Forschungsarbeit ist nun stärker interdisziplinär ausgerichtet. Ein weiteres Forschungsfeld ist die „Energieeffiziente Beleuchtung für Gebäude“, wo unter anderem LED-Anwendungen, elektronische Steuersysteme und gesundheitliche Aspekte der Innenbeleuchtung bearbeitet werden. Aber selbst die Lichttechnik vergangener Zeiten ist Gegenstand der Institutsarbeit. Während in allen deutschen Großstädten die Gasbeleuchtung beseitigt wurde, hat Berlin in seinem Westteil noch ca. 8000 Gaslaternen beziehungswesie Peitschenleuchten. Diese Technik ist sehr kontroll- und kostenintensiv. Die Hälfte des Berliner Beleuchtungsetats fließt in die 20 Prozent Gaslicht-Anteil. Eine Gaslicht-Bürgerinitiative engagiert sich für das anheimelnde Laternenlicht. 2008 an der TU Berlin wurde eine LED-Leuchte entwickelt, die vom visuellen Eindruck her nicht vom Gaslicht zu unterscheiden ist. Neben der gleichen ästhetischen Anmutung ist aber diese lichttechnische Entwicklung viel kostengünstiger. Eine politische Entscheidung steht aus, aber technisch ist bewiesen, dass elektrisches Licht Gaslicht imitieren kann.

www.li.tu-berlin.de

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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