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TU Berlin

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Forschung

Die „dritte Kultur“ in Design und Entwurf

Montag, 19. November 2012

Woher kommt das Wissen in der Landschaftsarchitektur? Eine Diskussion

Entwürfe in der Architektur entstehen nicht immer auf der Basis von Wissen und Theorie. Manchmal erzeugen auch die Entwürfe selbst das Wissen“, sagt Professor Jürgen Weidinger. „Das könnte zur zentralen wissenschaftlichen Methode für das Entwerfen konkreter Orte werden.“

Jürgen Weidinger leitet das Fachgebiet „Landschaftsarchitektur Entwerfen Objektplanung“ am TU-Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung, das sich mit Theorie, Methodologie und Praxis des Entwerfens von urbanen Freiräumen wie Parks, Plätzen, Straßen oder Uferbereichen beschäftigt, also mit konkreten Lösungen für räumliche Herausforderungen in Stadt und Land. „Lange wurde das Entwerfen als ein Verfahren gesehen, das das Wissen von Einzeldisziplinen wie Städtebau, Biologie, Baukonstruktion, Recht, Verkehrswesen, Klimatologie, Wasserwirtschaft, Ökonomie und andere nutzbar und anwendbar macht“, so Weidinger. Doch diese zeitliche Abfolge – Wissen wird in den Disziplinen erzeugt und danach im Entwurf angewendet – werde heute verstärkt in Frage gestellt. Insbesondere bestehe große Unzufriedenheit über die Trennung des naturwissenschaftlichen Wissens, des geisteswissenschaftlichen Wissens, des Handlungswissens der Medizin und des Gestaltungswissens der angewandten und freien Künste. Das zeigte sich auch auf der Tagung „Wissen entwerfen“, auf der Experten aus ganz Europa die Resultate und Modelle entwurfsbasierter Forschung in der Landschaftsarchitektur vorstellten. Welches Wissen ist durch Entwerfen entstanden? Gibt es Wissen, das nur durch Entwerfen entdeckt werden kann? Wie kann dabei der Prozess der Wissensentstehung beschrieben werden? Und wie kann ein durch Entwerfen gewonnenes Wissen dokumentiert und weitergegeben werden? Das waren unter anderem Fragen, die die Experten diskutierten. Und tatsächlich reklamierten heute Disziplinen wie Kunst und Entwurf selbstbewusst die Möglichkeit für sich, dass durch Entwerfen neues Wissen geschaffen werden könne, das die eigenen Wissensbestände und die Wissensbestände anderer Disziplinen erweitere, so Jürgen Weidinger. „Diese Ideen sind jung“, sagt der Landschaftsarchitekt, „daher gibt es noch keine standardisierten Verfahren für die Erzeugung von Wissen durch Entwerfen und für die Beschreibung dieses Wissens.“ Diese sogenannte „dritte Kultur“ werde weiterhin in Frage gestellt, und in der Wissenschaftstheorie halte der Streit über die Zulässigkeit entwurfsbasierter Forschung an. Der Begriff „dritte Kultur“ wurde von Dr. Claudia Mareis, Universität Basel, geprägt, die sich mit Gestaltungs- und Designtheorien im 20. Jahrhundert beschäftigt. Doch auch Jürgen Weidinger untermauert seine These: „Neues Wissen in der Landschaftsarchitektur wurde in großen Teilen durch einflussreiche Projekte geschaffen, die durch die nachfolgende Entwurfspraxis zuerst nachgeahmt und dann zu neuen Wissensbeständen weiterentwickelt wurden. Teils liegen ihnen natürlich vorhandene Wissensbestände zugrunde, doch sie stellen auch eine Erfindung oder Auffindung neuer Kombinationsmöglichkeiten von Inhalt und Form dar, die bestehende Wissensbestände erweitern.“ Die Diskussion dauert an.

www.entwerfen.tu-berlin.de

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 11/2012

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