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Forschung

Richtige Entscheidung in der Katastrophe

Freitag, 13. Juli 2012

Mit „SIMKAS-3D“ wird ein System zur effektiven Krisenbewältigung entwickelt

Eine Katastrophe bahnte sich an: Es hatte einen Unfall gegeben. Wasser-, Strom-, Fernwärme- und Gasnetz waren in Mitleidenschaft gezogen. Die zentralen Versorgungssysteme und in der Folge auch Verkehr, Telekommunikation und viele andere Dienste drohten zusammenzubrechen. Die Zeit drängte. Ein Krisenstab aus Vertretern von vier Unternehmen war zusammengekommen und musste nun gleichzeitig Störungen beheben und deren negative Folgen in Grenzen halten. Zudem forderten Behörden und Pressevertreter, laufend über Lage und ergriffene Maßnahmen informiert zu werden, Kunden meldeten Ausfälle und Schäden. Zwischen den Versorgungssystemen und über ihre Grenzen hinaus entstanden Domino- und Kaskadeneffekte, die nicht von einem der Krisenstäbe allein, sondern nur in Kooperation überblickt und schließlich beherrscht werden konnten. Ort und Zeit des Geschehens: das Mathematikgebäude der TU Berlin, 13. 3. 2012.
Doch das Szenario war zum Glück nicht real. Die Meldungen über Schäden kamen nicht aus ganz Berlin, sondern aus dem Nebenraum. Sie waren über Monate hinweg vorbereitet worden, um die Krisenstäbe beim Management des „Worst Case“ beobachten zu können. Der „Praxistest“ war Teil des Forschungsprojekts SIMKAS-3D, dessen Ziel es ist, ein Software-basiertes Entscheidungshilfesystem für effektives Krisenmanagement zu realisieren. Dafür müssen alle zugehörigen physikalischen und sozialen Prozesse zwischen Anlagen und Akteuren abgebildet und die Interaktionspunkte zwischen den Systemen, die zu Ereigniskaskaden führen können, geklärt werden, um Modell und Analyse der sich wechselseitig beeinflussenden Systeme zu erstellen. Je mehr die Systeme sich vernetzen, desto mehr müssen die Akteure kooperieren und kommunizieren. So wird ein Wasserwerk mit Strom betrieben, Leitungsnetze oder Anlagen liegen dicht nebeneinander: Die Systeme sind komplex, nicht jedes Szenario ist vorherzusehen. Entscheider müssen in die Lage versetzt werden, auch auf Unvorhergesehenes zu reagieren und systemübergreifend zu kommunizieren. Eine treffende Zustandsanalyse und darauf aufbauende Prognosen bedürfen einer integrierten Darstellung, um auch unter Zeitdruck und unter sich ständig ändernden Rahmenbedingungen die richtige Entscheidung zu treffen.

Im Projekt SIMKAS-3D wurden daher vom Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin (IGG) georeferenzierte Netzdaten der vier Netzbetreiber in das 3-D-Stadtmodell Berlins City-GML integriert. Das von Thomas Becker (IGG) entwickelte Datenmodell enthält darüber hinaus die von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bereichs „Sicherheit – Risiko – Privatheit“ am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin erhobenen Abhängigkeiten zwischen den dargestellten Netzkomponenten.

Auf dieser Basis entwickelte das Unternehmen „DHI wasy“ ein Software-basiertes Decision-Support-System. Die gemeinsame Krisenstabsübung unter Federführung des Zentrums Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin und der Wiener Firma „infraprotect“ stellte den ersten Test dar. Die Beteiligten waren sich einig, dass die Erkenntnisse aus dieser ersten Übung mit dem Demonstrator als Keimzelle eines virtuellen Lagezentrums für alle ein großer Schritt auf dem Weg zu einer gemeinsamen Krisenbewältigung gewesen sei.

www.tu-berlin.de/?id=78963

tui / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 7/2012

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