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TU Berlin

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Forschung

Neue Kreisläufe für Umwelt und Gesellschaft

Montag, 18. Juni 2012

BMBF-Verbundprojekt untersucht Lösungen für Staudammprojekte in Brasilien

Forschungsgegenstand zum nachhaltigen Landmanagement ist das Gebiet um den brasilianischen Itaparica-Staudamm
Lupe

Staudämme sind eine attraktive Möglichkeit, erneuerbare Energien zu gewinnen und gleichzeitig die wachsende Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Zunehmend geraten jedoch insbesondere große Staudammprojekte in die Kritik aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder gesellschaftliche Gruppen. Acht Fachgebiete aus vier Instituten der Fakultäten VI Planen Bauen Umwelt und III Prozesswissenschaften sowie weitere universitäre und außeruniversitäre Partner in Deutschland und Brasilien arbeiten im Projekt „INNOVATE“ an umwelt- und gesellschaftsverträglichen Lösungen für solche Staudammprojekte.

„INNOVATE“, in das das Bundesforschungsministerium (BMBF) maximal 5,1 Millionen Euro über fünf Jahre investiert – 2,8 Millionen Euro davon bleiben an der TU Berlin –, ist eines von zwölf großen Regionalprojekten innerhalb des Förderschwerpunktes „Nachhaltiges Landmanagement“ des Ministeriums, mit dem die Nachhaltigkeitsstrategie und die Klimaschutzziele der Bundesregierung weltweit unterstützt werden sollen.

Insgesamt bearbeiten seit Anfang 2012 mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den konkreten Fall des Gebiets um den Itaparica-Stausee. Als aufstrebende Nation schenkt Brasilien der Energiegewinnung große politische Aufmerksamkeit. „Ökologische und gesellschaftliche Gewinne und Verluste halten sich in vielen Projekten allerdings nicht die Waage“, erklärt Privatdozentin Dr. Marianna Siegmund-Schultze vom TU-Fachgebiet Umweltprüfung und Umweltplanung, die das Projekt koordiniert, „insbesondere wenn die Nachteile für die Zivilgesellschaft nicht genügend abgefedert wurden. Die betroffenen Einwohner nehmen Nachteile aber viel stärker wahr als die Endnutzer, die weitab vom Ort der Energiegewinnung leben. Hier ist ein umsichtiges Land- und Wassermanagement erforderlich.“

Diese Situation findet sich auch im Untersuchungsgebiet rund um den brasilianischen Itaparica-Staudamm, der den Fluss São Francisco im semi-ariden nordöstlichen Bundesstaat Pernambuco zum See aufstaut. Das Gebiet umfasst außerdem das gesamte 377 000 Quadratkilometer große Einzugsgebiet des Flusses bis zur Stadt Belo Horizonte im Süden. Der Staudamm stammt aus den 1980er-Jahren. Damals wurden etwa 40 000 Menschen umgesiedelt. Oft jedoch waren die zur Verfügung gestellten Landstriche von minderer Ackerqualität. Und auch der See selbst leidet heute unter Verschmutzungen und Algenblüte infolge eines Nährstoffüberangebots. Inzwischen stellen aber nicht nur Auswirkungen des abrupten Eingriffs in das Ökosystem durch den Bau des Staudamms neue Anforderungen an das Management der Wassereinzugsgebiete, sondern auch die Veränderungen durch den Klimawandel.

„Wir suchen nach Modellen, Lösungsansätzen, Handlungsstrategien und Technologien, die sowohl den Klimawandel berücksichtigen als auch eine solide ökonomische Basis für die Bevölkerung versprechen. Diese komplexe Aufgabe ist nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise zu bewältigen“, so Projektsprecher Prof. Dr. Johann Köppel, Leiter des Fachgebiets Umweltprüfung und Umweltplanung. Und so sind allein an der TU Berlin neben seinem so unterschiedliche Fachgebiete wie Bodenkunde, Geoinformation in der Umweltplanung, Landschaftsökonomie, Ökologische Wirkungsforschung und Ökotoxikologie, Ökosystemkunde/Pflanzenökologie, Wasserwirtschaft und Hydrosystemmodellierung sowie Wasserreinhaltung eingebunden. Auf brasilianischer Seite sind außerdem relevante Interessenvertreter der Region beteiligt. Die brasilianischen Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft bringen ebenfalls Finanzmittel ein.

Eine der innovativen Maßnahmen, um Stoffkreisläufe zu verbinden, ist zum Beispiel die Weiterentwicklung der sogenannten „Grünen Leber“, ein biologisches System zur Verbesserung der Wasserqualität. Eine andere, die die Bodenqualität verbessern soll, ist die Einbringung von Seesediment und Biokohle in die Erde. Die Auswirkungen der neuen Maßnahmen auf Ökosystem und Wirtschaft werden gemessen und bewertet. Ziel von „INNOVATE“ ist es, darauf aufbauend Szenarien und Modelle veränderter und angepasster Handlungsweisen zu entwickeln, die den Klimawandel berücksichtigen – zum Vorteil von Umwelt und Gesellschaft.

www.innovate.tu-berlin.de

http://nachhaltiges-landmanagement.de

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 6/2012

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