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TU Berlin

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Forschung

Spinner in Zinna

Freitag, 11. Mai 2012

Wie Weben und andere Handwerke in Redewendungen auftauchen

Das Spinnen von Wolle in Handarbeit ist heute mehr Zeitvertreib als Broterwerb
Lupe

Geisteswissenschaftler gelten oft als weltfremde Gesellen, die im Elfenbeinturm ihre Orchideen wässern. Wer allerdings aufmerksamer hinschaut, entdeckt leicht spannende Querverbindungen zur Praxis. Ein besonders dankbares Forschungsthema für öffentliche Vorträge sind anschauliche Redewendungen, in denen sich das Wissen vieler Generationen spiegelt und die einen Blick auf unsere kognitiven Modelle erlauben. So sind die Teilschritte der Textilherstellung in der Sprache lebendig geblieben, auch wenn wir kaum noch selbst spinnen, flechten, weben und filzen. Der Vortrag „Wenn Spinner den Faden verlieren. Weben und andere Handwerke in Redewendungen“ von Prof. Dr. Dagmar Schmauks, Arbeitsstelle für Semiotik der TU Berlin, konnte dank einer Einladung von Elvira Göritz in das von ihr betreute Webermuseum Ende März 2012 im Kloster Zinna stattfinden. Die Zuhörer lernten das Textilhandwerk als fruchtbare Ursprungsdomäne vieler sprachlicher Wendungen kennen, die von „Kontakte knüpfen“ oder „etwas einfädeln“ über „vernetztes Denken“ oder „etwas hängt am seidenen Faden“ bis zur beklagten „Filzokratie“ mit „schlicht gestrickten Personen“ reichen. Besonders beliebt sind griffige Beschreibungen von Dummheit, man denke an „Wirrköpfe“ mit „krausen Einfällen“, die sich „verhaspeln“, „den Faden verlieren“ oder schlicht einen „Webfehler“ haben, „halbseidene Witze“ erzählen, „fadenscheinige Ausreden“ parat haben oder unbedacht „aus dem Nähkästchen plaudern“. Die Zuhörer konnten ihren Wortschatz erweitern, sich überzeugen, wie kreativ Menschen immer neue Ausdrücke prägen, und sich anschließend im Webermuseum die genannten Geräte ansehen. Oft ist nämlich der Ursprung von Wendungen längst vergessen – wer kennt schon noch eine Haspel?

tui / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 5/2012

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