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TU Berlin

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Forschung

Schatzkammern biologischer Vielfalt

Mittwoch, 04. April 2012

Internethandbuch will Kommunikationsprobleme zwischen Naturschutz und Denkmalpflege lösen

Geschützter Ort in einer alten Mauer: Turmfalkenweibchen mit Brut
Lupe

Etwa sieben Jahre dauert es, bis die Larve des Heldbocks, eines der größten einheimischen Käfer, sich im Holz alter Bäume zum ausgewachsenen Insekt entwickelt hat. Doch der fleißige Waldarbeiter ist selten geworden – genau wie alte Bäume im Stadtgebiet und in intensiv genutzten Landschaften. Doch auf dem „toten Holz“ tobt das Leben: Mehr als 1300 Käferarten, 600 Großpilze, Moose und Flechten nutzen die Bäume als Lebensraum und Nahrungsquelle und erfüllen eine wichtige ökologische Funktion. Sie bauen Holzbiomasse ab und führen diese wieder dem Nährstoffkreislauf im Boden zu. In und auf Holz und Rinde siedelt im Laufe eines langen Baumlebenszyklus eine vielfach vernetzte Lebensgemeinschaft von Mikroorganismen, Pilzen, Insekten, Kleinsäugern, Fledermäusen und Vögeln.

Wenn auch alte Bäume, Gebäude, Dachböden, die zahlreiche Niststätten für Höhlen- und Nischenbrüter sowie Lebensräume für Insekten, Spinnen und Mauerpflanzen bieten, aus der Stadt verschwinden: In den Parks sorgt eine kontinuierliche Pflege über Jahrhunderte für Artenreichtum. Doch Denkmalschutz und Naturschutz haben Kommunikationsprobleme. „Oft fehlen Informationen über Ziele und Handlungsspielräume des anderen“, sagt Prof. Dr. Ingo Kowarik, der zusammen mit Dr. Moritz von der Lippe am Institut für Ökologie der TU Berlin das Projekt „Naturschutz und Denkmalpflege in historischen Parkanlagen“ geleitet hat. „Doch die meisten Naturschutzziele in alten Parks sind sehr gut mit dem Denkmalschutz vereinbar.“ Ingo Kowarik ist gleichzeitig Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege des Landes Berlin.

Aus dem dreijährigen Forschungsprojekt der TU-Ökologen ist nun ein umfangreiches Internethandbuch entstanden. Es macht nicht nur die Ergebnisse des durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekts allgemein zugänglich, sondern dient zusätzlich dem Hauptziel der Arbeit, für eine bessere Zusammenarbeit die Kommunikationsprobleme zwischen Natur- und Denkmalschutz auszuräumen – zum Wohle der Natur.

Fünf Modellparkanlagen – die Pfaueninsel, der Glienicker Park, der Große Tiergarten, der Schlossgarten Charlottenburg und der Schlosspark Buch – waren Beispiel für die Erarbeitung von Grundlagen und Optimierungsansätzen. Dabei arbeiteten Ökologen, Baumsachverständige und Juristen eng mit Behördenvertretern und den Verantwortlichen vor Ort zusammen. Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, das Landesdenkmalamt, die Oberste Naturschutzbehörde, BUND und NABU waren beteiligt.

Die Internetseite bietet darüber hinaus für alle Interessierten detaillierte Informationen zu Anzahl und Qualität von Flora und Fauna in den Parks, „Best Practice“-Beispiele auch aus dem überregionalen Naturschutz sowie einen Leitfaden zu ökologisch wertvollen Lebensräumen in Bäumen. „Gerade in historischen Parkanlagen finden sich aktuell noch viele schöne Altbäume mit solchen Qualitäten“, so Ingo Kowarik. Doch muss auch für die Zukunft sowohl mit Blick auf die ästhetische Parkgestaltung als auch auf den Erhalt der Artenvielfalt dafür gesorgt werden, dass immer wieder Jungbäume zu solchen Baumindividuen heranreifen können.“

www.naturschutz-und-denkmalpflege.de

Patricia Pätzold / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2012

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