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TU Berlin

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Forschung

Energie aus Biomasse: unterschätzte Risiken

Mittwoch, 04. April 2012

Auswirkungen auf das Klima sind nicht ausreichend erforscht

Rapsernte für mehr Sprit: Die Vorteile des Wandels der Landnutzung sind für Experten keineswegs unstrittig
Lupe

„Bevor die Bioenergie weiter ausgeweitet wird, muss die Wissenschaft eine umfassendere Abschätzung der Risiken liefern – bislang sind fundamentale Unsicherheiten vorhanden“, erklärt Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Chef-Ökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und Professor der TU Berlin. Vor allem neue Ansätze des Risiko-Managements seien für den Wandel der Landnutzung nötig. Vorbeugung sei das Gebot der Stunde, so der Klimaexperte. Auch die Beweislast, dass Nachhaltigkeitsstandards erreicht wurden, könnte man auf die Produzenten von Bioenergie verlagern.

Unter dem Strich könnte nämlich der Anbau von Energiepflanzen sogar mehr Treibhausgase produzieren, wenn beispielsweise Wälder zugunsten von Anbauflächen abgeholzt würden. Ökonomische Szenarien zur Reduzierung von CO2 gehen allerdings davon aus, dass die fossilen Brennstoffe kaum ohne einen massiven Einsatz von Bioenergie ersetzt werden können. In einer von der „Michael Otto Stiftung“ und dem Bundesbildungsministerium finanzierten Analyse untersuchten Wissenschaftler um Ottmar Edenhofer, wie diese gegensätzlichen Betrachtungsweisen zusammengeführt werden können, und identifizierten wesentliche Unsicherheiten in der Debatte.
„Um Energie aus Biomasse wird hitzig diskutiert“, sagt Dr. Felix Creutzig, einer der Wissenschaftler der Studie, an der auch die US-Universität Berkeley beteiligt ist. „Forscher sollten systematisch die Risiken unterschiedlicher Regelungsmöglichkeiten zur Bioenergie einrechnen. Politiker hätten so die Wahl, den Einsatz von Bioenergie in Zukunft nur unter genauen Vorgaben zu erlauben.“ Während nämlich die Emissionen bei der Bioenergieproduktion meist gut erfasst sind, werden andere Effekte außer Acht gelassen. So könnte eine verstärkte Produktion von Rohstoffen für Biosprit weltweit die Preise für Agrarland in die Höhe treiben und damit Anreize schaffen, Anbauflächen auf Kosten natürlicher CO2-Senken auszuweiten. Weiterhin sei schwer vorauszusagen, ob tatsächlich Waldschutzmaßnahmen ergriffen würden oder technischer Fortschritt die Ausbeute pro Hektar erhöhe, wie in vielen Szenarien vorausgesetzt. In die Szenarien, so die Klimaforscher, müsse auch einkalkuliert werden, dass die Welt politisch und technologisch nicht so schnell und weit fortschreitet wie angenommen. „Vor allem ist eine sehr viel engere fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen allen mit Bioenergie befassten Forschungsrichtungen notwendig“, so Edenhofer. „Dies ist eine zentrale Herausforderung für kommende wissenschaftliche Sachstandsberichte.“ Die Analyse wurde im Magazin „Nature Climate Change“ veröffentlicht.

tui / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 4/2012

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