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TU Berlin

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Forschung

Die Städte des "Duce"

Freitag, 20. Januar 2012

Erstmals wird in Deutschland der Städtebau im faschistischen Italien umfassend dokumentiert

Akademie in der Sportstadt (heute Foro Italico): Entwurf von Enrico Del Debbio, erbaut 1928/1929
Lupe

Wenn Pilger in Rom über die Via della Conciliazione strömen, die die Engelsburg mit dem Petersdom verbindet, wissen wohl die wenigsten von ihnen, dass diese Prachtstraße auf Geheiß Benito Mussolinis angelegt worden ist. Dafür ließ der faschistische Diktator 1936 über 700 Wohnungen abreißen und etwa 5000 Einwohner umsiedeln. Auch die berühmten Magistralen Via del Teatro Marcello und Via dei Fori Imperiali stammen aus der Zeit des italienischen Faschismus. Und wenn Touristen die nördliche Gebäudefront der Piazza Navona bewundern oder durch die Freizeitstadt Lido di Roma (Ostia) schlendern, bestaunen sie Bauten aus Mussolinis faschistischer Ära zwischen 1922 und 1943. Nachzulesen sind diese in Deutschland nahezu unbekannten Fakten in dem Band "Städtebau für Mussolini. Auf der Suche nach der neuen Stadt im faschistischen Italien", herausgegeben von Harald Bodenschatz, emeritierter Professor für Planungs- und Architektursoziologie der TU Berlin. Mit der Publikation besetzen die Autorinnen und Autoren nicht nur eine Leerstelle in der öffentlichen Diskussion zum europäischen Städtebau in Deutschland. Auch in der Forschung hierzulande war der Städtebau des faschistischen Italiens bislang kaum Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. "Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass im faschistischen Italien die wohl komplexesten städtebaulichen Projekte der Zwischenkriegszeit in Europa realisiert wurden", sagt Harald Bodenschatz. Zu keiner anderen Zeit in der Geschichte Roms sei die Ewige Stadt so umgebaut worden wie in der Zeit des "Duce".

Anliegen des Buches ist es, zum einen den faschistischen Städtebau während der Diktatur Mussolinis systematisch zu dokumentieren. Zum anderen stellen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Frage, wie die städtebaulichen Zeugnisse des Regimes zu bewerten sind. "Der italienische Städtebau verarbeitete europäische Städtebaukultur seiner Zeit auf eine spezifische Art und Weise, seine Produkte müssen im Kontext des europäischen Städtebaus diskutiert und bewertet werden. Da helfen die üblichen Kritikmuster und Verteufelungen, die in der Nachkriegszeit entwickelt wurden - der Verweis auf Achsen und Symmetrien, Monumentalität und diktatorischen Größenwahn -, ebenso wenig wie eine unkritische Rehabilitierung formal spektakulärer Leistungen und Einzelbauten", so Bodenschatz. Diese Sicht führt die Autoren zu so interessanten wie brisanten Fragen wie, was demokratischer Städtebau ist und wodurch sich dieser vom diktatorischen Städtebau abgrenzt.

Buchpräsentation und Tagung: Donnerstag, 26. Januar 2012, 18.00-20.30 Uhr, Architekturgebäude der TU Berlin, Straße des 17. Juni 152, Hörsaal A 053

Sybille Nitsche / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 1/2012

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