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TU Berlin

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Forschung

Eine App für Kirchenburgen

Freitag, 16. Dezember 2011

Innovatives Konzept zur Erhaltung eines einmaligen Kulturschatzes in Rumänien

Wehrhaft ausgebaut: die Kirchenburg in Großau (rumänisch: Cristian), in Rumänien
Lupe

Rund 150 Kirchenburgen bilden die siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft nordwestlich des Karpatenbogens im heutigen Rumänien. Ungarische Herrscher, die das Gebiet bis zum 12. Jahrhundert erobert hatten, nutzten die strategisch vorteilhaft gelegene Region als Pufferzone gegen die östlichen Nachbarn. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts wurden gezielt deutschstämmige sogenannte Siebenbürger Sachsen dort angesiedelt. Sie sollten das Land weiter erschließen und gegen feindliche Angriffe aus dem Osten abschirmen. Im Gegenzug erhielten sie bestimmte Privilegien. Ab dem 15. Jahrhundert suchten jedoch immer häufiger marodierende osmanische Reiterheere - die "Renner und Brenner" - die Siedlungen brandschatzend und raubend heim. In ihrer Not begannen die Bewohner die vorhandenen Kirchenbauten zum Schutz zu befestigen. Ringmauern und Wehrtürme entstanden, aber auch Nebengebäude für Vorräte und wichtige Gerätschaften. Die Dichte und Vielfalt dieser Wehrbauten, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte sukzessive aus- und umgebaut wurden und bis heute weitgehend in historischer Gestalt erhalten geblieben sind, sind weltweit einmalig. Sechs dieser siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen, heute im Besitz der Evangelischen Kirche (EKR), gehören inzwischen zum UNESCO-Welterbe, 116 weitere sind der höchsten rumänischen Denkmalkategorie zugeordnet. In den 1990er-Jahren wanderten viele Siebenbürger Sachsen ab, die Kirche verlor knapp 90 Prozent ihrer Mitglieder und konnte so den langsamen Verfall dieses wertvollen europäischen Kulturerbes nicht aufhalten.

Hier setzt ein Forschungsprojekt an, das vom TU-Fachgebiet Denkmalpflege am Institut für Stadt und Regionalplanung in Kooperation mit der EKR durchgeführt wird und das über die reine Bauerhaltung hinausgeht. Geleitet wird es von Prof. Dr. Gabriele Dolff-Bonekämper und Stephanie Herold. Eine Bestandsaufnahme von Kirchenburgen und Kulturlandschaft soll zunächst vorhandene Potenziale identifizieren. Anschließend werden anhand von Fallbeispielen Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung der Gebäude erarbeitet, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Ausbaufähig sind vor allem Synergieeffekte zwischen dem Erhalt der Baudenkmäler und dem Kulturtourismus. Chancen dafür bieten zum Beispiel Pfarrhäuser, Schulen und Kulturhäuser. Daher werden auch lokale Partner, Nutzer und Konzepte gesucht, die den Erhalt der Kirchenburgenlandschaft unterstützen. Dass das möglich ist, zeigt die steigende Nachfrage nach Gebäuden für Museen und Ausstellungen sowie für Gästezimmer oder Gastronomie. Die Kirchenburgen selbst - sie zeigen teils einmalige Steinmetzarbeiten oder vorreformatorische Fresken - erhöhen die Attraktivität für nationale und internationale Besucher. Auch weitere Sehenswürdigkeiten sowie siebenbürgisch-sächsische Traditionen, die teils intensiv gepflegt werden, können positiv auf den Kulturtourismus wirken. Gleichzeitig muss aufgrund ethnischer und gesellschaftlicher Veränderungen Siebenbürgens in den letzten Jahrzehnten über die Interessen einzelner Bevölkerungsgruppen hinausgedacht werden. Aus all diesen Daten wird ein elektronischer Reiseführer, eine App "Kirchenburgenlandschaft" für Smartphones, erstellt. Er enthält für vorerst 100 Kirchenburgen bebilderte Informationen zur Geschichte des Bauwerks und der Ortschaften, ebenso wie praktische Daten wie Öffnungszeiten, Erreichbarkeit, Souvenirverkauf und weitere touristische Angebote auf Rumänisch, Deutsch und Englisch. Damit ergänzt das Projekt ein aktuelles EU-gefördertes Vorhaben zur baulichen Instandsetzung von 18 als besonders wertvoll erachteten Kirchenburgen.

www.isr.tu-berlin.de

pp / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 12/2011

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