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TU Berlin

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Forschung

Ein wertvolles Stück Allgemeingut

Freitag, 14. Oktober 2011

TU-Ökologen arbeiten für eine grüne Zukunft und wollen Bürgerinnen und Bürger optimal informieren

Spinnen sind hervorragende Indikatororganismen für tierökologische Forschungen. Hier im Bild die heimische Listspinne
Lupe

Die meisten TU-Institute konzentrieren sich um den Campus Charlottenburg in der City West. Aber das Institut für Ökologie residiert in Steglitz, in einer Jahrhundertwende-Villa inmitten eines fast verwunschen wirkenden Gartens mit üppigster Vegetation. Doch verwunschen ist der Garten keineswegs. Neben Gewächshaus und Messeinrichtungen ist ein großer Teil als Lehr- sowie als Forschungsgarten für experimentelle Pflanzungen angelegt. In dieser Ökolandschaft finden jedoch auch tierökologische Untersuchungen statt.

Dr. Sascha Buchholz ist Diplom-Landschaftsökologe im Fachgebiet "Tierökologie/Biodiversitätsdynamik terrestrischer Ökosysteme". Er befasst sich mit zeitlichen und räumlichen Veränderungen der Artenvielfalt von Tiergemeinschaften in Landlebensräumen infolge des Landschafts- und Klimawandels oder des Einflusses gebietsfremder Arten. Diese Entwicklungen werden in bestimmten Lebensräumen und Regionen - zum Beispiel in den Küstendünen auf Hiddensee oder in westfälischen Heidelandschaften - anhand verschiedener Indikatortierarten genau analysiert. Dazu gehören unter anderem Spinnen, Käfer oder Heuschrecken. Bedeutsam ist die angewandte Tierökologie aber auch für die Landschaftsplanung. Zu den "Landschaften" gehören übrigens auch innerstädtische Gebiete oder Industriebrachen. Hier wird die Vielfalt bestimmter Tiergruppen oder das Vorkommen seltener und geschützter Tierarten kartiert. Aus diesen Daten lassen sich später naturschutzfachliche Problemlösungsstrategien ableiten. So werden unter anderem Schutzgebiete ausgewiesen oder Vorschläge für die Landschaftspflege erarbeitet. Daneben unterstützen die Wissenschaftler Umweltpädagogen bei ökologisch-aufklärenden Aufgaben. In ökologisch wertvollen Gebieten wird dann die Öffentlichkeit auf Schautafeln über die lokale tierökologische Situation und das Vorkommen besonderer Arten informiert. Ein Beispiel ist ein Projekt in Berlin-Adlershof, am Rande von Deutschlands größtem Technologiepark.

"Diese Informationsarbeit ist für uns besonders wichtig", erklärt Sascha Buchholz, denn: "Nur durch optimale Information erkennen die Bürger den nachhaltigen Naturschutz an und befürworten ihn." Die Umsetzung einer Idee wie der des französischen Philosophen Michel Serres, die Natur zu einem Rechtssubjekt zu erklären, um so Umweltsünden wie normale Verbrechen justiziabel zu machen, hält er für schwierig. "Das ist eine gute philosophische Idee, doch sie wird neue Probleme aufwerfen: Wer definiert, was ein Rechtsverstoß wider die Natur ist? Wer wacht darüber? Soll es eine Ökopolizei geben?" Überwachen und Strafen kämen - so Buchholz - wieder von "oben". "Wir Ökologen setzen auf die Idee des Bewusstseinswandels von unten. Sie ist - das bestätigen viele Erfahrungen - tragfähiger. Viele Bürger setzen sich für die Natur ein, weil sie begriffen haben, dass sie ein wertvolles Stück Allgemeingut ist, unser gemeinschaftliches Eigentum, für das wir alle Verantwortung tragen." Zwar gebe es immer die Differenz zwischen Wissen und Handeln des Menschen, ergänzt Dr. Buchholz, aber seit dem Bericht des Club of Rome von 1972, einer Studie zu den Grenzen des Wachstums auf der Erde, zeichnen sich Fortschritte ab, wenn diese auch längst nicht ausreichend seien. Ob sich Ökologiebewusstsein nachhaltig und global durchsetze, liege in unser aller Verantwortung. "Wir werden diese Prozesse weiter kritisch, forschend und informierend begleiten."

Hans Christian Förster / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2011

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