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TU Berlin

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Forschung

Buchtipp: Manipulation, Macht und Kontrolle

Freitag, 17. Juni 2011

Das Phänomen der Selbstorganisation und seine Konsequenzen für das Zusammenleben der Menschen

Lebendig sein - was für ein sinnlicher Buchtitel. Doch schon der Untertitel des 2010 erschienenen Buches von Regine Reichwein macht aus dem lustvollen "lebendig sein" eine intellektuell anspruchsvolle Herausforderung und ist trotzdem spannend zu lesen.

Zwischenmenschliche Probleme werden hier unter dem Aspekt der Selbstorganisationstheorie analysiert und dabei wird entwickelt, wie das Zusammenleben von Menschen und anderen selbstorganisierenden Systemen nach grundlegenden Prinzipien funktioniert.

Es analysiert damit eines der Schwerpunktthemen der ehemaligen TU-Mathematikerin, deren Forschungsschwerpunkt die "feministische Wissenschaftsanalyse / Wissenschaftstheorie" war und die im Jahr 2003 in den Ruhestand ging. Doch ihre Forschungen nahmen sie weiterhin gefangen. In dem neuen Buch setzt sie sich in einer Vielzahl von Artikeln damit auseinander, wie das Zusammenleben von Menschen und Gemeinschaften funktioniert oder funktionieren könnte.

Deutlich wird allerdings immer wieder, dass die immer noch geltenden kulturellen Vorstellungen in Bezug auf Manipulations- und Kontrollmöglichkeiten sich in Bezug auf selbstorganisierende Systeme als illusionär erweisen. Selbstorganisierende Systeme als operational geschlossene Systeme sind nicht gezielt beeinflussbar, die Wirkungen von Einflussnahmen auf solche Systeme sind nur in Echtzeit beobachtbar.

Das widerspricht den gewohnten persönlichen Überzeugungen  und die Leser sehen sich in diesem Buch immer wieder mit liebgewordenen, aber nicht mehr mit den neuesten Forschungsergebnissen - zum Bespiel der Hirnforschung - zu vereinbarenden Vorstellungen konfrontiert.

So muss man sich im Umgang mit selbstorganisierenden Systemen auf "Unbestimmtheit" einlassen, weil zwar die konkrete Situation, nicht aber die zukünftige Entwicklung überschaut werden kann. Auf Unbestimmtheit aber reagieren die meisten Menschen mit Angst; häufig füllen sie die entstandenen Lücken mit eigenen Annahmen oder Phantasien aus, die sie oft weder ihrem Gegenüber noch sich selbst eingestehen.

Um die kulturell geprägten und sich zerstörerisch auswirkenden Vorstellungen über die Möglichkeiten von Manipulation, Macht und Kontrolle bewusst zu machen, beschreibt die Autorin viele konkrete Situationen aus zwischenmenschlichen Beziehungen, in denen man sich häufig wiedererkennen kann. Diese finden sich zusammen mit den Kommentaren des Katers Valentino in verschiedenen Kapiteln, wie "Abwehr und Neugier", "Täter und Opfer", "Macht und Ohnmacht", "Gefühle", "Wünsche", "Machtspiele", "Symbiose und Autonomie", "Selbstverantwortung" usw.

Viele der uns vertrauten kommunikativen Prozesse dienen dazu,  uns vor den anderen Menschen zu schützen, die eigenen Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, Motive und Wünsche zu verbergen, und durch Selbstkontrolle zu versuchen, das Gegenüber zu kontrollieren. Besonders deutlich wird dies in den "Machtspielen", in die sich die meisten von uns immer wieder verwickeln und die sich -als ineffektive kommunikative Form  - in allen gesellschaftlichen Bereichen wiederfinden lassen.

Das Buch von Regine Reichwein beschreitet neue Wege, die dem Ziel dienen, einen Paradigmenwechsel aufzuzeigen und sich auf neue Denk- und Verhaltensmuster einzulassen, emotionale und kognitive Selbstbefreiung zu erproben und - lebendig zu werden. Auf der Website des Verlags stehen Leseproben zur Verfügung.

Heidi Degethoff de Campos / Quelle: "TU intern", 6/2011
Regine Reichwein, "Lebendig sein - Das Phänomen der Selbstorganisation und seine Konsequenzen für unser Zusammenleben - Strategien des Scheiterns und Gelingens"
Amani-Verlag, Frankfurt a.M., 2010
ISBN: 978-3863200572
www.Amani-Verlag.de

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