direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Forschung

Konzertsaal im Kopf

Freitag, 17. Juni 2011

SEACEN simuliert akustische Umgebungen - neue DFG-Forschergruppe mit 2,7 Millionen Euro eingerichtet

Im schallarmen Raum der TU Berlin
Wie klingt ein Raum? Woher kommen die Schallwellen? "Auralisation" heißt die Rekonstruktion von Raumklang. Im schallarmen Raum der TU Berlin (o.) erfoschen die Wissenschaftler diese Schallphänomene. Die Arbeitsgruppe um Stefan Weinzierl (u.) hat dafür ein
Lupe

An einigen Abenden im Jahr ist der Hörsaal H 104, das "Wellenfeld", Schauplatz, oder besser "Hörplatz", besonderer Musikereignisse: Über 2700 Lautsprecher und eine Anlage zur Wellenfeldsynthese mit 832 Kanälen, gesteuert von einer speziellen Audio-Software, erklingen in diesem multimedial auf höchstem Niveau ausgestatteten Hörsaal im TU-Hauptgebäude besondere zeitgenössische Konzerte: akustische Holografien, Raumkompositionen und Raumklangkonzepte, multimediale Klanginstallationen bis hin zur originalen Darstellung des Raumklanges des Kölner Doms während eines dortigen Konzerts - wie jüngst auch während der Langen Nacht der Wissenschaften dem Publikum vorgeführt.

Lupe

Mit der Modellierung virtueller akustischer Umgebungen, mit der Aufnahme und Wiedergabe realer akustischer Umgebungen und mit der realistischen Hörbarmachung dieser Umgebungen sowohl für die Wissenschaft als auch für die Kunst befasst sich das Fachgebiet Audiokommunikation von Prof. Dr. Stefan Weinzierl am Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin. Nun richtete die Deutsche Forschungsgemeinschaft die neue Forschergruppe "Simulation and Evaluation of Acoustical Environments" (SEACEN) ein, die erste im neuen DFG-Fördergebiet Akustik. Sprecher des mit 2,7 Millionen Euro geförderten Vorhabens ist Stefan Weinzierl.

"Die Frage, der wir nachgehen, ist: Wie kann man ein räumliches Schallfeld konservieren und später wirklichkeitsgetreu wiedergeben? Das ist ein sehr technikintensives Unterfangen. Normale Mikrofone können die Richtung, aus der der Schall kommt, nämlich nicht erkennen", erklärt Stefan Weinzierl. Aufgefangen werden die Töne und Schallwellen durch "Mikrofon-Arrays", also viele Mikrofone, die entweder entlang einer Linie, einer Strecke oder auf einer großen Kugel installiert sind. Das Fachgebiet selbst hat einen binauralen Roboter sowie ein Kugel-Array, das mit vielen Mikrofonen zum Beispiel in Trommelfellhöhe ausgestattet ist, entwickelt sowie einen speziellen Kopfhörer. Leistungsfähige Rechner sammeln die ankommenden Daten und wandeln sie so, dass sie wieder in Geräusche umzusetzen sind. "Auralisation" heißt der Fachbegriff für die Rekonstruktion von Raumklang.

"Ziel unserer Forschung ist allerdings keineswegs nur die Kunst, den Konzertsaal im Kopf akustisch zu erzeugen", erläutert Stefan Weinzierl. "Vielmehr haben wir vielfältige Anwendungen im Bereich Medientechnik, Entertainment und im Produktdesign im Fokus." Für das Letztere ist in der Forschungsgruppe auch noch ein visuelles 3-D-Labor geplant. Denn aus der Psychoakustik weiß man heute, wie sehr auch das Sehen das Hörerlebnis beeinflusst und alles zusammen die Emotionen. "Beispielsweise hängt vom Zusammenspiel von Farbe und Klang ab, als wie groß wir einen Raum empfinden, ein rotes Auto wird lauter wahrgenommen als ein blaues, das Türklappen eines teuren Autos soll massiver klingen als das eines kleinen preisgünstigen, ein Flugsimulator für die Pilotenausbildung muss einen realistischen Eindruck vermitteln, um Piloten auf den Ernstfall vorzubereiten. Diese Erkenntnisse spielen im Produktdesign eine große Rolle."

Etwa die Hälfte des Fördergeldes fließt in zwei Projekte an Weinzierls Fachgebiet sowie an eines im Fachgebiet Quality and Usability Lab von Prof. Dr.-Ing. Sebastian Möller. Dort wird unter anderem, auch in Zusammenarbeit mit den "Deutsche Telekom Laboratories", einem An-Institut der TU Berlin, an virtueller Akustik mit Blick auf Telekonferenzen und Mobilfunk geforscht. Mit Plätzen für neun Doktoranden, die in die Graduiertenschulen der universitären Partner integriert werden, ist auch für den Nachwuchs gesorgt. An dem Verbund sind neben der RWTH Aachen, der TU Ilmenau und der Universität Oldenburg auch Forscher aus Israel und den Niederlanden beteiligt.

Wer neugierig geworden ist: Die Konzerte werden organisiert durch das Projekt "ohrenstrand", gefördert durch das Netzwerk Neue Musik und die Kulturstiftung des Bundes.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 6/2011

Im Fachgebiet Audiokommunikation sind bereits zwei Humboldt-Stipendiaten eingetroffen. Lesen Sie dazu die Artikel: "Das ästhetische Ganze" und "Virtuelle Klänge".

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.