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TU Berlin

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Forschung

Anonyme Täter - passive Zuschauer

Freitag, 17. Juni 2011

TU-Forschungsprojekt untersucht Phänomene von Online-Aggression und Cyber-Mobbing

Hänseleien, Pöbeleien, Mobbing: Auf dem Schulhof ist die Situation überschaubar, die Rollen sind verteilt: Täter, Opfer und Zuschauer. Alle schauen sich dabei ins Gesicht. Das Internet hat jedoch ein ganz neues Phänomen geboren: die Online-Aggression, das "Cyber-Bullying".

"Gerade durch die Zuschauer, die sogenannten ,By-stander bietet die Online-Aggression sehr viel mehr Möglichkeiten", sagt Dr. Jan Pfetsch. "Das Publikum ist größer, die Wirkung ist allgegenwärtig, Anonymität kann gewahrt werden. Auch bieten die sozialen Netzwerke wie Facebook oder SchülerVZ mehr Gelegenheiten, in die Privatsphäre des Opfers einzusteigen. Andererseits ist kein direktes Feedback zu erwarten, etwa Schmerz- oder Angstreaktionen des Opfers wie die auf dem Schulhof." Jan Pfetsch ist Psychologe am Fachgebiet Pädagogische Psychologie von Prof. Dr. Angela Ittel. Er interessiert sich insbesondere für die Zuschauer des Cyber-Bullyings. Wer sind sie? Wie nehmen sie das Mobbing wahr? Stimmen sie explizit zu? Lehnen sie es ab und reagieren trotzdem nicht? Nehmen sie Kontakt zu den Opfern auf?

"Dieses Phänomen ist bisher kaum erforscht, wir wissen daher genauso wie über die Zuschauer auch über die Täter noch sehr wenig. Sind es dieselben, die das Bullying auch auf dem Schulhof betreiben? Brüsten sie sich in ihren sozialen Netzwerken mit ihren Taten? Oder nutzen sie die Anonymität des Netzes?" Überschneidungen zum Mobbing im realen Leben ergeben sich durchaus. Doch wichtiger sind die Unterschiede. Beispielsweise können Streitereien schneller eskalieren, Beleidigungen werden ausgesprochen, die man sich niemals ins Gesicht sagen würde. Täter und Opfer kennen sich teilweise nicht einmal, damit ist das Opfer zufälliger. Die Grenzen zwischen Täter und Zuschauer verwischen. Mit nur einem Klick kann man kompromittierende Bilder weiterleiten, den "Gefällt mir"-Button betätigen, hämische Kommentare verfassen und dadurch zur Eskalation beitragen. Jan Pfetsch befragt nun gemeinsam mit Studierenden in Kleingruppen Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 16 Jahren, Opfer, Täter und "By-stander". Er will feststellen, welche Verhaltensweisen in allen drei Gruppen auftreten, und herausfinden, welche Hilfsangebote sie sich wünschen. Dabei sollen Ansätze entwickelt werden, die Zuschauer zu aktivieren und versteckte Interventionspotenziale zu wecken. Beantwortet werden sollen auch Fragen wie: Welche Verhaltensweisen im Internet bergen ein höheres Risiko als andere? Wie leitet man Jugendliche an, bestimmte Informationen über sich preiszugeben, andere nicht? "Langfristig wollen wir eine Handlungsempfehlung nicht nur für Jugendliche, sondern insbesondere auch für die Lehrerinnen und Lehrer entwickeln, denn das Problem scheint im Schulalltag sehr virulent zu sein." Schulklassen ebenso wie einzelne Jugendliche haben sich bereits zur Teilnahme an der anonymen Befragung angemeldet. Jan Pfetsch und Angela Ittel raten dazu, Kinder genau zu beobachten, Veränderungen wahr- und ernst zu nehmen und zu thematisieren, Verantwortung für Medienerziehung und den Umgang mit Chatrooms, Mobiltelefonen und Online-Kommunikation zu übernehmen.

Patrizia Pätzold / Quelle: "TU intern", 6/2011

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