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TU Berlin

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Forschung

Absage an wilhelminischen Prunk

Freitag, 17. Juni 2011

Ein TU-Forschungsprojekt bringt bislang weniger bekannte Facetten des U-Bahn-Architekten Alfred Grenander ans Licht

In Berlin kommt fast jeder mit dem Werk Alfred Grenanders in Berührung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte der ideenreiche Architekt mit völlig neuartigen U-Bahn-Bauten das Bild der Metropole bis heute.

U-Bahnhof Wittenbergplatz: Innen- und Außenarchitektur heute und 1943
U-Bahnhof Wittenbergplatz im Wandel der Zeiten: Innen- und Außenarchitektur heute und 1943
Lupe

Alfred Grenander, der 1863 in Skövde geborene Schwede, der den größten Teil seines Lebens in Berlin verbrachte, ist einer der wichtigsten U-Bahn-Architekten der Metropole. Bis zu seinem Tode 1931 gestaltete er einen Großteil der Berliner U-Bahnhöfe. Zum Teil sind sie noch heute im Originalzustand erhalten. Unter anderem ist auch der U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz unter seiner Leitung und nach seinen Ideen entstanden. Fast scheint es, als hätte er damit seiner Alma Mater etwas zurückgeben wollen. In den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts hatte er an der damaligen Königlichen Technischen Hochschule, der TH Charlottenburg, der Vorgängereinrichtung der TU Berlin, Architektur studiert. An der Wende zum neuen Jahrhundert, im Jahr 1900, wurde er Chefarchitekt der Berliner Hoch- und Untergrundbahn. Aus dieser Position heraus schuf er ebenso monumentale wie klassische Bauten - die Hochbahnviadukte von Kreuzberg zum Nollendorfplatz gehören dazu - und arbeitete mit neuen, modernen Baumaterialien: Stahl und Beton. Ein anderes Beispiel für die nüchterne Eleganz und technische Funktionalität, die bei seinen Bauten im Vordergrund standen und damit dem wilhelminischen Prunk eine Absage erteilten, ist unter anderem das Eingangsgebäude des U-Bahnhofs Krumme Lanke. Erst in neuerer Zeit, am 6. Juni 2009, wurde der bisher namenlose Vorplatz dieses U-Bahnhofs als "Alfred-Grenander-Platz" sogar nach ihm benannt.

Weniger bekannt jedoch ist Grenanders Bedeutung als Architekturlehrer und Entwerfer zahlreicher Landhäuser, Industriegebäude und Raumausstattungen - die Fabrikgebäude für Knorr-Bremse in der Nähe des Ostkreuzes oder für Ludwig Loewe in Moabit sind Beispiele. In einem neuen Buch "Ein Schwede in Berlin" wird der Architekt vor allem in dieser bislang eher vernachlässigten Facette als Erbauer und Entwerfer von Villen, Gewerbegebäuden, ganzen Wohntrakten oder sogar Zeitungskiosken vorgestellt. Die Herausgeber Christoph Brachmann und Thomas Steigenberger würdigen den Architekten und Designer neben Peter Behrens, Alfred Messel, Hermann Muthesius und Bruno Paul als einen der Hauptvertreter der Architekturreform vor dem Ersten Weltkrieg. Reich illustriert und mit einem Werkverzeichnis versehen, präsentiert das Buch erstmals Grenanders gesamtes Œuvre. Aufsätze namhafter Kenner der Architektur des späten Kaiserreichs unterstreichen seine herausragende Stellung und liefern einen aktuellen Überblick zu dieser wichtigen Phase der beginnenden Moderne. Das Buch entstand aus einem Forschungsprojekt des Instituts für Kunstgeschichte und Historische Urbanistik der TU Berlin und einem Kolloquium, das das Institut in Kooperation mit dem Schinkelzentrum und der Schwedischen Botschaft im Jahr 2007 über diesen herausragenden Berliner Architekten und Designer veranstaltete.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 6/2011
Christoph Brachmann, Thomas Steigenberger (Hrsg.): Ein Schwede in Berlin - Alfred Grenander und die Berliner Architektur (1890-1914)
Didymos Verlag 2010
ISBN: 978-3-939-020

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