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TU Berlin

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Forschung

Stundenlange Fußmärsche

Donnerstag, 20. Januar 2011

Feldforschung für die humanitäre Logistik in Tansania soll auf Namibia ausgeweitet werden

Die Forscher führen Interviews in der Morogoro-Region in Tansania
Lupe

Feldforschung für die humanitäre Logistik in Tansania soll auf Namibia ausgeweitet werden
Die Regionen Mwanza und Morogoro in Tansania sind aufgrund ihrer Abgelegenheit und schlechten Infrastrukturanbindung in Bezug auf Hunger und Krankenheiten besonders gefährdet. Die Bevölkerung legt zu Fuß oder mit dem Fahrrad weite Wege zum nächsten Markt, Krankenhaus oder zur Apotheke zurück.

Im Juni 2009 startete der Bereich Logistik das Forschungsprojekt "Humanitäre Logistik", in dem ein Team von Berliner Wissenschaftlern unter Leitung von Professor Helmut Baumgarten angepasste Logistikkonzepte für Hungerregionen in Afrika entwickelt (TU intern 01/2010). Die Wissenschaftler analysieren und klassifizieren die Strukturen afrikanischer Versorgungssysteme, um Einsatzmöglichkeiten von Technologie- und Wissenstransfer aufzuzeigen und einen Beitrag für eine langfristig verbesserte Versorgung zu leisten.

Hierzu führten die Forscherinnen und Forscher im Juni 2010 eine logistische Feldstudie in Tansania – neben Malawi eines der beiden Pilotländer – gemeinsam mit den lokalen Partnern durch, zu denen das National Institute of Transport in Daressalam sowie die St.-Augustine-Universität in Mwanza am Viktoriasee gehören. Die Studie untersuchte in den Regionen Mwanza und Morogoro über einen Zeitraum von insgesamt vier Wochen die bisher kaum bekannten Versorgungsmechanismen in ländlichen Regionen Tansanias.

Die Wissenschaftler führten Verkehrszählungen und über 150 Interviews mit Privatpersonen, medizinischem Personal und Kleinstunternehmern wie Ersatzteilverkäufern, Werkstätteninhabern und Kraftfahrern zu logistik- und transportbezogenen Problemen durch. Die lokalen Forschungspartner waren hier unverzichtbar: In den ländlichen Gegenden wird Englisch nur von wenigen gesprochen, ohne die Suaheli-Kenntnisse der Begleiter aus Daressalam und Mwanza wären die sprachlichen und kulturellen Barrieren unüberwindbar und darüber hinaus die Akzeptanz der Bevölkerung fraglich gewesen. Unerlässlich war die Unterstützung der lokalen Partner auch, wenn es darum ging, behördliche Genehmigungen zu bekommen oder die Wartezeiten auf Ämtern zu verkürzen.

Die Ergebnisse der Feldstudie und erste Ableitungen wurden auf Einladung des Namibian German Logistics Center auf dem Logistics and Transport Workshop in Walvis Bay, Namibia, vorgestellt. Die dort weitgehend unbekannte Thematik der humanitären Logistik weckte bei den Konferenzteilnehmern reges Interesse. Gegenwärtig wird daher an einer Ausweitung der Kooperation und des Pilotprojektes auf Namibia gearbeitet.

Mit den Partnern in Tansania ist für Februar 2011 die erste gemeinsame Logistikkonferenz in Daressalam geplant, auf der ein internationales Publikum aus Hilfsorganisationen, Logistikdienstleistern, Industrieunternehmen und Wissenschaftlern über die vielfältigen logistischen Probleme Afrikas, unter anderem Optimierungsansätze für die Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit essenziellen Gütern wie Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten, diskutieren wird. Diese Konferenz stellt einen weiteren Schritt dar, die Zusammenarbeit zwischen den TU-Forschern und ihren Partnern aus Tansania zu intensivieren. Sie soll außerdem Praktiker und Wissenschaftler der Logistik in Tansania untereinander, aber auch mit ihren Kollegen aus anderen afrikanischen und europäischen Ländern wie beispielsweise Namibia, Malawi, Südafrika, Deutschland und der Schweiz, vernetzen.

Martin Keßler, Jennifer Schwarz, Bereich Logistik, Institut für Technologie und Management / Quelle: "TU intern", 1/2011

Ergebnisse der Feldstudie

Viele Probleme in der Versorgung mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Wasser entstehen insbesondere in ländlichen Regionen. Die Gebiete sind kaum in die Infrastruktur eingebunden und zum Teil nur in der Trockenzeit von außen erreichbar. Auch das Beschaffungsverhalten der Bevölkerung in Entwicklungsländern wie Tansania unterscheidet sich deutlich von dem in Industrieländern. 88 Prozent der befragten Personen gaben an, dass sie wegen hoher Anschaffungs- und Instandhaltungskosten für den Transport ihrer Güter keine motorisierten Transportmittel nutzen können. Lediglich 35 Prozent der befragten Personen besitzen überhaupt ein eigenes Transportmittel, zu 88 Prozent ist dies das Fahrrad. Öffentliche Verkehrsmittel wie Minibusse, Busse, aber auch Auto- und Fahrradtaxis werden nur von rund 20 Prozent der Befragten genutzt. Die im Durchschnitt mehr als 1,5 Stunden langen Wege, um Waren wie Nahrungsmittel, Wasser oder Medikamente zu beschaffen, werden zum überwiegenden Teil zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Logistikkonzepte, auch die von Hilfsorganisationen, die der Bevölkerung einen besseren Zugang zur Grundversorgung ermöglichen, müssen diese Verkehrsträger daher einbinden. Derartige Modelle werden derzeit vom Projektteam der TU Berlin und ihren Partnern entwickelt. Die Ergebnisse der Feldstudie liegen auch der gemeinsamen Entwicklung von Logistikwissen im Rahmen von Logistikaus- und -weiterbildungsprogrammen zugrunde.

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