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Forschung

Malschulen – Wirklichkeit oder Mythos?

Donnerstag, 20. Januar 2011

Das Forschungsprojekt "ArtTransForm" untersucht die deutsch-französischen Kunstbeziehungen im 19. Jahrhundert

Nach Paris, nach Paris, heißt es um 1800 für viele deutsche Künstler. Paris ist die Kunstmetropole jener Zeit und der Ort, an den es die Künstler zieht. Dort wollen sie sich ausbilden lassen. – in den schönen Künsten wie der Malerei, der Bildhauerei, der Zeichenkunst, dem Kupferstechen.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es eine regelrechte Reisewelle aus den deutschen Landen nach Paris. "Unerklärlicherweise ist die Pariser Zeit vieler deutscher Künstler im 19. Jahrhundert bisher in der Kunstgeschichte vernachlässigt worden und wird überstrahlt von den Studienaufenthalten in Rom, denen in der Forschung bislang viel größere Bedeutung beigemessen worden ist", sagt die Kunsthistorikerin und TU-Professorin Bénédicte Savoy.

Eine deutsch-französische Forschergruppe unter der Leitung von Bénédicte Savoy und der Kunsthistorikerin France Nerlich von der Universität in Tours will diesen blinden Fleck in der Forschung nun aufhellen. "ArtTransForm" (Formations artistiques transnationales entre la France et l’Allemagne) heißt das neue Vorhaben und wird die Ausbildung deutscher bildender Künstler in Paris in der Zeit von 1793 bis 1870 dokumentieren. Es wird als erstes kunsthistorisches Forschungsprojekt gemeinsam von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem französischen Pendant, der Agence National de la Recherche, mit rund 291 500 Euro für zwei Jahre bis 2012 gefördert.

Das deutsch-französische Team wird ein Lexikon und eine Datenbank erstellen, über die alle Fakten des Aufenthaltes abrufbar sein werden. Außerdem ist ein Band geplant, der die grenzüberschreitende deutsch-französische Künstlerausbildung analysiert, um ein umfassendes Bild von den Impulsen der Pariser Kunstschule, der privaten Ateliers und Salons auf die deutsche Malerei zu zeichnen.

Jedem Künstler, jeder Künstlerin wird in dem Lexikon ein Artikel gewidmet werden, gegliedert in einen Abriss der künstlerischen Laufbahn und die Darstellung des Pariser Aufenthaltes. Daran schließt sich jeweils eine Auflistung der Werke, die in Paris entstanden waren, sowie eine bibliografische Übersicht über jene Quellen an, die Aufschluss über die Pariser Zeit geben. In dem Abriss über den Paris-Aufenthalt werden ebenfalls alle Fakten zusammengetragen, wann, wo und wie sich der Künstler in Paris ausbilden ließ, in welchen Kreisen er sich aufhielt, an welchen Ausstellungen er teilnahm. "Aber das Hauptaugenmerk der Lexikontexte wird darauf liegen, vor allem aus der Erschließung neuer Quellenmaterialien ein umfassendes Bild über Motivation, Anlass und Stellenwert der Pariser Zeit für das spätere künstlerische Schaffen und das Gesamtlebenswerk des jeweiligen Künstlers herauszuarbeiten", sagt die Literaturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Nina Struckmeyer.

Die Forschung soll zu einer neuen Sichtweise des 19. Jahrhunderts führen. "Das 19. Jahrhundert wird stets als Jahrhundert der Nationalismen beschrieben, und tatsächlich verfestigt sich in der Kunstgeschichte jener Zeit die Idee der nationalen Schulen. Diese beiden Konstrukte stehen aber weitgehend im Widerspruch zur historischen Wirklichkeit, da sie die transnationale Dynamik in der Kunst nicht berücksichtigen", erläutert Savoy. Im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitendes Denken und Handeln: Sich – wenn man so will – international ausbilden zu lassen gehörte ganz offenbar für viele Künstler um 1800 zum guten Ton, ergänzt die Kunsthistorikerin Lisa Hackmann.

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 1/2011

"Wir wollen einen blinden Fleck in der Forschung aufklären." (Bénédicte Savoy)

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