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Forschung

Tiefer Blick unter die Erde

Montag, 18. Oktober 2010

Geologen der TU Berlin nutzen Pipeline-Bau für einmalige Untersuchungen der jüngeren Klimageschichte Ostdeutschlands

Die Geologen haben nur ein kurzes Zeitfenster für Untersuchungen, bevor die Baugrube wieder geschlossen wird.
Lupe

Ende 2011 soll das erste Erdgas durch die neue Erdgasleitung OPAL von der Ostsee aus bis nach Tschechien fließen. Die Abkürzung OPAL steht für die "Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung", die von Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern aus die 1200 Kilometer lange Nord-Stream-Leitung, die aus Russland kommt, mit dem europäischen Ferngasleitungsnetz verbinden soll. Doch durch den 470 Kilometer langen und drei Meter tiefen Nord-Süd-Graben soll nicht nur Erdgas fließen. Er bietet Geologen der TU Berlin auch die einmalige Gelegenheit, in die Erdgeschichte quer durch Ostdeutschland zu schauen und aus dem Klimageschehen von gestern Erkenntnisse für die Entwicklungen von morgen zu gewinnen.

Im Flusssand konservierter Holzstamm, Baustelle im Landkreis Barnim
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"Wir erhalten hier einen fantastischen Aufschluss über die erdgeschichtlichen Geschehnisse während und seit der letzten Eiszeit, die in unseren Breiten vor etwa 10 000 Jahren endete", berichtet Dr. Olaf Juschus, Wissenschaftler am TU-Fachgebiet Explorationsgeologie von Prof. Dr. Wilhelm Dominik und ausgewiesener Quartär-Experte. Mit Spaten, Messgeräten, Gummistiefeln und Helm sind Dr. Olaf Juschus und sein Kollege Dr. Robert Bussert seit Beginn der OPAL-Bauarbeiten in Brandenburg den Hinterlassenschaften der letzten etwa 140 000 Jahre im Pipeline-Graben auf der Spur. Die sedimentologischen Untersuchungen geben ihnen wichtigen Aufschluss zur jüngeren Landschafts- und Klimageschichte Brandenburgs. "Die klimatische Zukunft kann man nur verstehen, wenn man in die Vergangenheit schaut", sagt Olaf Juschus.

Im Flusssand konservierter Holzstamm, Baustelle im Landkreis Barnim
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"Beispielsweise haben wir festgestellt, dass die sogenannte Glaziodynamik, also die durch die Eisbewegung hervorgerufenen Strukturen, kräftiger sind als bisher angenommen", erklärt Juschus. "Brandenburg liegt am Südrand des ehemaligen skandinavischen Eisschildes, wo – so nahm man bisher an – vor allem die Abschmelzung des Eises gewirkt hat. Für Nordbrandenburg zeigt sich aber doch ein anderes Bild."

Besonders aufschlussreich sind für die Forscher gefundene Holzstämme im Spreetal bei Fürstenwalde. Unter den luftdichten Bedingungen im Sediment zerfällt das Holz nicht und kann mit Methoden der Dendrochronologie und der Radiocarbon-Analyse auf sein Alter hin untersucht werden. So kann das Alter der betreffenden Altläufe der Spree bis auf wenige Jahrzehnte genau bestimmt werden. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die bisher untersuchten Altläufe deutlich jünger sind als bisher angenommen.

Mit ihren Einblicken müssen sich die Forscher beeilen. Die OPAL-Leitung wird aus einzelnen, 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren, mit Gummi ummantelten Stahlrohren zu Segmenten von mehreren Hundert Meter Länge zusammengeschweißt, die am Stück in den Graben gehoben werden. So öffnen sich den Forschern oft nur kurze Zeitfenster, in denen vor Ort Proben genommen und Bestandsaufnahmen durchgeführt werden können, bevor der Graben nach wenigen Tagen wieder geschlossen wird.

"Insgesamt sind wir sehr froh über diese Kooperation mit der WINGAS GmbH, die zusammen mit der E.ON Ruhrgas AG das OPAL-Projekt durch-führt", so Juschus. "Sie ermöglicht uns diesen aktuellen Blick in die jüngere Erdgeschichte seit der letzten Eiszeit. Das bisherige Kartenmaterial ist bruchstückhaft und darüber hinaus auch schon mehr als 50 Jahre alt."

Wenn im Herbst 2011 das erste Erdgas durch die OPAL fließt, werden dann die neuesten Ergebnisse zur eiszeitlichen und nacheiszeitlichen Geschichte Brandenburgs vorliegen.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 10/2010

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