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Forschung

Technologien des Regierens

Montag, 22. Februar 2010

Eine TU-Nachwuchsgruppe untersucht die Entstehung neuer Politikinstrumente – 1,8 Millionen Euro Förderung

Das Projektteam: Doktorandin Nina Amelung, Projektmanager Thomas Crowe und Gruppenleiter Jan-Peter Voß (v. l.)
Lupe

"Wir beschäftigen uns zwar mit ‚Politik-Design‘, aber das heißt nicht, dass wir fertige Rezepte liefern, wie man am besten Politik macht", erklärt Jan-Peter Voß, Politik- und Sozialwissenschaftler mit Spezialgebiet Wissenschafts- und Technikforschung. "Wir untersuchen vielmehr, wie neue Modelle der Gesellschaftssteuerung in Netzwerken von Politikern, Beamten, Beratern, Dienstleistern, Verbandsvertretern und Wissenschaftlern entwickelt und erprobt werden. Uns interessiert, wie einige Modelle im politischen Werkzeugkoffer landen, als sogenannte ‚Politikinstrumente‘ anfangen, um die Welt zu reisen, und für die Umsetzung neuer Regierungsformen zur Orientierung und Legitimation dienen. Das untersuchen wir als Innovationsprozess."

Die Einrichtung von Märkten zum Handel mit Emissionszertifikaten oder die Durchführung von "Citizens' Juries", in denen zufällig ausgewählte Bürger ein politisches Problem erörtern und eine Entscheidungsempfehlung abgeben, seien Beispiele für Instrumente, die sich in den letzten Jahrzehnten global ausgebreitet haben, besonders im Bereich der Umwelt- und Nachhaltigkeitspolitik. "Innovation in Governance" heißt die Nachwuchsgruppe, die Jan-Peter Voß leitet. Im März 2009 hat der Akademische Senat der TU Berlin die Einrichtung einer Juniorprofessur zu diesem Thema beschlossen, die in den nächsten Monaten besetzt werden soll. Die interdisziplinäre Forschungsgruppe ist am Institut für Soziologie und am Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) angesiedelt und hat für die nächsten vier Jahre soeben 1,8 Millionen Euro Fördergeld im Rahmen des Programms für sozial-ökologische Forschung beim BMBF eingeworben.

"Die Untersuchung von Politikinnovationen im transnationalen Raum, quer zu einzelnen politischen Systemen und Problemfeldern, ist ein recht neues Forschungsproblem", erklärt Jan-Peter Voß. "Es deutet sich aber an, dass wir einige Muster erkennen können, die uns aus der Forschung zur Technologieentwicklung bekannt sind. So gibt es selten einen einzelnen Erfinder oder einen geregelten Plan. Im Innovationsprozess bewegt sich dann etwas, wenn verschiedene Stränge zusammenlaufen. Zum Beispiel sozialwissenschaftliche Theorien, informationstechnische Entwicklungen, Interessen und Machtstrategien zentraler politischer Akteure, Themen der öffentlichen Debatte und die ideologische Großwetterlage. Die Kunst ist es, diese miteinander zu verknüpfen. Zukunftserwartungen über die Leistungsfähigkeit neuer Politikformen spielen dabei eine zentrale Rolle. Berater, Dienstleister und Wissenschaftler bemühen sich, Versprechen aufzubauen, um Ressourcen für Forschung und Entwicklung sowie Gelegenheiten zum Experimentieren zu erhalten. Oft stehen aber verschiedene neue Modelle und ihre Anhängerschaften in Konkurrenz zueinander – ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, sich gegen bereits etablierte und fest verankerte Paradigmen und Praktiken durchzusetzen. So können Hypes schnell auch wieder in Enttäuschung umschlagen. Innovationsprozesse verlaufen auch in der Politik nicht linear – und sind immer mit Machtkämpfen und Interessen verknüpft."

Trotzdem versuchen die Forscher mit ihrer Arbeit auch zur Gestaltung von politischen Innovationsprozessen beizutragen. In einer späteren Projektphase wollen sie ihre Ergebnisse nutzen, um gemeinsam mit denjenigen, die die Entwicklung von Politikinstrumenten in der Praxis vorantreiben, Szenarien zu zukünftigen Innovationspfaden zu erarbeiten. Die Methode, die sie dafür entwickeln, nennen sie "Policy Foresight". Wie in der konstruktiven Technikfolgenforschung sollen Wechselwirkungen mit gesellschaftlichen und ökologischen Kontexten berücksichtigt werden, um die Nachhaltigkeit verschiedener Innovationspfade diskutieren zu können.

Zur Vernetzung mit weiteren Forschern in diesem jungen Forschungsfeld plant die Forschergruppe für den 20. und 21. Mai 2010 ihr erstes Berliner "Forum Innovation in Governance". Zunächst sollen dort konzeptionelle und methodische Fragen zur Erforschung neuer Regierungsformen als Innovationsprozess diskutiert werden. "Es handelt sich tatsächlich um Grundlagenforschung", sagt Jan-Peter Voß. "Wir begeben uns auf eine Reise hin zu neuen Zielen, deren Verlauf wir aber nicht vorhersehen können, eine ‚innovation journey‘."

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 2/2010

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