TU Berlin

TUB-newsportaltui1110: Eine neue Bauausstellung für Berlin? Radikal Radial!

Page Content

to Navigation

There is no English translation for this web page.

Die TU Berlin für die Stadt

Eine neue Bauausstellung für Berlin? Radikal Radial!

Dienstag, 16. November 2010

Plädoyer für eine Reurbanisierung der großen Hauptstadtverbindungen

Radialstraßen der Metropolenregion Berlin mit Hinterland
Lupe

Berlin ist die Hauptstadt der Bauausstellungen. Keine andere Stadt hat so viele Bauausstellungen erlebt wie Berlin. Die erste war die Allgemeine Städtebau-Ausstellung in Berlin 1910, an die gerade im Architekturgebäude mit der Ausstellung "STADTVISIONEN 1910|2010" erinnert wird. Die zweite war die Bauausstellung 1931, die wesentlich durch die Weltwirtschaftskrise geprägt war und heute weithin vergessen ist. 1957 wurde die dritte Ausstellung eröffnet, die Interbau, die den Wiederaufbau des teilzerstörten Hansaviertels in Westberlin nach den Prinzipien des modernen Städtebaus thematisierte. 1984/87 fand schließlich die vierte Bauausstellung, wiederum in Westberlin, statt, die sogenannte IBA, die der Wiederentdeckung der Innenstadt diente.

Brauchen wir heute, nach 23 Jahren, eine neue Bauausstellung? Gibt es eine Botschaft, die innovativ, plausibel, realistisch und nachhaltig ist? In der Tat liegen bereits einige interessante Vorschläge für eine neue Bauausstellung auf dem Tisch. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat im letzten Jahr Überlegungen für eine IBA auf dem Tempelhofer Feld vorgestellt. Ein weiteres Konzept wurde von Franziska Eichstädt-Bohlig, der grünen Spitzenpolitikerin, präsentiert. Es heißt: Soziale Stadt im Klimawandel – eine IBA für Neukölln?

Wir möchten keines dieser Konzepte in Frage stellen, denken aber schon, dass die Frage, ob wir eine neue IBA brauchen, und wenn ja, welche, bislang in der Öffentlichkeit nicht ausreichend diskutiert worden ist. Für eine solche Diskussion braucht es Alternativen. Daher haben wir auf einer Veranstaltung der Urania am 20. Oktober einen weiteren Vorschlag zur Diskussion gestellt. Wir, das sind die Initiative junger Wissenschaftler an der TU Berlin "Think Berl!n", Hildebrand Machleidt und ich. Unser Vorschlag thematisiert – wie schon 1910 – eine größere Dimension, die Metropolregion. Wir fragen: Welche Herausforderungen beziehen sich nicht nur auf ein Quartier, auf einen Teil der Stadt? Unsere Antwort heißt: Radikal Radial!

Berlin ist durch seine großen Radialstraßen geprägt, etwa durch die Frankfurter Allee, die Landsberger Allee, die Greifswalder Straße, die Prenzlauer Allee, die Schönhauser Allee, die Müllerstraße, den Kaiserdamm, die heutige B 1 zwischen Berlin und Potsdam sowie den Tempelhofer Damm. Im näheren Umkreis dieser Radialen leben sehr viele Berliner. An ihnen konzentrieren sich Geschäfte und Kneipen, aber auch kulturelle und öffentliche Einrichtungen, hier finden sich bedeutende Bauwerke, etwa Rathäuser, Kaufhäuser, Postämter und Bankgebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren diese Kraftlinien Berlins ihre Attraktivität, der Autoverkehr verdrängte das Stadtleben. Die Reurbanisierung einer oder mehrerer dieser Radialen – vielleicht in einer Art Wettbewerb untereinander – ist eine Zukunftsaufgabe nachhaltiger Stadtentwicklung, nicht nur in Berlin. Denn an diesen Radialen bündeln sich Probleme und Chancen der angrenzenden Quartiere in einzigartiger Weise, hier wären Verbesserungen möglich, von denen viele Menschen profitieren. Eine neue Bauausstellung könnte dieses Thema aufgreifen und damit auch eine partizipative Planungskultur fördern.

Prof. Dr. Harald Bodenschatz, Fachgebiet Planungs- und Architektursoziologie / Quelle: "TU intern", 11/2010

Navigation

Quick Access

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe