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TU Berlin

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Forschung

Sisyphos’ Erbin – Spinne rollt bergauf

Montag, 16. November 2009

Außergewöhnliche Beobachtungen in der Wüste

Ingo Rechenberg und seine "Araneus rota" in der Sahara
Lupe

Wenn TU-Professor Dr. Ingo Rechenberg von seiner alljährlichen Sahara-Tour zurückkehrt, dann hat er meist Interessantes zu berichten. In diesem Sommer hat er einen achtbeinigen "Sisyphos" beobachtet: Eine ihm bereits bekannte Rad-Spinne (siehe Artikel "Radschlag in der Wüste" TU intern 12/2008) trotzte souverän der Schwerkraft. "Wie der Held in der griechischen Mythologie einen Felsbrocken, so bewegte sie ihren massiven Körper rollend den Dünenberg aufwärts. Als die Steigung zu groß wurde, kippte sie nach hinten über und trudelte wieder bergab – um dann, wie Sisyphos, wieder von vorn zu beginnen", berichtet der Bioniker.

"Man findet sie nachts auf ebenen Dünenfeldern. Ich habe 15 bis 20 von ihnen gefangen, um sie im ersten Morgenlicht studieren zu können und dann wieder freizulassen", sagt Rechenberg. Die Gliederfüßer bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde auf ihren acht Beinen laufend fort. Rollend sind sie doppelt so schnell. Dabei steigern sie die Geschwindigkeit, indem nach jeder Körperumdrehung eine 15 bis 20 Zentimeter lange Flugstrecke folgt. Diese Technik setzen die Spinnen vor allem ein, wenn sie flüchten müssen.

Bis zu 40 Prozent Steigung können die Spinnen bewältigen – je steiler die Düne, desto langsamer wird allerdings die Vorwärtsbewegung. "Man merkt ihnen dann die Anstrengung an", sagt der Wissenschaftler.

Bereits im vergangenen Jahr entdeckte Ingo Rechenberg die für ihn noch unbekannte Art. Der Spinnenexperte Dr. Peter Jäger vom Senckenberg-Institut konnte nun aufklären: Es handelt sich um eine Cebrennus villosus, die bereits aus Algerien und Tunesien bekannt ist. Dass sich diese Art allerdings rollend fortbewegt, wurde bislang noch von keinem Biologen beschrieben. Sogenannte Rad-Spinnen sind nur in der südafrikanischen Namib-Wüste bekannt. Aber diese können nur passiv die Düne hinunterkullern. Das ungewöhnliche Verhalten der fast handtellergroßen Sahara-Rad-Spinne faszinierte den Forscher. Deshalb machte er sich auch in diesem Jahr wieder zu zwei bis drei Kilometer weiten Nachtwanderungen in der Wüste Erg Chebbi am Rande der Sahara in Marokko auf. Mit Erfolg: Seine Filmaufnahmen der Achtbeiner werfen neue Fragen auf. Rechenberg ist ein Sahara-Kenner. Seit 25 Jahren fährt der Ingenieur in die Wüste, weil den Bionik-Experten extreme Lebensbedingungen interessieren. Die Anpassung der dort lebenden Tiere lässt häufig kühne Ideen für innovative Produkte oder Anwendungen entstehen. Und wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ein Transportvehikel, das wie "Araneus rota", wie Rechenberg seine neue Spinne nennt, sowohl laufen als auch rollen kann.

Andrea Puppe / Quelle: "TU intern", 11/2009

Film und Fotomaterial über die bergauf rollende Spinne:

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