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TU Berlin

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Forschung

Der Tanz der Jungfrauen

Montag, 09. Februar 2009

Untersuchungen zeigen, dass Beschneidungspraktiken in Afrika weiter verharmlost werden

Jungfrauen der Venda im Transvaal beim Phytontan
Jungfrauen der Venda im Transvaal beim Phytontanz, der das Beschneidungsritual einleitet
Lupe

"Man verschließt die Augen vor den dramatischen Tatsachen, wenn man sich auf die offiziellen kartografischen Darstellungen verlässt, was die Verbreitung von Beschneidungs- und Verstümmelungspraktiken am weiblichen Genital in Afrika betrifft", sagt PD Dr. Arnold Groh. Seit Jahren forscht und arbeitet der Psychologe auf diesem Gebiet und stellt immer wieder Diskrepanzen fest.

Von einem "Beschneidungsgürtel", der das nördliche und südliche Afrika ausspart, ist beispielsweise auch in Veröffentlichungen von Amnesty International die Rede. Ein Bildband, der Arnold Groh von der Südafrikanischen Botschaft zugesandt wurde, sprach eine andere Sprache. Arnold Groh leitet an der TU Berlin die Gutachtenstelle SACS (Structural Analysis of Cultural Systems) an der Arbeitsstelle für Semiotik, Institut für Sprache und Kommunikation.  Groh nutzte seinen Aufenthalt an der University of Limpopo, Südafrika, wo er die Eröffnungsrede "Culture, Trauma and Psychotherapy" auf der "5th African Conference on Psychotherapy" halten sollte, um dieser Diskrepanz, was die Darstellung von FGM (Female Genital Mutilation)-Verbreitung betriff, gezielt nachzugehen. Zunächst führte er eine Befragung der Studierenden an der dortigen psychologischen Fakultät durch, die Hinweise darauf gab, dass die Beschneidung junger Mädchen, anders als in den vorliegenden Karten dargestellt, durchaus auch in großem Umfang in Südafrika praktiziert wird. In der Venda-Region im Transvaal, wo er seine Untersuchungen anschließend fortsetzte, konnte er zwar mit einheimischen Frauen reden, die aber große Probleme mit diesem Thema haben.

Gespräche mit Klinikärzten und Gynäkologen ergaben, dass in den ländlichen Gebieten - anders als in den Städten - nach wie vor in großem Umfang beschnitten werde, und zwar kulturübergreifend, der Eingriff allerdings von Hebammen vorgenommen würde. "Prostitution" wollten die Familien, die sich dafür entschieden hätten, mit dieser Maßnahme verhindern.

"Die Befunde dieser Untersuchungen sind insofern von Bedeutung, als sie zeigen, dass es wenig sinnvoll ist, sich auf jene ,FGM-Karten‘ zu verlassen. Diese Karten beruhen auf Vermutungen, die weitgehend willkürlich sind, zumal es keine validen Daten gibt", hebt Arnold Groh hervor. Gynäkologische Screenings wären notwendig, die sich aber nicht leicht in Einklang mit Menschenrechtsaspekten bringen ließen.

"So können wir uns nur auf allgemeine Aussagen stützen, dass überhaupt bestimmte Formen der Beschneidung vorliegen. Dabei müssen wir außerdem eine große Dunkelziffer einrechnen, da aufgrund der Tabuisierung FGM möglicherweise oft geleugnet wird." Klar sei aber inzwischen: Jener dargestellte "Beschneidungsgürtel" stelle eine enorme Verharmlosung dar. Es lägen außerdem Hinweise auf die traditionelle Existenz von FGM auch außerhalb des Schwarzen Kontinents vor, zum Beispiel in Asien und Lateinamerika. SACS hat Informationsmaterial insbesondere für Ärzte, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen entwickelt, das dazu auffordert, die FGM-Praktiken aufzugeben.

Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 2/2009

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