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TU Berlin

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Forschung

Blick in die Gerüchteküche

Montag, 09. Februar 2009

Wie wirken soziale Netzwerke auf den Verkehr, auf die Ausbreitung von Viren - und Gerüchten?

Kai Nagel will verstehen, wie Verkehr als ein System aus so verschiedenen Transportmitteln
Kai Nagel will verstehen, wie Verkehr als ein System aus so verschiedenen Transportmitteln wie Flugzeug, Bahn, Bus, Auto, Schiff und Fahrrad funktioniert. Auch der Fußgänger wird berücksichtigt
Lupe

Menschen sind in Bewegung. Sie fahren zur Arbeit, in den Urlaub, zum Sport. Sie besuchen Freunde und Verwandte, reisen zu Tagungen und Kongressen, fahren zum Spaß einfach nur so umher oder suchen an den Wochenenden Erholung außerhalb der Ballungszentren. Sie benutzen Fahrräder und Motorräder, Autos und Busse, Bahnen, Schiffe und Flugzeuge. "In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Verkehrsströme grundlegend verändert", sagt Prof. Dr. Kai Nagel, Leiter des Fachgebietes Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin.

Um die Folgen dieser Veränderungen abschätzen zu können, koordiniert Nagel derzeit ein von der VW-Stiftung finanziertes Forschungsprojekt, das soziale Netzwerke hinsichtlich ihrer räumlichen Verbindungen untersucht. Der TU-Experte kooperiert für dieses Projekt mit Prof. Dr. Kay W. Axhausen, Leiter des Instituts für Verkehrsplanung und Transportsysteme der ETH Zürich.

"Der Anteil der Arbeitszeit an der Lebenszeit wird immer geringer", erläutert der Berliner Verkehrsforscher. Inzwischen habe der Freizeitverkehr innerhalb des Personenverkehrs einen höheren Anteil (31 Prozent aller Wege) als der Pendlerverkehr zum Arbeits- oder Ausbildungsplatz (21 Prozent aller Wege). Der übrige Teil sind Wege, die sich aus Einkauf, privaten Erledigungen sowie Hol- und Bringverkehr ergeben. Und mit nur noch acht Prozent schlagen Dienstreisen zu Buche. Ausgehend von der These, dass soziale Netzwerke in hohem Maße Freizeitverkehr hervorbringen, untersuchen die Wissenschaftler diese Netze und deren Auswirkungen auf den Verkehr, um verlässliche Aussagen für die Verkehrsplanung der Zukunft treffen zu können.

"Freizeitverkehr ist inzwischen das wichtigste Segment im Verkehr, und bessere Modelle sind für ihn dringend notwendig", sagt Kai Nagel. „Gleichzeitig können wir im Anschluss mit unseren Ergebnissen auch übergeordnete Probleme analysieren, zum Beispiel Aussagen darüber treffen, wie sich Viren oder Gerüchte in der Welt ausbreiten.

Mit dem Projekt werde gleichzeitig eine Brücke zwischen der realen Welt und den Modellen der Netzwerke geschlagen. "Letztlich hoffen wir, über die Auswirkungen von Netzwerken auf den Verkehr auch die Gesetzmäßigkeiten moderner sozialer Netzwerke besser zu verstehen", resümiert der Verkehrsforscher.

Andrea Puppe / Quelle: "TU intern", 2/2009

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