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TU Berlin

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Forschung

"Wir müssen wissen, wo wir stehen"

Montag, 28. Januar 2008

Universitäre Leistung nach Forschungsrankings beurteilen? Was der TU-Vizepräsident für Forschung sagt

Professor Johann Köppel ist der für Forschung zuständige Vizepräsident
Professor Johann Köppel ist der für Forschung zuständige Vizepräsident
Lupe

Regelmäßig werden Hochschul-Rankings von den unterschiedlichsten Organisationen veröffentlicht, jedes mit einem eigenen Methodenansatz. Wo sind Stärken, wo sind Schwächen?

In Deutschland sind etwa das DFG- und das CHE-Ranking zu nennen. Rankings wollen unter anderem die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung nachvollziehbar und vergleichbar machen. Das ist zu begrüßen, denn auch wir in der Universität wollen wissen, wo wir stehen, und Verteilungsprozesse leistungsorientiert steuern. Auch die Berliner Hochschulverträge nutzen zunehmend Leistungsparameter zur Mittelverteilung. Die Ergebnisse von Rankings zeigen vor allem auch, wo man gezielt unterstützen kann, das heißt, die Starken noch stärker machen und die anderen gezielt fördern. Die Rankings werden zwar "von außen" gemacht, viele benutzen aber Daten, die universitätsintern erhoben werden.

Daher unterstützen wir die anfragenden Organisationen auch mit einem erheblichen Zeitaufwand unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie der Verwaltung. Darüber dürfen wir aber nicht vergessen, dass wir zum Glück auch unsere eigenen Methoden wie LINF (Leistungserfassung in Forschung und Lehre, Anm. d. Red.) entwickelt haben. Die externen Rankings zeigen auch nur Ausschnitte der tatsächlichen Leistungen, die an der Universität erbracht werden. So können wir die Außensicht mit unserer Innensicht abgleichen und mündig und verantwortungsvoll interpretieren. Es gibt auch eine Reihe systematischer Probleme von Hochschul-Rankings wie etwa Fächerabgrenzungen und andere umstrittene Fragen.

Das neue "Rating" des Wissenschaftsrats, das als Pilotstudie die Chemie und Soziologie untersuchte, hatte den Anspruch, einige Schwächen anderer Rankings zu überwinden …

Der Wissenschaftsrat wollte weg von einer rein quantitativ-indikatorenbasierten Erhebung und in seiner Betrachtung eine Peer-Review einbauen. Einen Vorteil sehe ich in dem disziplinspezifischen Vorgehen. In der Soziologie - das Ergebnis wird demnächst veröffentlicht - und in der Chemie sind jeweils andere Indikatoren berücksichtigt worden. Das ist zwar sehr aufwendig - auch für die Hochschulen nahm die Beantwortung der Fragen Monate in Anspruch -, doch es kommt dem Ziel, ein Fach zu bewerten und einzuordnen, recht nahe. So werden nicht Äpfel mit Birnen verglichen. Andererseits werden die Ergebnisse allzu aggregiert veröffentlicht.

Wie ernst muss die Universität die Rankings nehmen?

Die Hochschulen stehen im internationalen und nationalen Wettbewerb, und da ist es wichtig, zu wissen, wo wir stehen, wie die Außenwirkung ist. Unsere eigenen Daten liefern uns auch eine Grundlage für die leistungsbezogene Besoldung für Professoren oder die Mittelvergabe unter den Fakultäten. Man sollte aber auch die Grenzen der einzelnen Rankings kennen, wir müssen sie daher nicht fürchten, sondern sorgfältig interpretieren. Es ist an der Zeit, hierüber noch besser hochschulintern zu informieren. Auch sollte man die Beurteilung des eigenen Standorts nie allein abhängig machen von der Erhebung einiger weniger Indikatoren von außen. So kann es etwa im Sinne der angestrebten Profilbildung ja gewollt sein, in bestimmten Disziplinen Forschungsstärken gezielt zu entwickeln, an anderer Stelle wiederum liegen vielleicht überproportionale Lehraufgaben, die dennoch gerne zu erbringen sind. Zu den externen Rankings ist noch zu sagen, dass sich derzeit eine zunehmende Vielfalt herausbildet, wobei die einzelnen Organisationen miteinander in Konkurrenz stehen und sich gegenseitig in den methodischen Ansätzen abgrenzen. Das kann womöglich in eine gewisse Beliebigkeit der Interpretationen münden.

Die meisten Studierenden benutzen die Rankings nach neueren Untersuchungen nur als untergeordnetes Kriterium zur Studienortwahl. Ihnen sind Stadt und Wohnortnähe das Wichtigste.

Die Frage, die zunächst für die Studierenden wichtig ist, nämlich wie man erfolgreiche Lehre misst, ist ohnehin alles andere als trivial. Daran ist selbst der Wissenschaftsrat bislang gescheitert. Das ist noch eine größere Herausforderung, an der bei uns aber auch schon gearbeitet wird.

Was hängt noch von den Rankings ab?

Im hochschulpolitischen Raum wird möglicherweise allzu vereinfacht auf solche Rankings geschaut. Die Differenzierung, die wir uns wünschen würden, kann in der Politik wahrscheinlich gar nicht geleistet werden. Da es aber diese öffentliche Wahrnehmung gibt, müssen wir jeweils sehr genau hinschauen, wie manche Ergebnisse zustande gekommen sind und welche Aussage sie tatsächlich über uns treffen, damit wir gezielt dazu kommunizieren können.

Das Gespräch führte Patricia Pätzold / Quelle: "TU intern", 01/2008

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