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TU Berlin

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Forschung

Ins Abseits gerutscht

Montag, 19. Mai 2008

Bei Forschung und Innovation spielen immer weniger kleine und mittlere Unternehmen eine Rolle

Deutschland stehe in der Forschung und Entwicklung im internationalen Vergleich insgesamt gut da. So weit die beruhigende Nachricht, nachzulesen im ersten Gutachten der unabhängigen Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). "Aber", sagt Dr. Gero Stenke, "wir müssen leider feststellen, dass sich die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit in Deutschland immer stärker auf wenige große Unternehmen konzentriert." Hatten 1995 noch 21 Prozent der kleinen Industrieunternehmen mit unter 100 Beschäftigten Aktivitäten in Forschung und Entwicklung (FuE) gemeldet, seien es seit 2003 nur noch zwölf Prozent. Gero Stenke gehört zu den Mitautoren des Kapitels "Forschung und Entwicklung" im Gutachten und arbeitet in der Geschäftsstelle der Expertenkommission. Diese hat ihren Sitz an der TU Berlin und wird von Dr. Knut Blind, Professor für Innovationsökonomie an der Universität, geleitet. Neben administrativen Aufgaben obliegt es der Geschäftsstelle unter anderem, die Ausschreibungsverfahren für Projekte zu managen sowie wissenschaftlich zu arbeiten. Aufgabe der Kommission wiederum ist es, die Bundesregierung in den so wichtigen Zukunftsfeldern Forschung und Entwicklung sowie Innovation zu beraten.

Aber nicht nur auf dem Gebiet von Forschung und Entwicklung ist der Beitrag kleiner und mittlerer Unternehmen rückläufig, auch bei den Innovationen sinkt er. "2006 entfielen auf kleine und mittlere Unternehmen 28 Prozent der gesamten Innovationen der Wirtschaft. Mitte der 1990er-Jahre lag ihr Anteil noch bei 33 Prozent", sagt Gero Stenke. "Wenn wir davon ausgehen, dass die Masse der kleinen und mittleren Unternehmen die Breite bestimmt, mit der Forschung und Entwicklung sowie Innovationen in der Wirtschaft verankert sind, dann ist
dieser rückläufige Trend in beiden Bereichen schon besorgniserregend", so der Wirtschaftsgeograf. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, empfiehlt die Expertenkommission, Forschung und Entwicklung in diesen Unternehmen
steuerlich zu fördern – wie es in anderen EU-Ländern bereits praktiziert wird. Stenke: "Die steuerliche Begünstigung von Forschung und Entwicklung gilt international als besonders probates Mittel, die Basis derjenigen
Firmen zu verbreitern, die genau dort investieren."

Die Expertenkommission kommt in ihrem Gutachten zu dem Schluss, dass die staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung in Deutschland insgesamt im Vergleich zu anderen Ländern weit geringer ausfällt und seit Mitte der 1980er-Jahre abgenommen habe. Im neuen Jahrtausend war zwar eine geringe Erhöhung der staatlichen FuE-Förderung zu beobachten, aber real noch nicht spürbar. Andere Länder wie Großbritannien, Schweden und die USA haben dagegen ihre Budgets für Forschung und Entwicklung deutlich ausgeweitet. Auch die Mittel, die innerhalb des staatlichen FuE-Budgets an die Wirtschaft fließen, haben sich hierzulande von 32 Prozent (1982) auf zehn Prozent (2005) reduziert. Eine Ursache ist laut Gutachten "die geringe Nachfrage des Staates nach FuE-Leistungen für das Militär seit dem Ende des Kalten Krieges".

Erfreulich hingegen ist, dass sich seit 2001 die Rolle der Hochschulen als Partner für die Wirtschaft in Forschung und Entwicklung erhöht habe. Zurzeit fließen 2,3 Prozent der gesamten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung der Unternehmen an Hochschulen.

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 5/2008

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Kontakt

Prof. Dr. Knut Blind
Tel.: +49 (0)30 314-76638

Dr. Gero Stenke
Tel.: +49 (0)30 314-76850