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TU Berlin

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Forschung

Fiskalische Ausplünderung

Dienstag, 17. Juni 2008

Berliner Finanzverwaltung war im "Dritten Reich" an der Enteignung deutscher Juden beteiligt

Martin Friedenberger: Fiskalische Ausplünderung
Lupe

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde die jüdische Bevölkerung ausgegrenzt, verfolgt, ausgeplündert und ermordet. Dies ist bekannt. Bisher unbekannt war, dass bei den Ausplünderungen die Finanzbehörden eine maßgebliche Rolle spielten. Diesem Thema ist der Historiker und Finanzbeamte Martin Friedenberger im Rahmen einer Dissertation am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin auf den Grund gegangen. Er untersuchte am Beispiel Berlin, wie sich Beamte der Finanzverwaltung aktiv an der Ausplünderung der deutschen Juden beteiligten. Die Studie weist auf Grundlage von bisher nicht öffentlich zugänglichem Quellenmaterial nach, wie Berliner Finanzbehörden der jüdischen Bevölkerung ein Milliardenvermögen entzogen. Durch Enteignungen und Sondersteuern wurden den deutschen Juden von staatlicher Seite mehr als 3,5 Milliarden Reichsmark genommen; das entsprach etwa 35 Prozent ihres gesamten Vermögens im Jahr 1938. Eine wesentliche Rolle spielten dabei die Finanzbehörden im Oberfinanzbezirk Berlin. Die Gründe dafür lagen zum einen in der hohen Bevölkerungszahl der mit 170000 Mitgliedern größten jüdischen Gemeinde im sogenannten Altreich, zum anderen war das Finanzamt Moabit West ab 1933 für die Verwaltung des beschlagnahmten Eigentums von Ausgebürgerten aus dem gesamten Deutschen Reich zuständig. Insgesamt gingen fast 40 Prozent der verfolgungsbedingten Staatseinnahmen auf Tätigkeiten der Berliner Finanzbehörden zurück. Im Beisein von Brandenburgs Finanzminister Rainer Speer und Berlins Finanzsenator Thilo Sarrazin wurde die Studie am 28. April 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt. "In der Finanzverwaltung herrschte ein Ungeist, dessen Nahaufnahme auch siebzig Jahre später noch erschüttert", so Sarrazin. Prof. Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung und Betreuer der Arbeit, erklärte: "Die Dissertation schließt eine Lücke in der Holocaustforschung, sie führt, gestützt auf profundes Quellenmaterial, zu neuen Einsichten über die Funktion und Bedeutung fiskalischen Wirkens." Die Berliner Senatsverwaltung für Finanzen hat beim Autor eine Internetseite mit den wichtigsten Erkenntnissen in Auftrag gegeben. Friedenberger war nach dem Studium der Geschichte, Politik und Germanistik freier Mitarbeiter der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Ab 1995 machte er eine Ausbildung zum Finanzbeamten, war danach in Berliner Finanzämtern tätig, seit 2007 beim Bundesfinanzministerium.

Carina Baganz / Quelle: "TU intern", 6/2008
Martin Friedenberger: Fiskalische Ausplünderung. Die Berliner Steuer- und Finanzverwaltung und die fiskalische Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung 1933-1945,
Berlin 2008, Metropol Verlag,
ISBN-10: 3-938-69086-0

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