direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Page Content

There is no English translation for this web page.

Forschung

Der menschliche Faktor

Montag, 14. Juli 2008

Weltkongress der Psychologie in Berlin vom 20.-25. Juli diskutiert Fragen der modernen Gesellschaft und Arbeitswelt

Lupe

Was haben wir mit unseren Kindern falsch gemacht? - Eine "Kontroverse Debatte" im Rahmen des 29. Internationalen Psychologiekongresses (ICP) vom 20. bis 25. Juli 2008 in Berlin soll es auf den Punkt bringen: Ist für den einzelnen Schüler eine homogene Lernumgebung oder eine heterogene Lernumgebung günstiger?

Kinder kommen bereits mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten in die Schule, und diese Fähigkeiten beeinflussen von Beginn an das schulische Schicksal der Kinder. Sie stellen eine Herausforderung für das Schulsystem dar: Wie kann man für jeden Schüler und jede Schülerin die beste Lernumgebung schaffen? Während in einigen Ländern die Schüler nach der 4. Klasse getrennte Wege gehen, lernen sie in anderen Ländern zehn Jahre lang gemeinsam. Wie wirken sich die beiden Schulsysteme auf den schulischen Erfolg der einzelnen Schüler aus?

"Kontroverse Debatten" hochkarätiger Psychologen über komplexe Zusammenhänge und neueste Erkenntnisse sind ein neues Veranstaltungsformat auf dem ICP, der der größte Weltkongress aller Zeiten zu werden verspricht. Mehr als 10 000 Teilnehmer aus 60 Ländern werden zu dem alle vier Jahre stattfindenden Event erwartet, in das in diesem Jahr auch der 46. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie integriert ist. Der letzte ICP fand in Peking statt, der nächste wird in Kapstadt sein. Die Ausrichtung im ICC obliegt den Psychologischen Instituten aller drei Berliner Universitäten sowie der Universität Potsdam. Präsident des Berliner Kongresses ist Prof. Dr. Peter Frensch von der Humboldt-Universität. Von der TU Berlin wirken Prof. Dr. Helmut Jungermann und Prof. Dr. Dietrich Manzey vom Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft an der Vorbereitung des Kongresses mit.

Zu erfahren, was in anderen Ländern passiert, welche Probleme dort im Vordergrund stehen und bearbeitet werden, welche Themen die Wissenschaftler in den letzten Jahren interessiert haben, worüber man diskutiert und welche neuen Erkenntnisse es gibt. Es  wird in Berlin reichlich Gelegenheit geben, dies persönlich aus dem Munde der Großen dieses Faches zu erfahren: 4400 Vorträge, 470 Symposien, 4200 Poster zu allen Teilgebieten der Psychologie bietet das Pro-    gramm, dazu viele weitere Veranstaltungen rund um den Kongress. Im Internet kann sich der Besucher auf der interaktiven Seite des Kongresses sein persönliches Programm zusammenstellen.

Zur modernen Psychologie gehören heute anwendungsbezogene Fragestellungen. Sie beschäftigen sich beispielsweise mit Fragen der Gesundheit, der klinischen Therapie, der Erziehung, der humanen Gestaltung der Arbeitswelt, der Bildung, des Alterns und der Umwelt. In der psychologischen Grundlagenforschung sind es die Themen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit, Lernen und Gedächtnis, Motivation und Emotion, Methoden des Messens, Testens und Modellierens, die die Teilnehmer unter anderem vorstellen. Das Programm lässt erkennen, dass auch die Kognitionspsychologie eine enorme Bedeutung erlangt hat, und zwar vor allem da, wo die Verbindung zur Neurowissenschaft thematisiert wird. Beispielhaft sei das "executive attention network" genannt, über das einer der Hauptredner des Kongresses, Michael Posner (University of Oregon), sprechen wird. Gemeint ist das neuronale Netzwerk, das die Aufmerksamkeit reguliert und kontrolliert. Die Fähigkeit, seine Aufmerksamkeit trotz unterschiedlichster und komplexer sensorischer Einflüsse auf einzelne Personen und Objekte zu richten, ist für unser Erleben und Handeln von fundamentaler Bedeutung. Die Forschung ist zunehmend in der Lage, die neuronalen und genetischen Korrelate dieser kognitiven Funktion zu identifizieren, die sich offenbar in der frühen Kindheit (zwei bis sieben Jahre) ausbildet und deren Beeinträchtigung sich im sogenannten defizitären Aufmerksamkeitssyndrom zeigt. Dieser Vortrag stellt im Übrigen den Auftakt der "Baltes Lectures" dar, die an den verstorbenen Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Paul Baltes, erinnern und künftig regelmäßig in Berlin stattfinden sollen.

Im "Young Scientists Program" können junge Wissenschaftler in Sitzungen mit bekannten Wissenschaftlern ihre Ideen und Arbeiten auf einem "networking market" präsentieren, Kontakte knüpfen und diskutieren.

Natürlich ist auch die TU-Psychologie bei dem Kongress vertreten. Sie präsentiert vor allem Beiträge aus dem Bereich der Human Factors, auf den sich die Psychologie an der TU Berlin seit einigen Jahren konzentriert. So wird Prof. Dr. Manfred Thüring gemeinsam mit Dr. York Hagmayer (Göttingen) ein Symposium zum Thema "Causal judgements under uncertainty" leiten, Elin Bahner und Dr. Monica De Fillipis leiten ein Symposium zum Thema “Reactions to alarms and warnings“. Weitere Beiträge und Poster von TU-Psychologen befassen sich unter anderem mit der Erleichterung des Wissenserwerbs über komplexe technische Systeme durch Visualisierung kausaler Strukturen     (Anne Klostermann und Manfred Thüring), mit der Wirkung von Stress auf die Erinnerung je nach Art der abgefragten Information (Nadine Kuelzow und Prof. Gisela Erdmann), dem Effekt geteilten Wissens auf Teamarbeit (Juliane Domeinski, Peggy Frommann und Prof. Dietrich Manzey) und der Wahrnehmung von Inflation (Julia Belting und Prof. Helmut Jungermann). Im Bereich der Klinischen Psychologie haben Prof. Gabriele Wilz und Katja Werheid ein Symposium zum Thema "Dementia therapy: What can psychology contribute?" organisiert. Spezielle Auftritte gibt es im ICC am Stand "Psychology in Berlin and Potsdam", wo sich während des gesamten Kongresses die Universitäten und das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung präsentieren werden.

Prof. Dr. Helmut Jungermann / Quelle: "TU intern", 7/2008

Zusatzinformationen / Extras

Quick Access:

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe

This site uses Matomo for anonymized webanalysis. Visit Data Privacy for more information and opt-out options.