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TU Berlin

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Forschung

Das fremde Blut

Freitag, 15. Februar 2008

Bevölkerungswissenschaft im Dritten Reich: DFG-Schwerpunktprogramm stellt Ergebnisse vor

Aus dem Lehrbuch Lebenskunde für höhere Schulen im Dritten Reich
Aus dem Lehrbuch Lebenskunde für höhere Schulen im Dritten Reich
Lupe

Der Geburtenrückgang im ausgehenden 19. Jahrhundert führte noch in der Weimarer Zeit zu einer lebhaften Diskussion über Bevölkerungsfragen. Damals konkurrierten verschiedenste sozialwissenschaftliche, sexologische und eugenische Theorien miteinander, doch es gab keine "Bevölkerungswissenschaft" als eigenständige Disziplin. Sie unterlag in der Entwicklung immer einem Wandel von Auffassungen und Umdeutungsvorgängen. Bevölkerungswissenschaft und -politik sind heute unter anderem Gegenstand wissenschaftshistorischer Analysen. Erst nach der Nazi-Zeit gelangte die Bevölkerungswissenschaft zu einer akademischen, multidisziplinären Reife.

Im Dritten Reich selbst suchte man unter anderem in der Volkstumsgeschichte und der Anthropologie den Beweis eines "völkischen" oder "rassisch reinen" deutschen Volkskörpers. Mit ideologisch-bildungspolitischer Absicht wurde nach 1933 die deutsche Jugend mit kostengünstigen Heftchen zu Bevölkerungsfragen versorgt. Diese Heftchen thematisierten die geringe Fruchtbarkeit der deutschen Frauen, das Eindringen rassisch fremden Blutes in den deutschen Volkskörper und lieferten Argumente für die erzwungenen Territorialansprüche Deutschlands. Der Machtwechsel bedeutete gleichzeitig das Ende für die multidisziplinär verankerten Geburtenrückgangstheorien sowie für das Verschwinden ihrer Protagonisten wie des damaligen Ehrenprofessors der Technischen Hochschule Berlin Julius Wolf ( TU intern 7-9/07). Erfolgreich, so die Forscher des DFG-Schwerpunktprogramms “Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts ‚Bevölkerung‘ vor, im und nach dem Dritten Reich“ an der TU Berlin, seien vielmehr einige opportunistische oder karriereorientierte Wissenschaftler gewesen, die sich der nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik anpassen konnten, wie Karl Valentin Müller oder Ludwig Neundörfer.

Nach mehr als sechs Jahren Forschung stellten im November letzten Jahres 15 Forschungsgruppen diese und weitere Erkenntnisse des DFG-Schwerpunktprogramms auf ihrer Abschlusstagung vor, die der ehemalige Leiter des Programms, der emeritierte TU-Professor Rainer Mackensen und seine Partner sowie die Forschungsgruppe "Bevölkerungsfragen" am Institut für Soziologie der TU Berlin organisiert hatten. Sie werden noch im Jahr 2008 in dem Sammelband "Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts ‚Bevölkerung‘ vor, im und nach dem ‚Dritten Reich‘" veröffentlicht.

tui / Quelle: "TU intern", 2-3/2008

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