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TU Berlin

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Forschung

Blick in die Tiefen der Qumranrollen

Montag, 28. Januar 2008

TU-Forscherin untersucht die berühmten Schriften vom Toten Meer

Physik
TU-Physikerin Birgit Kanngießer (l.) und Ira Rabin von der Jüdischen Nationalbibliothek in Jerusalem warten gespannt auf Messergebnisse
Lupe

Trotz intensiver 60-jähriger Forschung ist nicht eindeutig geklärt, wo die Qumranrollen, jene 2000 Jahre alten Dokumente, die auch Urtexte der Bibel enthalten, eigentlich hergestellt wurden. Die Klärung der Frage hat enorme Auswirkungen darauf, ob die Rollen, die der Sekte der Essener zugeschrieben werden, wirklich in einer Beziehung zu der Sekte stehen.

In Berlin forschen derzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Arbeitsgruppe von Birgit Kanngießer an der TU Berlin sowie der Arbeitsgruppe von Oliver Hahn an der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung zusammen mit Ira Rabin von der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem, wo Teile der Rollen aufbewahrt werden, daran, die Herkunft einiger Rollen zu klären.

So hat die Arbeitsgruppe für "Analytische Röntgenspektroskopie" von Birgit Kanngießer eine Methode entwickelt, um Hinweise darauf zu bekommen. "Meine Methode ist eine Weiterentwicklung der Röntgenfluoreszenzanalyse. Das Neue daran ist, dass wir exakt Aufschluss darüber geben, in welcher Tiefe des zu untersuchenden Gegenstandes sich in welcher Konzentration die verschiedenen Elemente befinden, wie zum Beispiel Kupfer, Eisen oder Chlor", erklärt Kanngießer.

Der "Trick" an dem experimentellen Aufbau von ihr ist, dass sie zwei Röntgenoptiken verwendet, deren Fokusse gekreuzt werden. Die eine Röntgenoptik bündelt die Strahlung auf das Untersuchungsobjekt, die andere sammelt die spezifische Strahlung des Untersuchungsobjektes und führt sie zum Detektor, vor dem die zweite Röntgenoptik platziert ist. Der Detektor nun löst die spezifische Strahlung des Untersuchungsobjektes in seine Bestandteile auf. "Durch diesen neuen Versuchsaufbau bekommen wir jene tiefenaufgelösten Informationen", erklärt Dr. Birgit Kanngießer. Durchgeführt werden die Messungen bei der Elektronenspeicherring-Gesellschaft für Synchrotronstrahlung in Berlin (BESSY). Analysiert wurden sehr wertvolle Fragmente aus dem Konvolut von Apokryphen zur Genesis, also außerbiblische Schriften zur Genesis, sowie zahlreiche kleinere Fragmente.

Birgit Kanngießers dreidimensionale Röntgenfluoreszenzanalyse unter Anwendung von Synchrotronstrahlung (3-D-Mikro-RFA-Methode) brachte wichtige Erkenntnisse über den Zustand der Apokryphen zur Genesis. So ist bei ihnen der Kupferfraß besorgniserregend vorangeschritten. Um herauszufinden, wo das Pergament der Rollen produziert worden ist, könnte ein Glücksumstand helfen. Das Wasser in der Nähe des Toten Meeres hat ein spezifisches Chlor-zu-Brom-Verhältnis. Ungewöhnlich hoch ist hier der Bromgehalt. In einigen kleineren Fragmenten konnte dieses besondere Verhältnis nachgewiesen werden. "Um jedoch auch über die Herkunft der Apokryphen zur Genesis und anderer Fragmente gesicherte Aussagen machen zu können, sind weitere Messungen erforderlich", sagt Kanngießer. Die werden Anfang April in Berlin stattfinden.

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 01/2008

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