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TU Berlin

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Forschung

Verzerrte Weltkarte

Montag, 15. Oktober 2007

Mit Geodäsie auf der Suche nach historischen Orten auf der Weltkarte des Ptolemaios

Dr.-Ing. Frank Neitzel und Prof. Dr.-Ing. Dieter Lelgemann mit der Weltkarte des Ptolemaios
Dr.-Ing. Frank Neitzel (l.) und Prof. Dr.-Ing. Dieter Lelgemann mit der Weltkarte des Ptolemaios
Lupe

Wo liegt eigentlich diese fast mythische Insel im hohen Norden, die schon die alten Griechen rund 325 Jahre vor der Zeitenwende als "Thule" bezeichneten? Frank Neitzel und Dieter Lelgemann vom Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin (TUB) versuchen das Geheimnis zu lüften, wenn sie die berühmte Weltkarte des Klaudios Ptolemaios entzerren. Der griechische Geograf hat nämlich bereits im zweiten Jahrhundert nach der Zeitenwende eine Weltkarte entworfen, auf der auch Thule vorkommt. Sechs Tagesreisen nördlich von Britannien sei diese Insel nach früheren Angaben zu finden.

Doch es gibt ein Problem. Ptolemaios hat zwar mehr als 6000 Orte zwischen China, Sri Lanka, Zentralafrika und Britannien in seinen Karten und Büchern genannt, die dazugehörigen geografischen Daten aber sind aus verschiedenen Gründen nicht immer richtig. So haben sich beim Abschreiben dieser Werke immer wieder Fehler eingeschlichen, die eine Interpretation der Karte schwierig machen. Viele Orte existieren längst nicht mehr oder ihr Name hat sich im Laufe der Jahrhunderte so stark verändert, dass er kaum noch wiedererkannt werden kann.

Obendrein hat sich der griechische Geograf oft auf Aussagen verlassen, die manchmal Jahrhunderte vor seiner Zeit getroffen wurden. Schließlich wurden die Entfernungen damals in Stadien gemessen, die aber nicht immer einheitlich lang waren. Wer die Karte des Ptolemaios also im 21. Jahrhundert nutzen möchte, um Thule oder andere historische Orte wiederzufinden, muss die Karte sozusagen so lange entzerren, bis sie einer modernen Karte mit ihren relativ exakten geometrischen Angaben entspricht.

Genau diese Aufgabe haben die TUB-Forscher Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann und Frank Neitzel in einem Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Angriff genommen. Zusammen mit dem Altertumswissenschaftler Andreas Kleineberg versuchten sie aus den mehr als sechstausend Angaben des Ptolemaios moderne Orte zu identifizieren und untersuchten altes Kartenmaterial und deckten systematische Fehler auf: Genaue Regionalkarten wurden zum Beispiel nicht korrekt zu einer Gesamtkarte zusammengefügt, Kartenteile werden so in unterschiedlichen Größenverhältnissen dargestellt oder sind gegeneinander verschoben. Mit den Mitteln der "geodätischen Deformationsanalyse" und speziellen Computerprogrammen überführen die Forscher dann die historischen Werte in moderne Breiten- und Längengrade. Ptolemaios' Karte, so zeigte sich, ist im Maßstab 2:3 oder 5:7 verzerrt. Thule, das Geheimnis hat Dieter Lelgemann jedenfalls schon gelüftet, ist die Insel Smola vor der alten Königsstadt Trondheim in Norwegen.

Roland Knauer / Quelle: "TU intern", 10/2007

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