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Forschung

Die Suche nach der "Traumreaktion"

Montag, 19. November 2007

Ein Interview mit Prof. Dr. Matthias Driess, Sprecher des Exzellenzclusters "Unifying Concepts in Catalysis" ("UniCat")

Welches sind die wichtigsten Termine und Meilensteine für die nächsten drei Jahre?

Matthias Driess, Sprecher des
TU-Excellenzclusters "UniCat"
Matthias Driess, Sprecher des TU-Excellenzclusters "UniCat"
Lupe [1]

Wir "brennen" darauf, unser komplexes Forschungsprogramm umzusetzen. Organisatorisch heißt das, "UniCat" bestimmt zunächst seine Mitglieder und wählt den Vorstand. Wir sind froh, von den Erfahrungen des MATHEON im Aufbauprozess der Administration profitieren zu können. Höchste Priorität besitzt eine transparente Mittelverteilung, damit die vernetzte Forschung und die Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses auf höchstem Niveau beschleunigt werden kann. Dazu gehört auch, dass die Graduiertenschule BIG-NSE im Frühjahr 2008 ihre erste Stipendienausschreibung starten wird: Wir wollen die besten Köpfe und Querdenker für uns gewinnen! Im April 2009 wird zudem der Masterstudiengang "Master of Science in Catalysis" beginnen, ein ideales Sprungbrett für begabte Studierende in den Natur- und Ingenieurswissenschaften, die im Umfeld von "UniCat"-Forschern promovieren möchten. Zur Vernetzung der Forschungsteams gehört auch ein Ausbau der Zusammenarbeit mit erstklassigen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen in der Katalyseforschung. So wird "UniCat" unter anderem mit dem Institut für Angewandte Katalyse in Rostock einen Norddeutschen Katalyseverbund gründen, der gemeinsam mit Industriepartnern zu einer Jobmaschine wachsen soll.

Am 6.12.2007 findet die erste Vollversammlung mit Aufnahme von Neumitgliedern statt. Dort wird auch die Mittelverteilung für drei Jahre festgelegt. Im Frühjahr 2008 erfolgen die Gremienwahlen des Clusters und der Graduiertenschule BIG-NSE, für die auch Stipendien ausgeschrieben werden. Am 30.5.2008 haben wir das Kick-off-Meeting im Audimax der TU Berlin. Im April 2009 startet der "Master of Science in Catalysis" und im Herbst 2010 werden die "UniCat"-Projekte intern evaluiert sowie das Forschungsprogramm aktualisiert.

Das Forschungscluster ist aufgeteilt in drei Forschungsbereiche, sogenannte "areas". Welche sind das, was wird dort bearbeitet und wer leitet diese?

Die Katalyse hat drei Erscheinungsformen: die homogene Katalyse, heterogene Katalyse und Biokatalyse. Diese zu vereinen - "Unifying Concepts" - gehört sicher zu den größten Herausforderungen in den molekularen Wissenschaften. In "UniCat" geht es darum, die unterschiedlichen Konzepte der Katalyse so aufeinander zu übertragen, auszubauen und nutzbar zu machen, dass dadurch ein viel effizienterer Stoff- und Energieumsatz entlang einer Wertstoffkette erzielt werden kann. Im Bereich A, geleitet von Prof. Joachim Sauer, HU Berlin,  werden durch "Verschmelzung" der Stärken aus homogener und heterogener Katalyse auf der einen und bioinspirierter homogener Katalyse auf der anderen Seite neue Synergien entwickelt: Beispielsweise kann eine molekular definierte katalytische Einheit, zum Beispiel ein Metallkomplex-Molekül,  in einer komplexeren Umgebungen eines Festkörpers oder eines Enzyms eine weit größere katalytische Aktivität und Selektivität entfalten. Eine "Traumreaktion" wäre, durch molekulares Engineering einen Katalysator zu entwickeln, der Methan, also Erdgas, und Kohlendioxid, beides lästige Treibhausgase, in Essigsäure umwandelt. Im Bereich B, den Prof. Peter Hildebrandt, TU Berlin, leitet, geht es um die Erforschung und Nutzbarmachung von faszinierend neuen Biokatalysatoren, den  Enzymen, die durch Redox-, Licht- und Spannungsprozesse stimuliert werden. Durch die Verwendung hybrider Enzymsysteme soll unter anderem in enger Zusammenarbeit mit Ingenieuren eine biologische Großproduktion von Wasserstoff als Energiespeicher für Brennstoffzellen entwickelt werden. Der Bereich C wird von Prof. Reinhard Schomäcker, TU Berlin, geleitet. Er beschäftigt sich mit dem technologisch notwendigem Rüstzeug, um aus den neuen Katalysatoren der Bereiche A und B prozesstaugliche Verfahren über den Labormaßstab hinaus zu entwickeln. Ein weiteres Markenzeichen ist die Entwicklung biotechnologischer Verfahren zur Herstellung und Modifizierung neuer Wirkstoffe wie Antibiotika durch Anwendung von Biokatalyse. Dies geschieht in enger Kooperation mit Industriepartnern.

"UniCat" wird viele zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wie viele Stellen sollen besetzt werden und wofür stehen diese inhaltlich?

Es werden vier neue W3-Professuren (Biokatalyse (TU), Functional Materials (TU), Biochemie-Strukturbiologie (HU), Angewandte Biochemie (TU) und Bioanalytik (TU), zwei Juniorprofessuren (TU) und acht Nachwuchsgruppen (5 TU, 2 HU, 1 FU) eingerichtet. Damit werden an der TU Berlin die Weichen für eine konsequent stärkere Fokussierung auf die Forschungsstärken dieser Universität gestellt und wichtige Zukunftsentscheidungen für Forschungsgebiete in der Fakultät II und III getroffen. Der überwiegende Teil der Personalmittel des Clusters ist für Doktorandenstellen, rund 120 BAT IIa-Stellen pro Jahr, und für 15 Stipendien pro Jahr vorgesehen. Die Stellen werden nach den an den beteiligten Einrichtungen üblichen Verfahren ausgeschrieben und besetzt. Die Geschäftsstelle des Clusters wird ein Team von maximal fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an der TU Berlin umfassen, inklusive dem Ressort "Öffentlichkeitsarbeit und Industriekontakte".

Wo soll der Cluster in drei Jahren stehen? Was ist das Ziel?

Zunächst zum Fernziel: "UniCat" soll zu einem der weltweit wichtigsten Forschungszentren im Bereich der Katalyseforschung werden, identitätsstiftend und lebendig. Wir sind zwar von einem Forscherparadies noch weit entfernt, aber es wäre uns zu wünschen, dass wir in den kommenden fünf Jahren den Grundstein für eine fröhliche Wissenschaft legen. Es wäre vermessen, zu glauben, dass ein einzelner Standort die Probleme einer effizienten Ressourcennutzung allein lösen könne. Wir wollen uns daher auch mit ausgewählten Partnern in Academia und Industrie außerhalb Berlins zusätzlich vernetzen. Mit dem Konzept einer Vereinheitlichung von homogener, heterogener und Biokatalyse wollen wir innovative Beiträge zur Lösung von Ressourcenfragen liefern. Konkrete, markante Ziele sind eine effizientere Umwandlung von Methan in Ethen, die biologische Wasserstoffproduktion und die Herstellung neuer Antibiotika gegen Resistenzen.

Die Redaktion "TU intern" und "TUB-newsportal" bedankt sich für dieses Gespräch.

Quelle: "TU intern", 10/2007

"TU intern" November 2007

  • Online-Inhaltsverzeichnis [2]
  • Hochschulzeitung "TU intern" - November 2007 [3]
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