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TU Berlin

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Forschung

33 Lerchen über deutschen Dächern

Donnerstag, 26. Juli 2007

Ende einer zehnjährigen Herkulesarbeit: Die "Tschechische Bibliothek" ist komplett

Hans Dieter Zimmermann mit den 33 Bänden der Tschechischen Bibliothek
TU-Pressestelle. Endlich komplett: Hans Dieter Zimmermann mit den "33 Lerchen" der Tschechischen Bibliothek
Lupe

"Das Flachland, aus dem man Berlin hervorgestampft hat, ist wirklich traurig. Nichts als sandiger Boden, so fad, dass er Fremde zu Tausenden von treffenden Witzen inspirierte. Ein schrecklicher Räuber und Brandleger soll einst zum Tod verurteilt worden sein. Auf dem Schafott kam es zur Begnadigung, die Strafe wurde ungewandelt, der Verbrecher solle nicht geköpft, sondern Postillion werden und täglich aus Sachsen nach Berlin fahren. Der Delinquent erschauderte - und legte den Kopf auf den Richtblock. - Für einen Berliner ist diese Landschaft allerdings wunderschön."

Nachzulesen sind diese Spitzen in dem jetzt erschienenen Band "Die Hunde von Konstantinopel", einer Sammlung von Reisebildern des tschechischen Schriftstellers Jan Neruda, der zwischen 1863 und 1875 Europa und den Orient bereiste. Er ist der letzte von 33 Bänden des außergewöhnlich ambitionierten literaturwissenschaftlichen und verlegerischen Vorhabens "Tschechische Bibliothek", erschienen in der Deutschen Verlagsanstalt München. "Damit ist die Bibliothek nun komplett", sagt Hans Dieter Zimmermann, Literaturprofessor an der TU Berlin und Leiter des Projekts.

Die "Tschechische Bibliothek" vereint den klassischen Bestand tschechischer Literatur- und Geistesgeschichte. Dazu gehören die Romane von Jaroslav Durych, Karel Polácek und Eva Kanturková, die Erzählungen von Jan Cep, die Lyrik von Karel Hynek Mácha, die Novellen von Ivan Olbracht, die Dramen von Vàclav Havel und Pavel Kohout und nicht zu vergessen das Werk Bohumil Hrabals, des "Königs der tschechischen Prosa". Aber auch Karel Capeks "Gespräche mit Masaryk", die Musikerbriefe Smetanas, Dvoráks und Janáceks, die Texte tschechischer Philosophen und die Essays der Prager kubistischen Avantgarde wurden editiert,  viele der ausgewählten Werke erscheinen erstmals auf Deutsch, wie Jaroslav Haseks "Urschwejk".

"Wer diese 33 Bände durchgegangen ist, bekommt eine Vorstellung vom Reichtum tschechischer Kultur", sagt Hans Dieter Zimmermann. Bei der Auswahl ließen er und seine Mitherausgeber, darunter namhafte Bohemisten wie Peter Demetz und Eckhard Thiele, sich nicht nur von ästhetischen Kriterien leiten. Sie wollten auch Neugier auf ein Mitgliedsland der EU wecken, das zumindest für den Westen Deutschlands bis auf die Zeit des Prager Frühlings 1968 durch den Eisernen Vorhang unsichtbar blieb.

Zehn Jahre Arbeit stecken in den 33 Bänden sowie rund 800 000 Euro Fördergeld der Robert Bosch Stiftung, die sich der Völkerverständigung durch Literaturförderung verpflichtet fühlt. Seit 1999 erschienen jährlich zwei Bände. Warum ausgerechnet 33? Zimmermann erklärt: "Ein tschechischer Zungenbrecher heißt: ,Dreihundertdreißig Lerchen fliegen übers Dach.' Wir lassen nun dreiunddreißig Lerchen über deutsche Dächer fliegen und hoffen, dass sie wahrgenommen werden."

Sybille Nitsche / Quelle: "TU intern", 7/2007

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