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TU Berlin

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Was machen Wissenschaftler*innen ohne Labor?

Über die Herausforderung, ein aktives Bio-Labor stillzulegen

leeres Labor
Aufgeräumt, eingefroren, in flüssigem Stickstoff gelagert oder hocherhitzt: Zellkulturen und andere Experimente sind versorgt, das Labor aufgeräumt - und wartet auf Wiedereröffnung?
Lupe [1]

Was in den Laboren als Erstes auffällt: Leere.

Da, wo sonst Kühlschränke summen, Reagenzgläser geschüttelt werden, das Rauschen der CleanBench oder das Klicken von Pipetten zu hören ist, herrscht jetzt vor allem eins: Stille. Ein Bio-Labor im Präsenznotbetrieb ist eine eher trostlose Angelegenheit.

Das findet auch Prof. Dr. Hajo Haase, Leiter des Fachgebiets Lebensmittelchemie und Toxikologie an der TU Berlin, der am Freitag, 20. März 2020, als Letzter seine Runden durch die Labore zog, um zu kontrollieren, ob alle Geräte korrekt heruntergefahren wurden, alle Proben vernichtet oder eingefroren wurden und alle Türen verschlossen sind. 

„Wenn man dieser Situation überhaupt etwas Gutes abgewinnen kann, dann nur, dass die Informationspolitik der TU Berlin so aufgebaut war, dass man bereits mehrere Tage zuvor wusste, was auf einen zukommt“, so der Wissenschaftler, der in den vergangenen Tagen zusammen mit seinem Team mit Hochdruck daran gearbeitet hat, seine Labore zu schließen. „Wir wussten seit mehreren Tagen, dass ein Notbetrieb ansteht“, lobt Hajo Haase die Kommunikation des Krisenstabs der TU Berlin. „Als die Information kam, dass die Mitarbeiter*innen ins Homeoffice sollten, da hatten wir bereits alle Handy-Nummern gesammelt und diskutiert, wer welchen Laptop mitnimmt oder welche Daten sichert. Daneben mussten wir festlegen, wer welche Experimente abbrechen muss, welche Experimente gar nicht mehr angefangen werden und welche unbedingt noch beendet werden mussten.“ Ein Labor in einem derartigen Krisenmodus erlebt der Wissenschaftler auch das erste Mal.

Präsenznotbetrieb mit Vorwarnung

„Wir arbeiten hier unter anderem mit sogenannten GVOs. Das sind gentechnisch veränderte Organismen, in erster Linie bestimmte Zellkulturen und Mikroorgansimen, für die es strenge Richtlinien gibt, wie diese zu entsorgen oder aufzubewahren sind.“ Zelllinien oder Organismen, die man nicht tiefgefroren aufbewahren kann, müssen autoklaviert werden. Das bedeutet, dass diese in einem großen Schnellkochtopf stark erhitzt werden. „Die Proben, die wir aufbewahren können, werden teilweise in flüssigem Stickstoff gelagert. Dieser muss regelmäßig nachgefüllt werden“, weiß der Chemiker. Um das zu gewährleisten, haben die Institute Listen mit sogenannten systemrelevanten Personen erstellt. Diese erhalten auch während des Präsenznotbetriebs die Möglichkeit, in regelmäßigen Abständen die Labore zu kontrollieren und zum Beispiel Stickstoff nachzufüllen. In einem Hightech-Labor sind nicht nur lebende Organismen betreuungsbedürftig. Verschiedene, in der Regel besonders kostspielige Geräte wie Massenspektrometer laufen mit einem sogenannten Hochvakuum und werden normalerweise nie abgeschaltet. Sie wurden jetzt kontrolliert heruntergefahren; manche Geräte müssen sogar weiterlaufen und der Betriebszustand regelmäßig überprüft werden. 

Betreuung der Mitarbeiter*innen ist die größte Herausforderung

Neben diesen hochspezialisierten Themen bringt der Lockdown aber auch eher triviale Probleme mit sich: „Das fängt beim Säubern des Sozialraumes an, geht über den Hinweis, alle Wertsachen aus den Büros zu entfernen, bis zu einer umfangreichen Datensicherung“, so Hajo Haase. 

Für ihn als Vorgesetzten geht es jetzt vor allem darum, seine Mitarbeiter*innen dabei zu unterstützen, die Zeit im Homeoffice sinnvoll zu gestalten. „Ich selber muss die Online-Lehre für das anstehende Semester konzipieren und könnte alle Veröffentlichungen lesen, zu denen ich ansonsten nicht komme, Anträge vorbereiten, Gutachten oder auch Übersichtsartikel schreiben. Besonders schwierig dagegen ist die Lage für die Doktorand*innen. Die haben nur befristete Verträge. Im besten Fall können sie jetzt ihre Arbeit zusammenschreiben oder eine umfassende Literaturrecherche durchführen, aber einige sind auch mitten in wichtigen Versuchsreihen und werden um Monate zurückgeworfen. Bei wieder anderen endet der Vertrag, ohne dass sie die Gelegenheit bekommen, ihre Arbeit abzuschließen. Dafür gilt es jetzt möglichst schnell unbürokratische Unterstützungsangebote zu konzipieren“, so Hajo Haase. Auf die Frage, inwieweit sein komplettes Fachgebiet durch diesen erzwungenen Präsenznotbetrieb zurückgeworfen wird, hat auch er keine Antwort: „Einen Monat können wir sicherlich überbrücken, was danach kommt, ist offen.“

Schnell und verantwortungsbewusst entscheiden

„Vorbereitet für den Präsenznotbetrieb waren wir nicht. Ich glaube auch nicht, dass man darauf vorbereitet sein kann“, sagt Dr. Lars Merkel, Leiter der Zentralverwaltung des Instituts für Chemie. Er war in die Organisation des Notbetriebes für das Institut mit eingebunden. „Vielleicht war es unsere Stärke, dass alle gefordert waren, schnell und verantwortungsbewusst für die eigene Arbeitsgruppe zu entscheiden. Eine große Herausforderung für die Gruppenleiter*innen sehe ich darin, auch den sozialen Zusammenhalt innerhalb der Fachgebiete zu erhalten. Da müssen wir uns für die kommenden Wochen neue Formate einfallen lassen.“

TU-Forschung zu Corona

Analyse, Medizin, Immunität: Bio-Labore forschen weiter

kj/pp Die Corona-Pandemie traf die Welt unvorbereitet. Nun ist es wichtig, Forschung zu Virus und möglichen Therapien schnell auszubauen und zu intensivieren. So erhielten drei Labore an der TU Berlin mit entsprechender Expertise eine Sondergenehmigung, um bestimmte Experimente durchzuführen, natürlich unter Einhaltung entsprechender Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter*innen. Das Labor für Medizinische Biotechnologie von Prof. Dr. Roland Lauster arbeitet gemeinsam mit dem Labor für Bioverfahrenstechnik von Prof. Dr. Peter Neubauer und der Charité – Universitätsmedizin Berlin an einem Test, um den Immunstatus der Bevölkerung zu ermitteln. Die Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass das Immunsystem vieler, wenn auch nicht aller Europäer eine gewisse Immunität gegen COVID-19 zeigt. Ihr Ziel ist ein Testsystem, das diesen Immunstatus ermittelt. Auch können die Bioverfahrenstechniker ihre Unterstützung bei der Produktion von Polymerasen in größerem Maßstab anbieten. Das sind Enzyme, die für die Corona-Tests notwendig sind. Die Wissenschaftler*innen sind bereits mit einer Berliner Firma in Kontakt und bereiten alles vor, falls die Hersteller selbst an ihre Grenzen stoßen.

Das Labor für Bioanalytik von Prof. Dr. Juri Rappsilber will die Struktur viraler Proteine aufklären. Sie versuchen zudem, Bindungspartner für die verschiedenen Proteine des Virus aufzufinden, die damit Grundlage für die Medikamentenherstellung sein könnten. Auch das Robert-Koch-Institut ist involviert.

www.biotech.tu-berlin.de [2] 

Katharina Jung, „TU intern“ April 2020
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