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TU Berlin

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Grenzenlose Möglichkeiten wahrnehmen

Studieren und forschen im Ausland - TU-Alumna Dr. Silvia Keppler berichtet von ihren internationalen Erfahrungen

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Internationale Erfahrungen sammeln, grenzenlose Möglichkeiten wahrnehmen – das ist das Credo von Lebensmitteltechnologin und TU-Alumna Dr. Silvia Keppler, die zurzeit als Postdoc an der University of California, Davis (USA) arbeitet. Die Studienzeit hat sie an der TU Berlin, in Österreich und den Niederlanden verbracht. In England und in Indien hat sie an der Promotion gearbeitet. Bereits als Schülerin war sie im Rahmen mehrerer Schüleraustausche in Japan, Estland und Frankreich und nach dem Abitur Au-pair in den USA. Auch in der Wirtschaft war sie bereits beruflich aktiv. Wir haben Sie nach den Unterschieden in den verschiedenen Bildungs- und Wissenschaftssystemen gefragt und waren neugierig, wie ihr beruflicher Weg wohl weitergeht. 

Könnten Sei einen kleinen Vergleich ziehen zwischen den Bildungs- und Wissenschaftssystemen von UK, den USA und Deutschland? Wo gibt es große Unterschiede? Was sind in dem jeweiligen Land die positiven Seiten? Was ist nicht so gut? 

Ich habe es sehr genossen in Deutschland zu studieren. Dabei spielten auch die Freiheiten, die ich noch während meines Diplomstudienganges hatte, eine große Rolle. Die Kompetenz meiner Professoren an der TU Berlin war außerordentlich und ich denke immer gerne daran zurück. Das in Kombination mit sehr geringen oder gar keinen Studiengebühren ist ein Segen, der vielen Menschen in Deutschland womöglich gar nicht bewusst ist. Die fachliche Kompetenz sowohl im Vereinigten Königreich als auch in den USA ist ebenfalls exzellent, aber das hat seinen Preis. In England kostet ein Studium pro Jahr z.B. 9 000 GBP (für internationale Studenten noch mehr), so dass man am Ende gut und gerne 40 000 GBP Schulden akkumuliert hat. Und das vor dem Hintergrund, dass jemand wie ich nach der Promotion mit einem jährlichen Einstiegsgehalt von 30 000 GBP brutto zu rechnen hat. In Amerika, kostet ein Studienjahr auch schon mal leicht $40 000, wobei den Gehältern nach dem Studium quasi keine Grenzen gesetzt sind.

Ich persönlich habe es in Deutschland so empfunden als ob das nicht sehr geschätzt würde und viele Angebote und Möglichkeiten mehr zu lernen nicht wahrgenommen werden. Studierende sind vorrangig daran interessiert, so viele Prüfungen wie möglich in kürzester Zeit zu absolvieren. Hier sehe ich eine andere Mentalität in den USA. Die Studierenden sind hochmotiviert und brennend daran interessiert etwas zu lernen und Dinge wirklich zu verstehen. Man hat ja schließlich einen Haufen Geld für diese Ausbildung bezahlt. Dadurch ergibt sich jedoch auch ein gewisses Anspruchsdenken. Es wird erwartet in allen Fächern die Note Eins oder Eins plus zu bekommen, weil man eben so viel bezahlt hat. Wenn das nicht klappt, ist der Unmut groß. Während es zu Zeiten meines Studiums an der TU Berlin Durchfallquoten von bis zu 80% gab (z.B. in Analysis I), fällt in den USA praktisch keiner durch eine Prüfung durch.

Ein großer Vorteil der Wissenschaftsarbeit in den USA ist, dass bereits Bachelorstudenten in die Forschung einbezogen werden. Sie können kleinere Projekte bearbeiten, Laborluft schnuppern, und an der Veröffentlichung von Publikationen mitarbeiten. Da sind sie Studierenden in Deutschland einen großen Schritt voraus. Während den ersten Jahren meines Studiums in Deutschland wusste ich noch gar nicht was eine Publikation ist und wie man sie veröffentlicht. Ich habe erst während meiner Promotion zu publizieren begonnen, wohingegen amerikanische Studenten damit gute 3-4 Jahre vorher anfangen. Studien zu publizieren kann sehr wichtig sein, vor allem, wenn man einen akademischen Karriereweg einschlagen möchte.

Ein weiterer Vorteil des Wissenschaftssystems der USA ist, dass man jederzeit Professor werden kann und dass es unterschiedliche Stufen von Professuren gibt. In Deutschland ist das Zeitfenster in dem man Professor werden kann sehr eng. Außerdem sind W-3 Stellen sehr limitiert und ich habe einige Kollegen in Deutschland, die Probleme mit befristeten Arbeitsverträgen in der akademischen Forschung haben.
Sehr gut gefällt mir im Vereinigten Königreich und auch in den USA die Abschlussfeiern (graduation); dass der Aufwand und der Erfolg der Studenten von allen entsprechend gefeiert wird. In Deutschland hat mir das gefehlt. Da habe ich mir eines Tages mein Diplom einfach vom Prüfungsamt abgeholt und das war es dann. Ich kann natürlich auch verstehen, dass bei kostenlosenlosem Studieren dafür kein Geld da ist, aber trotzdem, dafür könnte eine Lösung gefunden werden.

Sie engagieren sich auch als Mentorin. Welche Erfahrung machen Sie hier? Wie sieht hier Ihre Unterstützung aus?
In jedem Fachgebiet ist es unglaublich wichtig, die nächste Generation auszubilden, Wissen weiterzugeben, Möglichkeiten aufzuzeigen, um den Fortschritt voranzutreiben. Ich versuche meinen Studenten und Studentinnen ein Vorbild zu sein und unterstütze sie fachlich zum Beispiel bei der Projektplanung, experimentellen Aufgaben, Datenanalyse und bei Publikationen. Außerdem helfe ich bei der Karriereplanung und auch bei allen anderen Hürden oder Problemen. Der Druck auf unsere Studierenden ist enorm, insbesondere, wenn sie aus dem Ausland kommen. Da ist auch die mentale Unterstützung sehr wichtig.
Mentorship ist für alle Beteiligten von Vorteil. Mentoren lernen die Probleme von Mentees zu verstehen und helfen kreative Lösungen zu finden. Mentees profitieren von der Erfahrung der Mentoren und erreichen die Ziele die sie sich vorgenommen haben. Ein Riesenvorteil für alle ist, dass man sich vernetzt. Ein weitverzweigtes, interdisziplinäres und internationales Netzwerk ist in vielerlei Hinsicht sehr hilfreich.

Sie haben auch in Unternehmen gearbeitet und geforscht. Welche Erfahrungen haben Sie dabei sammeln können? Und sehen Sie sich zukünftig weiterhin in der akademischen Forschung oder können Sie sich vorstellen auch in die Wirtschaft zu wechseln?
Akademische Forschung und Forschung in der Wirtschaft sind grundlegend verschieden. In der Wirtschaft ist es wichtig, akzeptable Lösungen zu finden und zwar so schnell wie möglich. Dabei müssen diese Lösungen nicht unbedingt 100%-ig sein. Außerdem liegt eine Hauptmotivation darin, Geld zu verdienen. An der Universität kann auch gerne mal fünf Jahre lang geforscht werden um von einer 95%-igen Lösung zu einer 98%-igen Lösung zu kommen. Sowohl der finanzielle Aspekt als auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse sind von Bedeutung. Entsprechend sind die Forschungsansätze, -methoden und die Alltagstätigkeiten in den verschiedenen Einrichtungen unterschiedlich.
Ich weiß, mein Lebenslauf schaut nach akademischer Forschung aus, aber ich wollte schon immer in die Wirtschaft. Meine Zukunft sehe ich in der Wirtschaft. Ganz nah dran zu sein am Markt und die direkten Auswirkungen meiner Arbeit zu sehen - das reizt mich. Außerdem reizt mich die Dynamik in der Wirtschaft, das schnelle Tempo, z.B. in der Umsetzung von Projekten.

Hier schließt sich die letzte Frage direkt an: was sind Ihre Pläne? Welches könnte die nächste berufliche Station sein?
Ich habe meine Zeit im Ausland in vollen Zügen genossen, aber jetzt zieht es mich wieder nach Deutschland, wo auch meine Familie ist und wo ich mir nicht jedes Jahr die Frage stellen muss „wie geht es jetzt weiter?“. Nach zehn Jahren im Ausland möchte ich zurückkehren, meine Erfahrungen teilen, mein Wissen einbringen und die Zukunft mitgestalten. 

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