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Wer half Max Garbuny?

Freitag, 12. Oktober 2012

Oder „Auf der Suche nach der Geschichte“ – Bitte um Mithilfe

Max Garbuny (im Bild markiert) wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft seine Promotionsurkunde verweigert. Für das Forschungsprojekt „Verfolgung und Zwangsarbeit an der TH Berlin während des Nationalsozialismus“ sucht das Zentrum für Antisemitismusforsch
Lupe

Ein Foto aus dem Jahre 1937: Angehörige des physikalischen Instituts der Technischen Hochschule Berlin während einer Exkursion. Zu sehen sind fröhliche, aber auch nachdenkliche Gesichter. Eines davon gehört Max Garbuny.

Der am 22. November 1912 in Königsberg geborene Garbuny war staatenloser Jude. Im April 1936 hatte er sein Studium der Physik an der TH Berlin beendet und im Anschluss daran eine Doktorarbeit mit dem Titel „Über das Kernmoment des Berylliums Be9“ begonnen. Dies war für ihn keine Selbstverständlichkeit, denn ab 1933 wurden jüdische Studierende und Angehörige des Lehrkörpers nach und nach aus dem Wissenschaftsbetrieb gedrängt. Nur wenige konnten aufgrund von Ausnahmebestimmungen vorerst bleiben, so auch Max Garbuny, den wegen seiner Staatenlosigkeit das seit April 1937 bestehende Promotionsverbot für Juden mit deutscher Staatsbürgerschaft nicht betraf. Doch bald schon drohten Bestimmungen, die ihm den Abschluss unmöglich machen konnten. Um das zu verhindern, setzten sich die Professoren Hans Geiger, seit 1936 Direktor des Physikalischen Instituts der TH Berlin, und Wilhelm Westphal dafür ein, dass Garbuny die Prüfungen beschleunigt ablegen konnte. Am 20. Juni 1938 bestand er die mündliche Doktorprüfung mit dem Prädikat „sehr gut“. Doch trotz des guten Ergebnisses verhinderte der Reichserziehungsminister die Aushändigung des Doktordiploms, denn seit April 1938 bedurfte die Promotion von Ausländern – Staatenlose wurden ähnlich behandelt – der Genehmigung des Reichserziehungsministeriums. Ohne sein Diplom verließ Garbuny noch im selben Jahr Deutschland und ging nach Amerika, wo er anfangs in einer kleinen Firma in Milwaukee, dann als Dozent für Physik an der Princeton University tätig war. Nach dem Krieg unternahm Garbuny einen Versuch, um vielleicht doch noch sein Doktordiplom in Händen halten zu können. Er wandte sich Anfang 1946 an das Office of Military Government for Germany, das sich wiederum mit der TH Berlin in Verbindung setzte. Zwar waren fast alle Promotionsunterlagen der Hochschule in den Kriegswirren verloren gegangen, doch konnte Garbunys ehemaliger Professor Westphal zur Rekonstruktion des Vorganges beitragen. Mit Datum vom 22. November 1946 erhielt Garbuny das Doktordiplom von der im April 1946 neu gegründeten Technischen Universität Berlin-Charlottenburg, mit dem schriftlichen Zusatz, dass ihm die TH Berlin bereits am 20. Juni 1938 den Titel des Doktor-Ingenieurs verliehen hatte.

Garbuny blieb in Amerika und arbeitete in der Forschungsabteilung der Westinghouse Electrical Corporation in Pittsburgh. Oft berichtete er der Familie von seiner Zeit in Berlin, vor allem auch von der Technischen Hochschule. Dort habe es nicht nur Nationalsozialisten gegeben, sondern auch einige wenige couragierte Menschen, die ihn, den Juden, unterstützt und geschützt hätten: Neben den Professoren Geiger und Westphal auch Kommilitonen, unter ihnen sogar drei Angehörige der NSDAP. Besonders gern erzählte er, dass der Betreuer seiner Doktorarbeit für ihn nach Abgabe derselben eine Feier organisiert hatte, obwohl dies nicht ungefährlich war.

Für das Forschungsprojekt „Verfolgung und Zwangsarbeit an der TH Berlin während des Nationalsozialismus“ am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin sind wir nun auf der Suche nach der Geschichte um Max Garbuny und seine Unterstützer. Auch Carole Garbuny Vogel, die Tochter von Max, der wir das Foto und einige wichtige Details verdanken, möchte gern mehr über die Umstände erfahren, in denen ihr Vater lebte. Melden Sie sich, sollten Sie auf dem Foto jemanden erkennen oder etwas über diese Geschehnisse berichten können. Vielleicht kann dann eines Tages die ganze Geschichte, die hinter diesem Foto und seinen Personen steht, erzählt werden. Sollten Sie in diesem speziellen Fall nicht weiterhelfen können, jedoch eine ähnliche Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus an der TH Berlin zu berichten haben, melden Sie sich bitte ebenfalls.

Kontakt: Dr. Carina Baganz
Zentrum für Antisemitismusforschung
Technische Universität Berlin
Ernst-Reuter-Platz 7, 10587 Berlin
Tel.: 314-7 98 74

Dr. Carina Baganz / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2012

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