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TU Berlin

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Alumni

Der Lobbyist des Untergrunds

Freitag, 14. Oktober 2011

Dietmar Arnold ist Vorsitzender im Vorstand des "Berliner Unterwelten e. V."

Dieter Arnold kämpft für Denkmäler des Berliner Untergrunds
Lupe

Wenn Dietmar Arnold sein Studium der Stadt- und Regionalplanung schon etwas früher beendet hätte, wäre es eventuell um die Berliner Unterwelt heute nicht ganz so gut bestellt. Er ist der Vorsitzende des "Berliner Unterwelten e. V. - der Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten" - und kennt sich bestens im Berliner Untergrund aus.

Unterirdisch ging es jedoch Anfang der Neunzigerjahre am Potsdamer Platz weniger zu. Damals studierte er noch an der TU Berlin und hatte gemeinsam mit einem Kommilitonen ein eigenes Planungsbüro gegründet, mit dem sie sich anfangs erfolgreich an den Planungen für den Potsdamer Platz beteiligten. "Wir sind hoch gehandelt worden und waren die Ersten, die einen konkreten städtebaulichen Entwurf vorlegen konnten. Wir hatten gute Aussichten, am Planungsauftrag für den Platz beteiligt zu werden", sagt Arnold. Als sich jedoch herausstellte, dass die beiden jungen Planer noch Studenten waren, platzte der Traum vom Großauftrag. Zwar bestand das Büro noch bis ins Jahr 2005, aber den Schwerpunkt seiner Aktivitäten verlegte Dietmar Arnold bereits seit 1991 auf das, was unter uns ist, und erstellte verschiedene Gutachten zu unterirdischen Bauwerken im Auftrag der Senatsbauverwaltung. "Mir wurde dabei immer deutlicher, dass der Untergrund eine Lobby benötigt. Immer mehr Gänge, Tunnel, Keller oder Bunker wurden bei den Baumaßnahmen nach dem Fall der Mauer vernichtet", sagt er. Nur eines von vielen Beispielen sei die Sanierung der ehemaligen Schultheiß-Brauerei zur heutigen "KulturBrauerei". In den Gewölben standen rund 150 alte Lagertanks, die ohne Ausnahme alle demontiert und zerstört worden seien. Die "Untergrund-Lobby" entstand gemeinsam mit weiteren Unterstützern im Jahr 1997 durch die Gründung des "Berliner Unterwelten e. V.". Über die Jahre ist der Verein auf mehr als 400 Mitglieder angewachsen. In den vergangenen 14 Jahren wurde gegraben, bewahrt, informiert und geforscht. Das Arbeitsspektrum ist enorm. Der Verein betreibt nicht nur das Unterweltenmuseum im U-Bahnhof Gesundbrunnen und ein Dokumentartheater. Es werden ebenfalls Ausstellungen, Führungen und Bildungsseminare angeboten. Auch Bunker werden direkt vom Verein betreut; sei es ein alter Operationsbunker, der "Flakturm Humboldthain" oder der "Gasometer-Bunker" Fichtestraße. "Wir arbeiten ohne jede finanzielle Unterstützung. Letztes Jahr hatten wir jedoch rund 210 000 Besucher bei unseren Führungen, die wir mittlerweile in sieben verschiedenen Sprachen anbieten", berichtet Arnold, der zusätzlich noch Autor zahlreicher Bücher ist. Unter dem Boden Berlins kennt er so ziemlich alles, aber es gibt noch Unerforschtes. Beispielsweise die Reste der Wehrtechnischen Fakultät unter dem Teufelsberg, einer von den Nazis geplanten Hochschulstadt, die ab 1950 mit zwölf Millionen Kubikmeter Trümmerschutt zugedeckt wurden. "Das Gelände reizt mich, aber ich weiß noch nicht, wie wir uns durch diesen riesigen Schutthaufen durcharbeiten können", sagt Dietmar Arnold.

Bettina Klotz / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2011

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