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TU Berlin

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Alumni

"Integration ist auch Wollen"

Donnerstag, 14. Juli 2011

TU-Alumna Bilkay Öney will als Ministerin in Baden-Württemberg die Wogen in der Migrationsdiskussion glätten

Bilkay Öney ist seit Mai 2011 Ministerin für Integration im grün-roten Kabinett in Baden-Württemberg. Bis dahin war die SPD-Politikerin Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. 1970 in der Türkei geboren, kam sie im Alter von drei Jahren nach Berlin. An der TU Berlin studierte sie Betriebswirtschaftslehre und Medienberatung und war unter anderem als Bankangestellte und Redakteurin tätig. 1994 trat sie den Grünen bei und zog 2006 ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. 2009 wechselte sie zur SPD.

Wo sehen Sie beim Thema "Integration" Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Berlin und Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg sind die Integrationsbedingungen besser, weil es weniger Arbeitslosigkeit gibt als in Berlin, und weil Integration sich immer auch am Arbeitsplatz vollzieht. Das Zahlenverhältnis ist allerdings immer dasselbe: Auch hier sind Migranten doppelt so häufig von Arbeitslosigkeit betroffen (Deutsche 4,9 Prozent, Migranten 12,7 Prozent), und die Zahl der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund ist mit 13 Prozent hier fast drei Mal so hoch. In beiden Ländern gibt es leider große Bildungs- und Sprachdefizite bei Kindern aus Migrantenfamilien. Auch der Fachkräftemangel macht sich in Baden-Württemberg stärker bemerkbar als in Berlin. 100 000 Fachkräfte fehlen hier. Allein aus wirtschaftspolitischen und strategischen Überlegungen müssen wir die Integration sehr viel ernster nehmen als bisher.

Was möchten Sie in der Integrationspolitik grundsätzlich ändern?

Die emotional geführten Integrationsdebatten erhärten die Fronten. Wir haben auf der einen Seite die "Gutmenschen" und Fürsprecher der Migranten, auf der anderen Seite die "Integrationsapokalyptiker", die die Integration als insgesamt gescheitert ansehen. Beide Seiten wollen möglicherweise dasselbe, kommen aber nicht auf einen Nenner. Ich strebe eine Versachlichung der Diskussion an und will auch die Fronten etwas glätten. Allen muss klar sein, dass Integration ein Erfordernis ist, weil jeder sich integrieren muss, nämlich in die Gesellschaft. Integration ist immer auch eine Frage von Wollen, Können und Dürfen - für beide Seiten. Die Menschen müssen Integration wollen. Sie müssen sich integrieren können, dazu müssen sie das entsprechende Potenzial und Know-how, insbesondere eine gute Bildung und Ausbildung, haben. Und sie müssen sich integrieren dürfen, ohne dass ihnen Steine in den Weg gelegt werden. Dafür muss Politik den passenden Rahmen vorgeben.

Können Sie Gründe nennen, warum Ihre eigene Integration geglückt ist?

Ich komme aus einem linken, sozialdemokratischen, bildungsorientierten Lehrerhaus. In der Schule wurde ich von meinen "Alt-68er-Lehrern" gefördert und in der Uni hatte ich auch immer sehr nette Assistenten und Tutoren. Ich habe als Kind schon viel gelesen und wollte immer dazu gehören und etwas im Leben erreichen. Ich sage ja, dass Integration immer auch eine Sache des Wollens ist. Möglicherweise hatte ich es aufgrund meiner familiären Situation leichter als andere und möglicherweise hatte ich auch etwas mehr Glück, das braucht man ja auch im Leben.

Die Fragen stellte Bettina Klotz / Quelle: "TU intern", 7/2011

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