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Alumni

Ein Vollbad in Erinnerungen

Montag, 18. Oktober 2010

65 Jahre nach seinem Studienabschluss besuchte Peter Handel die TU Berlin

Peter Handel an dem Ort, an dem er vor mehr als einem halben Jahrhundert sein Studium beendete
Lupe [1]

Am Abend des 22. November 1943 war Peter Handel am Anhalter Bahnhof in Berlin mit Freunden verabredet. Das hat ihm das Leben gerettet. Als er nachts in sein Studentenzimmer zurückkehren wollte, das sich in der Flensburger Straße im Hansaviertel befunden hatte, gab es sein Haus nicht mehr. Ein Bombenangriff hatte das gesamte Hansaviertel zerstört, alle Bewohner seines Hauses waren bei dem Angriff ums Leben gekommen. Auch das Hauptgebäude der Technischen Hochschule Berlin (TH) wurde in dieser Nacht zerstört, und so hatte Peter Handel innerhalb einer Nacht nicht nur seine Unterkunft verloren, sondern auch seinen Studienort.

1946: was vom Hauptgebäude übrig war
Lupe [2]

"Man kann es sich heute nicht mehr vorstellen, wie es damals hier aussah", sagt Peter Handel, der im Jahr 1945 dennoch sein Diplom im Fach Bauingenieurwesen an der TH zu Berlin abschloss. Im September 2010, 65 Jahre nach seinem Diplomabschluss, besuchte der neunzigjährige TU-Alumnus gemeinsam mit seinen Kindern und Enkelkindern die TU Berlin. Bei einem fast zweistündigen Rundgang durch das TU-Hauptgebäude erzählte er von seinem Studium und seinem Leben zu Kriegszeiten in Berlin. 1920 in Hermannstadt, Siebenbürgen in Rumänien, geboren, erhielt er nach dem Abitur die Erlaubnis, an der TH Berlin Bauingenieurwesen zu studieren.

Als rumänischer Staatsbürger musste er nicht an die Front. Sein Studium zog er zügig durch und schloss bereits im April 1942 seine Diplom-Vorprüfung ab. "Wir alle waren sehr fleißig und haben unser Studium vorangetrieben", erinnert er sich. "Ab und zu gingen wir natürlich auch aus. So kann ich mich noch gut daran erinnern, dass unser Statik-Professor Ferdinand Schleicher seine Studenten einmal im Monat ins Kempinski einlud." Nach der Bombennacht im November 1943 war es mit alldem jedoch vorbei. "Ich hatte nur noch die Dinge, die ich am Leibe trug, auch meine Studienunterlagen waren zerstört und die Hochschule zunächst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Um mich persönlich neu auszustatten, bin ich im Dezember 1943 nach Siebenbürgen gefahren und wollte eigentlich so schnell wie möglich wieder zurück nach Berlin, um das Studium zu beenden", erzählt Peter Handel. "Womit ich nicht gerechnet hatte, war die kriegsbedingte Schwierigkeit, Rumänien wieder zu verlassen, was erst mit Sondergenehmigung sieben Monate später möglich war." Im August 1944 konnte er sein Studium an der TH Berlin wieder aufnehmen, nachdem er mit viel Aufwand alle notwendigen Bescheinigungen zu seinem bisherigen Studienverlauf erhalten hatte. "Glücklicherweise fehlten mir nicht mehr viele Scheine bis zur Diplomprüfung, und so konnte ich im Dezember 1944 meine Diplomarbeit abgeben, und im Februar 1945 erhielt ich mein Diplomzeugnis." Noch im selben Monat verließ er Berlin in Richtung Bayern.

Seine Existenz baute sich Peter Handel nach dem Krieg in Weilheim auf. Er gründete bereits 1945 ein Ingenieurbüro. Schwerpunkte seiner Arbeit lagen im Massiv- und Holzbau. So führte er unter anderem die Tragwerksplanungen bei den Renovierungen der weltbekannten Wieskirche in Oberbayern durch. "Das Büro war von der Gründung über Jahrzehnte das größte Fachbüro zwischen München und der Landesgrenze", erzählt Peter Handel. 1991 übernahm sein Sohn das Büro. Mit seinen Kindern und Enkelkindern unternimmt er regelmäßig Reisen in deutsche Städte. Sein aktueller Besuch an der TU Berlin sei für ihn "ein Vollbad in Erinnerungen" gewesen, und für diejenigen, die ihn an diesem Vormittag dabei begleitet haben, war es eine anregende Reise in die Geschichte der Universität.

Bettina Klotz / Quelle: "TU intern", 10/2010

"TU intern" Oktober 2010

  • Online-Inhaltsverzeichnis [3]
  • Hochschulzeitung "TU intern" - Oktober 2010 [4]
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