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TU Berlin

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Alumni

Krakau mit Händen und Füßen

Montag, 12. Juli 2010

TU-Alumna Andra Joeckle erhält deutsch-polnischen Journalistenpreis für literarisches Radiofeature der besonderen Art

Detailansicht des Königsschlosses Wawel in Krakau
Lupe

Krakau – eine vor neugierigen Füßen liegende "Stadt der sprechenden Steine" mit „tausend handgefühlten Mauern“. So erleben wir die kultur- und historienreiche polnische Stadt, wenn wir der TU-Alumna Andra Joeckle sowie den vielen Originaltönen, die sie dort vorfand, zuhören und uns ihre akustischen Bilder zu Ohren führen. Andra Joeckle, die 1996 an der TU Berlin bei Professor Reinhard Baumgart im früheren Fachbereich Kommunikations- und Geschichtswissenschaften über Uwe Johnson promovierte, lebt heute als freie Schriftstellerin, (Funk-)Autorin und literarische Übersetzerin in Berlin.

Am 8. Juni erhielt sie nun den deutsch-polnischen Journalistenpreis für ihr künstlerisches Radiofeature "Krakau mit Händen und Füßen", das im August 2009 von Deutschlandradio Kultur urgesendet wurde. Ein dreimonatiges Residenzstipendium in der Villa Decius in Krakau bot Joeckle die Möglichkeit, ein "capricciöses Reise-feature" entstehen zu lassen, das einen ganz anderen, originellen Blick auf Krakau wirft: Ausgestattet mit den sprachlich verqueren Einfällen des polnischen Dichters Witold Gombrowicz, räsoniert sie über den polnischen Handkuss, geht Klängen aus Kellergeschossen nach oder lässt sich von einer Mauer zum „Gesäßigsein“ einladen – alles mit Hand und Fuß. Dass Joeckles Feature, das auch gerade über seine lyrischen Wortbilder Authentizität vermittelt, von den Laudatoren als "schräg" und "charmant" bezeichnet wird, stört sie nicht, solange der existenzielle Ernst, der nach ihrer Aussage ihr Schreiben grundiert, wahrgenommen wird.

Schon vor seiner besonderen Auszeichnung verhalf das Krakau-Feature Joeckle dazu, neue literarische Wege zu beschreiten: Als Kostprobe ihrer Arbeit reichte sie es 2009 mit ihrer Bewerbung als Stadtschreiberin für Hermannstadt/Sibiu ein, ein fünfmonatiges Stipendium im Herzen des rumänischen Siebenbürgen – und hatte Erfolg. Und so wird es auch nicht mehr lange dauern, bis uns Joeckles neues Feature zu Ohren kommt. Für all jene aber, die zunächst "Krakau mit Händen und Füßen" entdecken möchten: Am 9. Oktober 2010 um 18.05 Uhr wird das prämierte Feature von Deutschlandradio Kultur erneut gesendet.

Mona Niebur / Quelle: "TU intern", 7/2010

Schweben über der Wirklichkeit

Frau Joeckle, zu welchen Städten haben Sie literarisch gearbeitet? Was reizte Sie?

Andra Joeckle
Lupe

Zu meinen Studienorten München, Paris, Berlin, dann Rom, Madrid, Sitges, Grenoble, Lille, Krakau und zuletzt Hermannstadt. Draußen sein, über die Erdkugel laufen, in der sogenannten Wirklichkeit sein, vor Ort, ausgesetzt, herausgefordert, wo auch immer, vor allem der Welthaltigkeit in meinen Texten zuliebe.

Welche Stationen prägten Sie besonders?

Geprägt haben mich weniger geografische als innere Orte: die inneren Wüsten und das Paradies in mir; die Erfahrungen von Extremen, sei es Enttäuschung, sei es Überschwang, aus denen heraus ich schreibe.

Sie lasen Witold Gombrowicz, polnisches Enfant terrible der Literatur. Was ergab sich daraus für ein Blick auf Stadt, Land, Leute?

Gombrowicz lesen, einen Mann mit Biss und Charme, ein Antigeist. Mir täglich Gombrowicz injizieren, mir sein Denken infiltrieren, neue Sicht- und Seinsweisen erschließen. Ein Gombrowiczarium anlegen mit unbraven Gedanken wie "barfuß denken", "gesäßig" sein oder "verpopoen". Diesen Neuprägungen aktuellen Sinn und Atem einhauchen. Nicht von Konventionen, Gewohnheiten, Tourismusprogrammen gelebt werden. Selber leben.

Schweben Sie einen lyrischen Zentimeter über der Wirklichkeit?

Ja, aber nur einen Zentimeter, ich schreibe nicht "abgespaced", bin – als kleine Person – jeweils immer auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber.

Vielen Dank!

Die Fragen stellte Mona Niebur

Das gesamte Interview finden Sie im Alumni-Portal:

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