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TU Berlin

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Alumni

Kalkknollen aus rötlichem Ton

Montag, 14. Juni 2010

Gerda Schirrmeister begutachtete die Natursteine des Neuen Museums

Gerda Schirrmeister diskutiert mit Architekt Thomas Benk über die richtige Wahl der Steine
Lupe

Dunkelrot und knollig – was eher wie eine Beschreibung aus dem Pilzbuch klingt, charakterisiert den "oberdevonischen Kalkstein". Und der wiederum ist neben rund 50 weiteren Natursteinen im Neuen Museum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte verbaut. Wenn Dr. Gerda Schirrmeister beginnt, von Steinen zu erzählen, ist man schnell gefesselt von ihrer Leidenschaft für Kalk, Quarz und Sandstein, die den Stein förmlich zum Leben erweckt. Es dürfte nicht übertrieben sein, wenn man sagt, dass sie wohl jeden Stein in dem mit großem Aufwand restaurierten und im vergangenen Jahr wiedereröffneten Museumsgebäude kennt.

Gerda Schirrmeister war durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit der "Identifizierung ausgewählter Natursteine" im Rahmen der Renovierung des Neuen Museums beauftragt. Sie ist Geologin und arbeitet seit 2005 unter anderem als freie Gutachterin für Naturwerksteine. Aber nicht nur identifizieren sollte Gerda Schirrmeister die Steine, sondern auch Vorschläge für die Beschaffung von Ersatz machen. Wie zum Beispiel bei den Säulen im "Modernen Saal" des Museums, die aus dem bereits erwähnten oberdevonischen Kalkstein bestehen. "Nach längerem Suchen konnte ich einige dieser Gesteinsblöcke in Frankreich ausfindig machen", erzählt Schirrmeister. "Allerdings reichten die Blöcke nicht ganz aus und so musste ich gleichwertigen Ersatz besorgen, den fand ich wiederum in Thüringen." Über ihre jahrelange Tätigkeit als Geologin hat sie sich ein eigenes, internationales "Stein-Netzwerk" aufgebaut, auf das sie in solchen Fällen zurückgreifen kann. "Über Messen, Seminare, Tagungen und Weiterbildungen kenne ich zahlreiche Natursteinhändler, aber auch Wissenschaftler, die ich kontaktieren kann und die mir bei der Beschaffung behilflich sind."

Nach dem Geologie-Studium und der Promotion an der Universität Greifswald arbeitete sie zwischen 1992 und 2003 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im heutigen Institut für Angewandte Geowissenschaften an der TU Berlin. "Hier habe ich viel wissenschaftliches Rüstzeug vermittelt bekommen, das mir bei meiner Arbeit hilft", sagt die Geologin. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte sie mehr oder weniger notgedrungen, da eine dauerhafte, feste Stelle an der Universität für sie nicht in Sicht war. "Ich bin sowieso nicht der Typ, der den ganzen Tag im Büro sitzen kann, ich muss mich bewegen und will auch unabhängig arbeiten. So kam ich zur Selbstständigkeit."

Neben den gutachterlichen Tätigkeiten hat sie ein weiteres Standbein: Sie bietet Stadtführungen zu Naturwerksteinen an und eröffnet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihrer Führungen einen neuen und spannenden Einblick in die Berliner Baugeschichte aus Sicht der Steine. Darüber hinaus führt sie offizielle Gäste des Regierenden Bürgermeisters durch das Rote Rathaus. Übrigens: Dunkelrot und knollig ist der oberdevonische Kalkstein, da sich in ihm Kalkknollen aus rötlichem Ton befinden.

Bettina Klotz / Quelle: "TU intern", 6/2010

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