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TU Berlin

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Alumni

Quelle der Inspiration für den ganzen Kontinent

Montag, 12. Oktober 2009

Francis Kéré arbeitet mit Christoph Schlingensief an einem Festspielhaus in Afrika

Francis Kéré mit Skizzen für das Festspielhaus. Wie ein Schneckenhaus aufgebaut, soll es zur Inspirationsquelle für den ganzen Kontinent werden
Lupe

Im Januar 2010 sollen in dem Festspielhaus, das der Regisseur Christoph Schlingensief in Afrika bauen möchte, die Proben beginnen. Viele Monate reiste er durch die verschiedensten Länder des Kontinents, um den idealen Platz für dieses Projekt zu finden. Die Idee: Nicht eine Oper im klassischen Sinne soll hier entstehen, sondern eine physische Erscheinung für interdisziplinäre und interkulturelle Ereignisse. Nicht ein Transfer für Afrika, sondern umgekehrt: Hier soll etwas geschaffen werden, das dann in die Welt herausgetragen werden soll.

Nach langer Suche hat Christoph Schlingensief nun vielleicht das richtige Land gefunden. Wenn alles gut geht, könnte das Haus voraussichtlich in der Hauptstadt Burkina Fasos, in Ouagadougou, errichtet werden. Und er hat einen Mann an seiner Seite, der ihm seine Ideen in die Form eines Gebäudes umsetzen kann. Es ist der Architekt Francis Kéré, der aus Burkina Faso stammt, an der TU Berlin Architektur studiert hat, hier als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist und in Berlin ein eigenes Architekturbüro leitet. Die beiden Männer kamen über die Vermittlung eines Dritten zueinander. "Als ich vor einem Jahr auf Einladung des Goethe-Instituts in Johannesburg war, gab mir der dortige Leiter Peter Andres den Tipp, mich mit Christoph Schlingensief in Verbindung zu setzen, der auf der Suche nach einem Ort für sein Festspielhaus in Afrika unterwegs war", sagt Kéré. "Als ich wieder nach Berlin kam, habe ich mich zunächst gar nicht darum gekümmert. Ich konnte mit dem Hinweis nicht so viel anfangen und hatte viele andere Dinge zu tun. Als ich Peter Andres einige Monate später wieder traf, drängte er mich so sehr, dass ich am nächsten Tag bei Christoph anrief." Schon beim ersten Treffen hatte Schlingensief Kéré von seiner Idee überzeugt. Und Kéré zeigte auf einer gemeinsamen Reise dem Regisseur seine Heimat und das, was er dort vor einigen Jahren auf die Beine gestellt hat. Noch als Architekturstudent baute Francis Kéré in seinem Heimatdorf Gando mit kleinem Budget eine Schule. Für das Projekt "Schulbausteine für Gando" wurde er 2004 mit dem Aga Khan Award, einem großen Architekturpreis, ausgezeichnet. Diese Ehrung machte ihn und sein Projekt bekannt. Nachdem er jahrelang erfolglos bei verschiedenen Stellen um Geld für die Schule geworben hatte, fanden sich plötzlich zahlreiche Förderer. Er ist ein gefragter Experte für Bauprojekte in Afrika, und heute werden rund 500 Kinder in "seiner" Schule unterrichtet. Auch Schlingensief war von Gando beeindruckt und erkannte, dass er in Kéré den richtigen Partner gefunden hat, der mit ihm das Festspielhaus bauen kann. "Es soll wie ein Schneckenhaus aufgebaut sein", erklärt der Architekt. Im Mittelpunkt stehen die Bühne und ein Zuschauerraum und spiralförmig wie ein Schneckenhaus winden sich darum die weiteren Elemente, die für Schlingensiefs Ideen wichtig sind: technische Räume, Tonstudios, Schlafunterkünfte für die Künstler, später vielleicht eine Schule und vieles mehr. "Das Schneckenhaus baut sich modulhaft auf und soll zur Inspirationsquelle für den ganzen Kontinent werden", erklärt Francis Kéré. Platziert wird es an der Schnittstelle zwischen afrikanischem Land und der Stadt im Hintergrund. Die Großstadt mit Flughafen und Infrastruktur auf der einen und die unmittelbare Nähe zur afrikanischen Landschaft auf der anderen Seite sollen an diesem Ort zusammenkommen. Der Zuschauer schaut auf Afrika und hat im Rücken die Geräusche und das Leben der Stadt.

Schlingensief hat viele Förderer aus Kultur, Wirtschaft und Politik auf seiner Seite. Das Goethe-Institut hat seine Hilfe ebenso zugesagt wie die Kulturstiftung des Bundes. Auch der schwedische Autor Henning Mankell gehört zu den Unterstützern. "Bleibt es bei den Planungen, soll Anfang Dezember Baubeginn sein", sagt Kéré "Und alle bauen mit! Viele Künstler haben schon zugesagt, beim Bau zu helfen." Und helfen heißt hier: selber Hand anlegen, Stein auf Stein setzen. Francis Kéré, der es mit seiner Schule in Gando schon einmal vollbracht hat, mit viel Energie einen Traum zu verwirklichen, wird dies auch bei diesem Bauprojekt tun. Sein wichtigstes Werkzeug? "Die Begeisterung", sagt er, und die sei bei allen Beteiligten so groß, dass man solche Projekte meistern könne.

Bettina Klotz / Quelle: "TU intern", 10/2009

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