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Leidenschaft allein genügt nicht

Montag, 13. Oktober 2008

Carsten Hokema entwickelt Leitfäden für Architekten, die Unternehmer werden wollen

Carsten Hokema
Carsten Hokema
Lupe

Leidenschaft für eine Sache zur alleinigen Grundlage für eine Unternehmensgründung zu erklären hält Carsten Hokema für einen gefährlichen Fehler. "Leidenschaft zum Inhalt lässt andere Aspekte bei der erfolgreichen Führung eines Unternehmens schnell vergessen. Und somit kann, was eigentlich eine Stärke ist, schnell zu einer Schwäche werden", beurteilt der TU-Absolvent der Architektur, der sich intensiv mit dem Thema Unternehmensentwicklung beschäftigt. Es bildet die Grundlage seiner Dissertation, die er zurzeit am Fachgebiet für Stadt- und Regionalökonomie bei Prof. Dr. Dietrich Henkel anfertigt. Seinen Fokus legt er dabei auf eine ganz besondere Gruppe von Gründerinnen und Gründern: die Architekten. Und diese seien häufig leidenschaftlich bei ihren Ideen, ansonsten jedoch recht beratungsresistent, wenn es um die Entwicklung ihres sonstigen Geschäftskonzeptes geht, urteilt Hokema über seine Berufskollegen. Dabei nimmt er sich selbst nicht aus. Auch Carsten Hokema gründete nach dem Ende seines Studiums im Jahr 1998 ein Designbüro für Möbel, Objekte und Licht. „Ich habe alles bestens vorbereitet, aber eigentlich merkte ich schon bei der Eröffnung des Ladens, dass ich mich mit dem unternehmerischen Handeln gar nicht auseinandergesetzt habe“, sagt er rückblickend. Nach zwei Jahren als Unternehmer gab er auf. Dennoch reizte ihn das Thema „Entrepreneurship für Architekten“. Er berät Architekten bei der Entwicklung ihrer Geschäftskonzepte, und da er auch nach dem Studium immer Kontakt zur TU Berlin hielt und noch während der Gründung seines Geschäftes als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, entschied er sich zusätzlich für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Dabei geht er in seiner Dissertation nicht empirisch vor, sondern entwickelt eine Art Leitfaden, die der Organisation eines Architekturunternehmens dienen soll. Grundlage für seine Untersuchung sind Interviews mit Experten aus dem Bereich Unternehmensentwicklung sowie mit Architekten, die bereits gute Strategien anwenden. Um die Gespräche zu strukturieren, hat er ein Spielbrett entwickelt, auf dem er 25 unterschiedliche Faktoren abgebildet hat, die zu einem Architekturunternehmen gehören. So müssen seine Gesprächspartner stichwortartig definieren, was für sie "Controlling", "Mitarbeiter", "Akquise", aber auch "Unternehmensstrategie" oder "Marke" bedeutet. Zu erkennen ist dabei, dass die Architekten andere Karten auf das Brett legen als die Experten, die selbst keine Architekten sind. Diese Lücke, die Carsten Hokema zwischen diesen beiden Welten entdeckt, möchte er mit seiner Untersuchung, die Anfang 2009 abgeschlossen sein soll, schließen. Ihm geht es darum, unternehmerisches Handeln und Denken in die Köpfe der Architekten zu bringen. Für Carsten Hokema gehört "Entrepreneurship für Architekten" dringend in die universitäre Ausbildung, damit er zukünftig von Architekten nicht mehr Sätze der Empörung zu hören bekommt, wie diesen: "Geschäftskonzept???? - Ich bin doch Architekt!"

Bettina Klotz / Quelle: "TU intern", 10/2008

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