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TU Berlin

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Ein Wissenschaftshaus mit Spannung

Architektur im Spiegel der Geschichte

Prof. Dr. Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin
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Die Technische Universität Berlin begeht im November 2009 das 125. Jubiläum ihres Hauptgebäudes. Die Entwicklungsstufen dieses Wissenschaftsgebäudes präsentiert sie mit der Ausstellung "125 Jahre Hauptgebäude – Spannung zwischen Tradition und Nachkriegsmoderne". Sie findet in einer Zeit statt, da sich die TU Berlin erneut in einem baulichen Wandel befindet. Die fast ein Jahrzehnt umfassende Phase der Sanierung und Erneuerung des Lichthofes, der historischen Südfassade, der Neugestaltung der Eingänge in den Altbau sowie des Campus-Centers – um nur die wichtigsten Projekte zu nennen – ist bereits abgeschlossen. Die Gestaltung der Eingangshalle, die Öffnung der traditionellen Wandelkorridore sowie ein Durchbruch der Treppenhäuser im Ostteil bis ins Erdgeschoss sind in vollem Gan-ge. Mit diesen Erneuerungen werden wir Funktionalität und Ästhetik des Hauptgebäudes neu in Einklang bringen.

Die Ausstellung zeigt die wechselvolle Geschichte des Hauptgebäudes in seiner architektonischen Dimension, sie zeigt das Wissenschaftshaus aber auch als einen bedeutenden Ort historischer Begebenheiten, wie die Vergabe des Promotionsrechts an die deutschen technischen Hochschulen im Jahr 1899 durch den deutschen Kaiser. Es war aber auch Kulisse für eine imperiale Aggressionspolitik. Es war ein Ort, wo technische Innovationen von Weltgeltung entwickelt wurden, aber auch ein Haus, in dem – wie 1933 – unwürdige und menschenverachtende Aktionen stattfanden, als Mitarbeiter, auch Wissenschaftler von Weltruf, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder aus politischen Gründen die Hochschule verlassen mussten.

Die Ausstellung zeigt die wechselvolle Geschichte des Hauptgebäudes in seiner architektonischen Dimension, sie zeigt das Wissenschaftshaus aber auch als einen bedeutenden Ort historischer Begebenheiten, wie die Vergabe des Promotionsrechts an die deutschen technischen Hochschulen im Jahr 1899 durch den deutschen Kaiser. Es war aber auch Kulisse für eine imperiale Aggressionspolitik. Es war ein Ort, wo technische Innovationen von Weltgeltung entwickelt wurden, aber auch ein Haus, in dem – wie 1933 – unwürdige und menschenverachtende Aktionen stattfanden, als Mitarbeiter, auch Wissenschaftler von Weltruf, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder aus politischen Gründen die Hochschule verlassen mussten.

Das Hauptgebäude, das im 2. Weltkrieg schwer zerstört wurde, entstand neu aus den Ruinen – auch mit Hilfe seiner Studierenden –, neu im Geiste und neu in der Form. Mit der Gründung der TU Berlin im Jahr 1946 verpflichteten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Werte der Demokratie, des Humanismus, der Menschenrechte, der Verantwortung und der Freiheit der Forschung.

Zwischen 1946 und 1968 schufen die Akteure des Wiederauf- und Neubaus ein spannungsvolles Nebeneinander von erneuernder Rekonstruktion des Traditionellen mit der modernen Nachkriegsarchitektur, die vor allem die Schauseite der Universität zur späteren "Straße des 17. Juni" völlig veränderte.

Die nun konzipierte Ausstellung spiegelt besonders die Zeit des Wiederaufbaus und der ihm folgenden architektonischen Modernisierung wider. Das TU-Hauptgebäude war bereits vor seiner Einweihung 1884 ein umstrittener Bau. Liberale Kritiker wie Rudolf Virchow formulierten den Vorwurf einer gewissen Monumentalität. Der Wiederaufbau nach dem Weltkrieg – die spannungsvolle Synthese von Tradition und Nachkriegsmoderne – hat die kritischen Stimmen nicht verstummen lassen. Das Hauptgebäude bleibt also ein Haus im Widerstreit. Kontroverse ist aber nicht das Schlechteste, was sich ein Universitätsgebäude wünschen kann, denn der Widerstreit der Meinungen ist und bleibt der Motor des geistigen Fortschritts, er erzeugt – produktiv geführt – Innovation. Die begonnenen und noch andauernden baulichen und ästhetischen Veränderungen heben die Spannung zwischen der traditionellen Architektur des Altbaus und der des Neubaus als Repräsentant der Nachkriegsmoderne nicht auf. Sie soll auch nicht aufgelöst werden. Mit den baulichen Veränderungen wollen wir die gegenseitige Abschließung abmildern sowie Kommunikation und Transparenz befördern. Damit gewinnt das Gebäude an Funktionalität und auch eine neue ästhetische Dimension.

Der Katalog dokumentiert das Werden unseres Hauptgebäudes und zeigt somit auch einen wichtigen Teil der Wissenschaftsgeschichte in Berlin-Charlottenburg auf. Mit dem Jubiläum und der Ausstellung reiht sich die TU Berlin in die bereits begonnene Veranstaltungsserie für das "Wissenschaftsjahr 2010" in Berlin ein.

An dieser Stelle möchte ich nicht versäumen, allen, die diese Ausstellung ermöglichten, herzlich für ihr Engagement zu danken.

Prof. Dr. Kurt Kutzler, Präsident der TU Berlin

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