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TU Berlin

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125 Jahre Wissen im Zentrum

Ausstellung der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin von 28. Oktober 2009 bis 30. Januar 2010

Die Universitätsbibliothek hat ihr Jubiläum zum Anlass genommen, in der Ausstellung "125 Jahre Wissen im Zentrum, die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin" Rückschau zu halten und einen Ausblick auf die aktuellen und zukünftigen Aufgaben zu werfen.

Informationen zur Ausstellung
Ort:

Ausstellungsforum der Universitätsbibliothek, Fasanenstraße 88
(im VOLKSWAGEN-Haus), 10623 Berlin
Öffnungszeiten:
von 28. Oktober 2009 bis 30. Januar 2010 ,
Montag bis Freitag, 9.00 bis 22.00 Uhr,
Samstag 10.00 bis 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Bibliotheken – Herzstück einer Universität

Bibliotheken sind nach wie vor außergewöhnliche Orte – diese Feststellung trifft auch und gerade auf wissenschaftliche Bibliotheken zu. Hinter jeder Erfindung und hinter jeder wissenschaftlichen Entwicklung verbirgt sich stets eine ganze Bibliothek. Ohne Bücher und Bibliotheken gäbe es keine Vermittlung des Wissens aus Vergangenheit und Gegenwart - in der notwendigen Breite und Tiefe! Den Universitäten würde ohne eine ihnen unmittelbar verbundene wissenschaftliche Bibliothek das entscheidende Herzstück fehlen, das ihre Köpfe nicht nur mit notwendigem Wissen versorgt und den Kreislauf zirkulieren lässt, sondern auch die Ergebnisse und Überlegungen ihrer eigenen Forschung und Lehre für Gegenwart und Zukunft bereit und zugänglich hält – und das über die universitären Grenzen hinweg. Kurz: Auch die Technische Universität Berlin, respektive die ehemalige Königlich Technische Hochschule, ist ohne ihre Bibliothek nicht denkbar. Das gilt für die vergangenen 125 Jahre und auch für die Zukunft.

Das Gründungsdatum der Universitätsbibliothek wird mit dem Erstbezug des Hauptgebäudes der Königlichen Technischen Hochschule auf das Jahr 1884 angesetzt. In einer Jahrtausend alten Bibliotheksgeschichte sind die Bibliotheken der technischen Hochschulen in Deutschland natürlich noch eine sehr junge Erscheinung. Da die Technische Hochschule Berlin aus verschiedenen Vorläuferinstitutionen hervorging, setzte sich der Gründungsbestand dieser Bibliothek aus den Beständen der Berliner Bauakademie und dem der Gewerbeakademie zusammen.

Bibliothek gehört zur baulichen Mitte des neuen Hauptgebäudes

Für die Technische Hochschule gehörte die Bibliothek von Anfang an, zusammen mit der Eingangshalle, dem Lichthof, der Aula und dem Rektorat zur baulichen Mitte des neuen Hauses – dem Hauptgebäude an der heutigen Straße des 17. Juni – und bildete damit auf gleichsam symbolische Weise "Herz und Kopf" der Einrichtung. Die zentrale Stellung des Lesesaals, direkt am repräsentativen Lichthof gelegen, zeigt, wie sehr die neue Bibliothek als ein sichtbares Zeichen für den Wissensanspruch der jungen Hochschule gesehen wurde. Gegen die neu entstehenden Technischen Hochschulen gab es seitens der Universitäten, auch der 1810 gegründeten Berliner Universität (heutige Humboldt-Universität), massive Vorbehalte. Ihre Gründungsväter Humboldt, Fichte, Schelling, Schleiermacher wandten sich entschieden gegen die Aufnahme der sogenannten „Brotwissenschaften“. Daher war es umso wichtiger, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II als preußischer König und "oberster Schulherr" den Technischen Hochschulen in Preußen das Promotionsrecht zusprach sowie das Recht, den Titel "Diplom-Ingenieur" zu verleihen. Dies geschah 1899 im Rahmen der 100-Jahr-Feier an und in der Technischen Hochschule Berlin.

Viele Studierende – viel Platzmangel

Mit dem Bedeutungszuwachs der Technischen Hochschulen sowie der zeitgleich zunehmenden gedruckten technischen Literatur wurden technische Bibliotheken mit ihren Büchersammlungen immer wichtiger. Bereits zur Jahrhundertwende war ein Ingenieur, wollte er im praktischen Berufsleben die Fortschritte seines Faches verfolgen, in erster Linie auf die gedruckte Literatur angewiesen. Parallel zu diesen Entwicklungen stiegen die Studierendenzahlen der TH Berlin enorm an. Ein Viertel aller Studierenden an Technischen Hochschulen des Deutschen Reichs waren 1900/1901 in Berlin eingeschrieben.

So erfreulich eine solche Entwicklung ist, hat sie auch ihre problematischen Seiten, wenn eine Einrichtung auf solchen Ansturm nicht vorbereitet ist. Es wurden Befürchtungen wegen Überfüllung und schlechter Ausbildung laut, wie aus einer bereits 1898 veröffentlichten Denkschrift der Vereins Deutscher Ingenieure mit dem Titel "Die Überfüllung der deutschen Technischen Hochschulen" hervorgeht. Auf einen Dozenten kamen seinerzeit 24 Studenten. Das bedeutete – nach einem zeitgenössischen Bericht –, dass Berlin zwar hervorragende Lehrkräfte habe, …; aber bei der vorherrschenden Überfüllung wäre es eigentlich gar nicht mehr möglich, in Berlin etwas zu lernen; denn der Dozent könnte sich nicht um die Studenten kümmern, diese hätten keinen Platz, … und müssten schließlich ihre Zeichnungen zu Hause in der Wohnung ausführen.

Das klingt auch heute vertraut: zu wenig Platz für Wachstum, zu wenig Arbeitsplätze für die Studierenden, zu hohe Gebühren (aus Sicht der Studierenden), zu geringe Erwerbungsetats der Bibliotheken. Das sind Strophen eines bekannten Klageliedes, das jedoch nach dem Kaiserreich und der Weimarer Republik nicht mehr so laut gesungen wurde. Bereits Anfang der 30er Jahre und während des Nationalsozialismus fallen – durch Regierungsmaßnahmen gesteuert – die Studierendenzahlen steil ab.

Ein dunkles Kapitel für die technischen Bibliotheken

Die technischen Bibliotheken erweiterten sich in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg, ihre ansehnlichen Neuerwerbungen waren für das ökonomische und militärische nationalsozialistische Deutschland unerlässlich. Bereits Anfang der 30er Jahre gab es Überlegungen, die Universitätsbibliothek der Technischen Hochschule zur "Zentralstelle der deutschen Technik" umzuwandeln. Das gelang zwar nicht, aber 1933 wird ein hochentwickeltes, modernes Informations- und Dokumentationszentrum mit dem erklärten Ziel gegründet, die Literaturversorgung der Industrie zu verbessern. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde es als "kriegswichtig" eingestuft. Die Gestapo, ab 1936 Kontrollbehörde, bewilligte durchweg die erforderlichen Devisen zur Anschaffung ausländischer naturwissenschaftlicher und technischer Zeitschriften, um zu verhindern, dass die deutsche Verteidigungsindustrie zurückfällt.

Die Aufforderung zur systematischen Säuberung des Bibliotheksbestandes erfolgt im April 1936 durch die Anweisung des Ministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Im Zuge dessen wurde unerwünschtes Schrifttum aus dem Ausleihbestand entfernt. Es durfte jedoch ausdrücklich nicht vernichtet, sondern musste vom Bibliotheksleiter in einem besonderen Schrank unter Verschluss gehalten werden. So wurde durch Erlass vom November 1937 die Wochenschrift "Nature" (London) von der allgemeinen Benutzung ausgeschlossen, weil sie "unerhörte und niedrige Angriffe gegen die deutsche Wissenschaft und den nationalsozialistischen Staat" enthalte. Das Verbot wurde im Juli 1939 jedoch wieder aufgehoben.

Es gab auch viele personelle Eingriffe während der NS-Zeit. Das zeigt der Fall von Dr. Rudolf Hoecker, dem Direktor der Universitätsbibliothek der Berliner Universität. Er wurde aufgrund des Gesetzes über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zunächst in den einstweiligen Ruhestand und 1936 auf eine Bibliotheksratsstelle zurückgestuft wurde. Man versetzte ihn als einfachen Fachreferenten an die Bibliothek der TH, was sich angesichts anderer Verbrechen vergleichsweise harmlos ausnimmt.

1945: Der Ernüchterung folgt der Aufbau

1945 kommt dann die gründliche Ernüchterung, auch für diese Hochschule. Grundsätzliche Neuorientierung wird nötig. Die Hochschule nimmt im April 1946 mit Unterstützung der Briten und unter der neuen, programmatischen Bezeichnung "Technische Universität Berlin" ihren Studienbetrieb wieder auf. Der neue Name soll den Bruch mit der militaristischen und nationalsozialistischen Vergangenheit zeigen und weg von der einseitigen technischen Spezialisierung hin zur Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren führen, die sich ihrer Verantwortung gegenüber der menschlichen Gemeinschaft bewusst sind.

Die Bibliothek hat 1943 beinahe ihren gesamten Medienbestand bei einem Luftangriff verloren. 1947 ist das Buchangebot noch so gering, dass mit Suchanzeigen in Tageszeitungen versucht wird, technische Literatur von Privatpersonen zu erhalten beziehungsweise zu erwerben. Die erste Benutzungsordnung der Nachkriegsbibliothek von 1948 droht daher bei Entwendung von Büchern aus der Bibliothek mit unnachsichtiger strafrechtlicher Verfolgung und Entfernung von der Universität.

Aus dem schnellen Wachstum entstehen Strukturprobleme

Auch wenn die Bibliothek 1953 – nach jahrelanger provisorischer Unterbringung – wieder an ihren ursprünglichen Ort im Hauptgebäude zurückkehrt und hier "der schönste Lesesaal Berlins" entsteht, wie es laut einer Studentenzeitschrift aus dieser Zeit heißt, lassen sich in den folgenden Jahrzehnten die massiven Raum- und dadurch entstehenden Strukturprobleme der rasch wieder anwachsenden Bibliothek nicht verleugnen. Darüber können auch intelligente Zwischenlösungen und die immer zahlreicher werdenden dezentralen Standorte nicht hinwegtäuschen. Das schon lange herrschende Grundproblem des Provisoriums schiebt sich mehr und mehr in den Vordergrund: Das Fehlen eines eigenen, dem Wachstum von Büchern und anderen Medien Platz bietenden, studienfreundlichen Gebäudes, das den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzern der Bibliothek wie auch dem Personal optimal entgegen kommt.

2004: Der Umzug an einen neuen Ort

Erst 2004 mit der Eröffnung des Gebäudes der Zentralbibliothek wird ein eigener Ort geschaffen, der den vielfältigen Anforderungen der Zukunft gewachsen, technisch auf neuestem Stand ist und auch Möglichkeiten der Weiterentwicklung bietet.

Trotz digitaler Revolution, Einführung des E-Books und mehrfacher Totsagung des gedruckten Buches gelten für wissenschaftliche Bibliotheken immer noch dieselben Kernaufgaben wie zur Zeit der Gründung der TH-Bibliothek. Dr. Zick, leitender Bibliotheksdirektor der TU Berlin fasst Sie in seinem Ausblick der Ausstellung zur 125-jährigen Geschichte der Universitätsbibliothek zusammen:

  • Bibliotheken sichern den Zugang zur Information für alle.
  • Sie bieten die räumlichen Gegebenheiten und die erforderlichen Hilfsmittel, um aus Informationen Wissen zu generieren.
  • Sie erschließen und präsentieren ihre Medien und geben Hilfestellung für die Recherche in der immer unübersichtlicher werdenden Informationslandschaft.
  • Sie bewahren das kondensierte Wissen der Menschheit.

Die Bibliothek ist heutzutage zugleich virtueller und realer Ort, was sie ja in genialer Weise eigentlich schon immer war: Ein Ort gebundener und freisetzbarer Phantasien und Möglichkeiten – dieses Potenzial wird für die Weiterentwicklung in Forschung und Lehre stets unverzichtbar bleiben.

Dr. Anke Quast
TU Berlin
Universitätsbibliothek im VOLKSWAGEN-Haus
Fasanenstr. 88
10623 Berlin
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Fachreferentin für Psychologie, Soziologie und Stadt- und Regionalplanung

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