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TU Berlin

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Menschen

Fragen von morgen - Antworten von übermorgen

Freitag, 11. Oktober 2013

Mit Günter Spur verliert die deutsche Technikwissenschaft eine ihrer großen Gestalten. Er hat nicht nur die Entwicklung seines Faches sehr geprägt, sondern auch die Lebensläufe vieler seiner Studenten und Mitarbeiter.

Als ich im Jahr 1964 bei Günter Spur an der Staatlichen Ingenieurschule Bielefeld das Fach „Werkzeugmaschinen“ zu hören begann, konnte ich nicht ahnen, was dies für mein Leben bedeuten würde. Am Pult stand ein Mensch, der mir zeit seines Lebens Mentor, Gesprächspartner, Ratgeber, Maßstab und Vorbild sein sollte. Damals war er noch Konstruktionsleiter bei Gildemeister und übte in seiner Freizeit den Lehrauftrag an der Ingenieurschule aus. Sein Spitzname „Ölspur“ war bezeichnend für die Art seiner Lehre. Man hatte das Gefühl, direkt im Maschinenraum zu stehen und mit ihm an der nächsten Innovation zu arbeiten.

Günter Spurs Denken und Handeln widmete sich stets der Zukunft. Daher gilt er auch zu Recht als „Vater der Fabrik der Zukunft“. Spur hat nie Fragen von gestern gestellt. Es waren immer Fragen von morgen, für die er Antworten für übermorgen suchte und fand. Dabei wusste er andere mitzureißen und zu begeistern. In seiner Person vereinte sich eine seltene Kombination besonderer Begabungen. Sie machte ihn zu einem herausragenden „Professor“, einem echten „Bekenner“ seines Fachs. Da war die große Systematik seines Denkens und Handels. Da war seine unglaubliche Gestaltungskraft. Da waren sein ausgeprägtes Gespür für die Möglichkeiten junger Menschen und seine Fähigkeit, diese durch Förderung auch auszuschöpfen. Seine Strenge im Denken und Handeln wirkte dabei ebenso effektiv wie seine Schlagfertigkeit, die das Argumentieren mit ihm zur Freude machte. Dazu kamen sein Humor, mit dem er die Herzen der Menschen gewann, und seine Gabe, aus Einzelnen eine Gemeinschaft zu formen und zu pflegen. So prägte Günter Spur Generationen von Ingenieuren. Er gab uns dabei ein ganzheitliches, interdisziplinäres Verständnis des Ingenieurs mit auf den Weg, das Technik, Organisation und Mitarbeiter vereint.

Als ein solcher Ingenieur hat Günter Spur selbst gewirkt. Er hat weit über den Tellerrand hinausgeblickt und sich für eine größere Akzeptanz der Technikwissenschaften in der Gesellschaft engagiert. So hat er leidenschaftlich dafür gekämpft, dass die Idee einer nationalen Akademie für Technikwissenschaften in Deutschland Wirklichkeit werde. Ohne den Wegbereiter Günter Spur wäre das nicht gelungen. Als Gründungspräsident dieser Akademie wusste ich ihn an meiner Seite auf dem langen und oft zähen Weg hin zu diesem Ziel. Umso größer war unsere gemeinsame Freude, als acatech 2008 den Status als Deutsche Akademie der Technikwissenschaften erhielt.

Günter Spur hat in den fast 50 Jahren, in denen wir uns kannten, prägende Spuren in meinem Leben hinterlassen. Ich bin zutiefst dankbar, dass sich damals in Bielefeld unsere Lebenswege kreuzten.

Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult. Dr.-Ing. E. h. mult. Joachim Milberg, Vorsitzender des Aufsichtsrats der BMW AG / Quelle: Hochschulzeitung "TU intern", 10/2013

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